Mit Friedhelm in ein neues Zeitalter

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Das Museum Zeit-Werk-Stadt ist zur Eröffnung vom Ministerpräsidenten gelobt worden. Er sieht Frankenberg als Vorbild für das gesamte Land.

Frankenberg.

Als Bürgermeister Thomas Firmenich (CDU) die stolze Summe von 12.6 Millionen Euro als Gesamtkosten für das neue Museum Zeit-Werk-Stadt in Frankenberg aufrief, war das Raunen vieler Ehrengäste der Eröffnungsfeier am Mittwochnachmittag nicht zu überhören. Was das neue Haus auf zwei Etagen alles bietet, lobte Ministerpräsident Michael Kretschmer in seiner Ansprache in höchsten Tönen. Und Superlative gibt es einige: 240 Milliarden Pixel hat der Time- cube, ein Würfel, der rundum über Monitore mit Filmen bespielt wird. Diese Attraktion hat allein mehr als eine Million Euro gekostet.

Für die Freigabe des Museums hatte sich die Stadt etwas Besonderes einfallen lassen. Roboter Friedhelm, der in digitaler Form die Kinder durch die Schau zur Stadtgeschichte begleiten soll, war gleich in sechsfacher Ausfertigung erschienen. Frankenberger Mädchen und Jungen waren in selbst gebastelten Kostümen der Hingucker. Firmenich dankte in seiner Ansprache der Staatsregierung "für die kluge Verteilung von Fördermitteln", von der seine Stadt stark profitiert habe. Sein Dank galt weiterhin allen Stiftern und Unterstützern des Hauses.

Das sieht er auch im Hinblick auf Chemnitz als Kulturhauptstadt 2025 auf einem guten Weg. Der habe schon über die Landesgartenschau geführt und münde nun in den "Tag der Sachsen" im nächsten Jahr. Das alles sei laut Kretschmer ein Verdienst des Bürgermeister. "Ich bewundere das Herzblut und die Umarmung der Menschen, mit der sie diese Stadt führen", sagte der Ministerpräsident. Der hat übrigens selbst eine Beziehung zur ausgestellten Automobilgeschichte: Sein Vater sammle Oldtimer. Sein erster sei ein Framo gewesen, weil er den früher selbst schon gefahren sei. Und das erste Auto, das Kretschmer selbst gesteuert hat (als Jugendlicher sogar noch ohne Führerschein), sei auf einem Hof ein Barkas B-1000 gewesen.

"Es braucht heute eine andere Form der Vermittlung von Wissen", sagte Kretschmer. "Dieser Ort ist dafür geeignet, Generationen zusammenzubringen. Ich wünschte mir, ganz Deutschland wäre wie Frankenberg." Ein bisschen mehr Weitblick wünschten sich die Vertreter des Fördervereins Fahrzeugmuseums. "Ich habe meine Zweifel, ob hier die Geschichte richtig vermittelt wird", sagte der Vorsitzende Jürgen Rehm. "Die anderen Standorte des Werks werden völlig ausgeblendet. Alles, was vier Räder hatte, egal ob Framo oder Barkas, ist schließlich in Hainichen vom Band gelaufen."

Hainichens Oberbürgermeister war zur Eröffnung nicht eingeladen worden, wie dieser auf Nachfrage bestätigte. Ein mal fiel der Name Hainichen dann doch in Firmenichs Rede. Er bezeichnete den Hainichener Erfinder Friedrich Gottlob Keller als Vater der modernen Papierherstellung. Frankenberg zeigt die Druckerpresse, auf der die erste Zeitung nach Kellers Verfahren des Holzschliffs gedruckt wurde.

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