Sächsisch-tschechischer Schulterschluss für Bahnstrecke Freiberg-Most

Seit 1945 ist der Bahnverkehr im Osterzgebirge unterbrochen. Tschechen und Sachsen engagieren sich nun gemeinsam für den Lückenschluss.

Holzhau.

Kommunalpolitiker und Eisenbahnexperten aus Mittelsachsen und Nordböhmen machen sich gemeinsam für die Wiederbelebung der seit 1945 unterbrochenen Bahnverbindung zwischen Freiberg und Most (Brüx) stark. Auf einer Konferenz am Donnerstag in Holzhau unterzeichneten Vertreter der sächsischen und tschechischen Anrainerkommunen einen Aufruf zur Wiederherstellung des fehlenden Gleisabschnitts zwischen Holzhau und dem Grenzbahnhof Moldava/Moldau.

Nach einer Schätzung der RP Eisenbahn GmbH, die die 31 Kilometer lange Strecke durchs Muldental zwischen Freiberg und Holzhau betreibt, würde der gut acht Kilometer lange Abschnitt nach Moldava etwa 15 Millionen Euro kosten. Dort war das Gleis ab den Fünfzigerjahren nach und nach demontiert worden, der Abschnitt ist aber noch immer als Eisenbahnstrecke gewidmet. Auf der tschechischen Seite nannte zudem ein Vertreter der Bahnverwaltung SŽDC einen Investitionsbedarf von knapp 40 Millionen Euro. Insbesondere Viadukte und Tunnel auf der technisch anspruchsvollen Strecke am Erzgebirgskamm sind sanierungsbedürftig.

Torsten Kleditzsch

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"Das ist kein tschechisches Problem, das ist kein deutsches Problem, das ist unsere gemeinsame Herausforderung", sagte der CDU-Landtagsabgeordnete Steve Ittershagen, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Muldentalbahn. Er rechnet mit einer Planungs- und Bauzeit von zehn Jahren. "Die Region will es", sagte Ittershagen. "Wir sind in der Mitte Europas und es muss uns gelingen, auch hier zusammenzuwachsen." Der CDU-Politiker will die Landesregierung überzeugen, im Juni beim Besuch des tschechischen Premiers Andrej Babiš in Dresden eine entsprechende Vereinbarung mit dem Nachbarland zu unterzeichnen.

Die Bahnstrecke Nossen-Freiberg-Brüx war 1885 eingeweiht worden. Sie diente anfangs vor allem für den Güterverkehr, um Braunkohle aus dem Böhmischen Becken zu den Hüttenbetrieben nach Freiberg zu transportieren. Ab etwa 1900 gewann sie auch zunehmend an Bedeutung für den Fremdenverkehr. Heute verkehrt zwischen Freiberg und Holzhau stündlich ein Regioshuttle der Freiberger Eisenbahn, zwischen Most und Moldava setzen die tschechischen Staatsbahnen České Dráhy Triebwagen im Wochenend- und Saisonverkehr für den Tourismus ein.

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