Bus-Streik läuft fast im Verborgenem

Sachsenweit gab es am Mittwochmorgen keinen Linienverkehr. Bis 8 Uhr blieben auch Fahrzeuge von Regiobus im Depot. Der Schülerverkehr war nur teilweise betroffen.

Hainichen/Mittweida.

In den Gymnasien in Mittweida und Frankenberg sind am Mittwochmorgen trotz des Bus-Streiks alle Schüler pünktlich 8 Uhr zur ihren Englisch-Prüfungen angetreten. "Wir mussten nichts verschieben", erklärte Mittweida Schulleiter Gerd-Becker. "Die Abiturienten waren vollzählig da." Bis 9 Uhr hätten auch alle Anderen die Schule erreicht, von 640 Gymnasiasten nutze etwas mehr als die Hälfte die Schülerbeförderung.

"Unsere Prüflinge haben schon am Montag Fahrgemeinschaften organisiert", erläuterte Ingo Pezold, Leiter des Martin-Luther-Gymnasiums Frankenberg. "Viele Jüngere wurden von ihren Eltern gebracht." An der Friedrich-Gottlob-Keller-Oberschule in Hainichen sind nach Angaben der Schulleitung nur ganz wenige Schüler zu spät gekommen. "Hier fahren vor allem private Busunternehmen", so Lehrer Maik Leye. Und die steuerten in den Morgenstunden auch den kaum frequentierten Busbahnhof in Hainichen an.

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"Wir haben auch Schüler transportiert, die jetzt vielleicht noch auf einen Anschlussbus warten", berichtete der Fahrer eines privaten Busunternehmens. "Für uns lief sonst alles normal, auch ohne Beschwerden."

Gelassen wartete am Bahnhof in Hainichen Dominic Mühler aus dem Striegistaler Ortsteil Naundorf. Seine Freundin hatte ihn mit dem Auto dorthin gebracht. "Jetzt warte ich auf einen Kollegen, ich muss zur Arbeit zur Agrargenossenschaft nach Pappendorf", berichtete der junge Mann. Vom Streik überrascht wurde eine junge Frau, die mit dem Bus zur Berufsschule nach Chemnitz wollte. "Jetzt muss ich wohl mit dem Zug fahren". Einen Aushang suchte sie in Hainichen vergebens.

Auch am Busbahnhof Mittweida standen potenzielle Fahrgäste ratlos da, eine Schülerin informierte über ihr Handy ihre Mutter, und teilte mit, dass sie friere. "Hier steht nichts über einen Streik", sagte eine Frau, die nach Hainichen wollte. "Hätte ich davon gewusst, wäre ich schon am Dienstagabend gefahren." Eine andere Mittweidaerin hatte gegen 7.30 Uhr einen Ersatz für den ausgefallen Bus nach Penig. Ihr Mann wolle sie abholen. Verständnis für die Aktion zeigte sie dennoch: "Sollen sie streiken, wenn sie nicht genug verdienen. Das ist schon richtig."

Wofür niemand Verständnis hatte, war die geschlossene Wartehalle, die laut Regiobus "Mobilitätszentrale" heißt. An den Türen hingen dort Zettel, die allerdings nur auf eine Schließung aus technischen Gründen am Donnerstag hinwiesen. Erst 7.50 Uhr öffnete sich die Tür zum Warteraum, und damit die Möglichkeit, die Toilette nutzen zu können.

Bei Regiobus selbst löste sich zu dieser Zeit die Versammlung vor dem Tor des Betriebshofs an der Altenburger Straße langsam auf. Schon kurz vor 4 Uhr morgens seien laut Sven Vogel, Fachbereichssekretär der Gewerkschaft Verdi, die ersten Busfahrer zum Warnstreik gekommen. "Insgesamt waren es etwa 35 Leute bei Temperaturen um den Gefrierpunkt", sagte Vogel. "Die Kollegen sind halt hart im Nehmen." Hart stehe man auch hinter dem Ziel des Streiks: 15,66 Euro Stundenlohn für Facharbeitskräfte ist die Forderung, über die am Donnerstag wieder verhandelt werden soll.

Punkt 8 Uhr fuhr Vogel sein Auto vom Werktor weg, dahinter warteten schon die Firmenfahrzeuge. Binnen vier Minuten fuhren 13 Busse los. "Die sind je nach Lage zum Teil nach Fahrplan oder mit etwas Verspätung in den Linienverkehr gestartet", so Henning Schmidt, Fachbereichsleiter Verkehr bei Regiobus. Bis 9 Uhr habe sich die reguläre Taktung wieder eingespielt. Zudem sei laut Schmidt der Busverkehr nicht komplett zum Erliegen gekommen. Neben den Vertragsunternehmen hätten seien auch einige Regio-Mitarbeiter gefahren. Anrufe von Fahrgästen habe es kaum gegeben, meist seien es nur Sachfragen gewesen. Einen fehlenden Aushang mit einem Hinweis auf den Streik am Busbahnhof in Mittweida verteidigte Schmidt: In Zeiten des Internets sei so etwas einfach nicht mehr üblich.

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