Bundesarbeitsministerin Bas schildert, wie sie mit Anfeindungen umgeht. (Archivbild)
Bundesarbeitsministerin Bas schildert, wie sie mit Anfeindungen umgeht. (Archivbild) Bild: Jens Büttner/dpa
Deutschland
Bärbel Bas: "Bin ein personifiziertes Feindbild geworden"

Freie Presse auf Google News folgen

Purer Hass statt Kritik: In einem Interview erzählt SPD-Chefin Bas von massiven Anfeindungen. Sie verrät auch, warum sie trotzdem nicht aufgibt - und welche Schwäche sie mit Kanzler Merz verbindet.

Düsseldorf.

Auch der resoluten SPD-Chefin Bärbel Bas fällt es nicht immer leicht, Hasstiraden und Beleidigungen auszuhalten. "Das ist schon sehr persönlich, ja", sagte die Bundessozialministerin beim "Ständehaus-Treff" der "Rheinischen Post" (RP) in Düsseldorf. "Ich bin so ein personifiziertes Feindbild geworden." Es bleibe "nicht so einfach in den Klamotten hängen, was man so lesen muss".

Gerade rechte Netzwerke versuchten, starke, selbstbewusste Frauen mit Hass und persönlichen Angriffen kleinzukriegen, kritisierte Bas. Besonders schlimm sei, wenn das bei Kindern ankomme, deren Eltern sich politisch engagierten. "Und jetzt bin ich schon fast froh, keine eigenen Kinder zu haben."

"Es geht darum, die Person fertigzumachen"

Viele Anzeigen stelle sie nicht, erzählte Bas. "Aber es ist nicht einfach, das auszuhalten." Es gehe dabei nicht um sachliche Kritik, sondern um puren Hass, "auch um Vergewaltigungsfantasien - was man sich nicht alles anhören muss", schilderte die 58-jährige Politikerin. "Also um die Sache immer gerne Streit, Auseinandersetzung, aber da geht es darum, die Person kleinzumachen, die Person fertigzumachen, dass sie irgendwann aufgibt."

Dazu habe sie allerdings keine Veranlagung, sagte die Duisburgerin. Wenn sie sehr gestresst sei und viel um die Ohren habe, käme ihr aber auch schon mal der Gedanke: "Ich könnte es mir mal irgendwie einfacher machen", räumte Bas ein. Dann denke sie aber letztlich immer wieder: "Nein, den Gefallen tue ich denen nicht." Sie gebe aber zu: "Je härter und stärker das wird, umso mehr denkt man darüber nach, wie lange hält man das aus?"

Politiker sind keine Superhelden

Natürlich machten Politiker nicht immer alles richtig. "Gar keine Frage, wir sind auch keine Superhelden", sagte Bas. Es sei aber wichtig, Verantwortung zu übernehmen und aufzupassen, dass das Gemeinwesen nicht durch Hass und Anfeindungen kaputtgehe. "Demokratinnen und Demokraten, wir dürfen uns nicht zurückziehen und den Populisten das Feld überlassen", sagte Bas unter dem Applaus ihrer Zuhörer.

Auf den Vorhalt von RP-Chefredakteur Moritz Döbler, sie würde aber auch - ähnlich wie Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) - "regelmäßig missverständliche Sätze raushauen", räumte Bas ein: "Ja, wir telefonieren darüber auch sehr oft. Und deswegen arbeiten wir wahrscheinlich ja auch ganz gut zusammen." Das sei wirklich so. "Wir reden viel auch über das, wer was so über wen gesagt hat."

"Bullshit": Wollte Merz Bas das "Du" entziehen?

Er habe ihr auch nach einer gemeinsamen Dienstreise im Regierungsflieger "das Du" angeboten, erzählte Bas. Und eine Woche darauf habe sie sich dann im vergangenen Sommer auf eine Äußerung des Kanzlers zum Sozialstaat mit dem Wort "Bullshit" bezogen. Als Merz sich daraufhin bei ihr gemeldet habe, habe sie gleich gefragt, ob er das "Du" jetzt wieder zurückziehen wolle. "Nein, nein, aber wir sollten mal drüber reden", habe der Kanzler geantwortet. "Das kann ja so nicht weitergehen." Stattdessen habe es dann "einen Versöhnungssalat mit zwei Bier" gegeben. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
Das könnte Sie auch interessieren
14:15 Uhr
4 min.
Brachialer Einbruch im Weischlitzer Globus-Markt: „Ich bin wirklich sprachlos“
Update
Brachialer Einbruch im Weischlitzer Globus-Markt: „Ich bin wirklich sprachlos“ - Zerstörte Glasfront am Globus-Markt in Weischlitz: Die Täter rasten mit einem VW Passat in die Fassade.
Unbekannte sind mit einem Auto in die Glasfront des Einkaufszentrums gerast. Der Sachschaden ist beträchtlich, dennoch ist die Marktleiterin erleichtert. Der Vorgang erinnert an einen Fall im Vorjahr.
Swen Uhlig
12.05.2026
5 min.
DGB-Kongress mit Pfiffen für Merz - und Applaus für Bas
DGB-Kongress mit Pfiffen für Merz - und Applaus für Bas - Merz drang beim DGB-Kongress mit seinen Reformappellen nicht durch.
So unfreundlich ist schon lange kein Kanzler mehr beim DGB empfangen worden. Seine Arbeitsministerin kommt deutlich besser weg. Am Abend werden beide wieder um einen gemeinsamen Reformweg ringen.
Michael Fischer und Basil Wegener, dpa
23:13 Uhr
2 min.
Frederiksen bleibt: Dänemark bekommt Vier-Parteien-Regierung
Frederiksen bleibt: Dänemark bekommt Vier-Parteien-Regierung - Die Sozialdemokratin Mette Frederiksen kann Regierungschefin in Dänemark bleiben. (Archivbild)
Durchbruch nach langen Regierungsverhandlungen in Dänemark: Sozialdemokratin Mette Frederiksen hat sich mit drei anderen Parteien auf eine Koalition geeinigt. Damit bleibt sie Regierungschefin.
22:49 Uhr
2 min.
Österreich glückt WM-Generalprobe gegen Tunesien
Österreich glückt WM-Generalprobe gegen Tunesien - David Alaba hat mit Österreich die WM-Generalprobe gewonnen.
Österreich reist mit einem Testspielsieg gegen Tunesien zur Weltmeisterschaft in die USA - trotz Unterzahl. Norwegen gewinnt auch ohne Erling Haaland gegen Schweden, die Türkei zeigt sich in Torlaune.
01.06.2026
4 min.
Mittelalter auf der Burg: Warum das Fest auf Schloss Voigtsberg anders als erhofft verlief
Mittelalter auf der Burg: Warum das Fest auf Schloss Voigtsberg anders als erhofft verlief - Bader und Henker Atreyu Gaudlitz aus Falkenberg/Märkisch-Oderland konnte sich am Samstag Zeit nehmen für eine Erfrischung im eigenen Zuber.
Anlässlich des 777-jährigen Jubiläums von Schloss Voigtsberg wurde am Wochenende in Oelsnitz ein mittelalterliches Festspektakel organisiert. „Freie Presse“ mischte sich am Samstag unters Volk.
Eckhard Sommer
19.05.2026
5 min.
Merz wirbt für Koalition ohne rote Linien
Merz wirbt für Koalition ohne rote Linien - Gute Laune bei SPD-Fraktionschef Miersch und Kanzler Merz, zumindest für diesen Tag.
Ruhe, Vertrauen, Mut: So stellt sich der Kanzler die Zusammenarbeit in der Koalition in den nächsten entscheidenden Wochen vor. Bis zum 30. Juni soll das Reformpaket stehen, sonst wird's brenzlig.
Michael Fischer, Carsten Hoffmann und Jörg Blank, dpa
Mehr Artikel