Klimaprotest in Hunderten Städten - Abertausende in Deutschland dabei

Die erneut weltweit koordinierten Proteste ziehen in mehreren deutschen Städten Tausende Demonstranten an. In Chemnitz sind nicht nur Schüler dabei. International gibt es sogar Unterstützung aus der Arktis und Antarktis.

Der internationale Protesttag von Fridays for Future für mehr Klimaschutz ist mit Hunderten Aktionen in Deutschland und zahlreichen anderen Ländern ins Rollen gekommen. In Chemnitz wird die Aktion von der TU Chemnitz unterstützt, wo die Vorlesungen ausfielen. Außerdem liefen zahlreiche Senioren mit.

In Berlin versammelten sich am Freitagmittag Tausende Menschen zu einer Kundgebung am Brandenburger Tor. Sie forderten von der Bundesregierung mehr Ehrgeiz im Kampf gegen die Erderhitzung. Angemeldet waren laut Polizei 50 000 Teilnehmer. Rund zwei Dutzend Jugendliche sprangen aus Protest in der Nähe des Bundestages gar in die Spree - bei Temperaturen von fünf Grad.

Auch in kleineren Städten wurde demonstriert: 30 Personen der Reichenbacher Kirchgemeinde im Vogtland haben sich an einem Demonstrationszug zum vierten globalen Klimastreiktag beteiligt. Das Motto:  "Prayers for Future". "30 Menschen, das ist ein Anfang", sagte Pfarrer Andreas Alders. "Aber wir werden mehr, so wie wir im Herbst 1989 mehr geworden sind." Auch beim nächsten globalen Klimastreiktag  wollen die Reichenbacher Christen mitmachen.

In Plauen waren diesmal etwa 60 Demonstranten dabei. Darunter viele Schülerinnen, aber auch einige Ältere. Der Künstler Dirk Söllner hatte auf dem Theaterplatz seinen Protest über eine Kunstinstallation ausgedrückt. Neben einem Haufen Mülltüten war er selbst auf mehreren Pappschildern abgebildet. Darauf waren Aussagen zu lesen wie "Ökospinner" oder "Das ist nicht von mir". "In Gesprächen sind mir immer wieder solche Aussagen untergekommen. Ich will damit zeigen, dass es wichtig ist, dass jeder bei sich selbst anfängt", so der Künstler.

Insgesamt hatte Fridays for Future Klimakundgebungen in mehr als 500 deutschen Städten angekündigt. In der Hamburger Innenstadt startete zu einer symbolischen Uhrzeit - um fünf nach zwölf - eine große Klima-Demo, bei der die Veranstalter mit 30 000 Teilnehmern rechneten. «Jugend auf die Barrikaden, weil wir sonst keine Zukunft haben», rappte der Musiker Courtier dazu.

In Berlin hatten viele Demonstranten Plakate dabei. «Ohne bäume keine Träume», war darauf etwa zu lesen. Oder «Artensterben kann Spaß verderben» sowie «Keine Kohle, kein Atom, sondern nur noch Ökostrom». Ein Schüler sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Ich hätte gerade eigentlich Geschichtsunterricht. Wichtiger als Geschichte ist jedoch momentan meine Zukunft.»

Auch in Nordrhein-Westfalen liefen die Demos am späten Vormittag an. Allein in Köln, wo zu einem Demo-Zug rund 20 000 Teilnehmer erwartet wurden, kamen bereits am Mittag mehrere Tausend Streikende zusammen. Dort wollten Kölsche Bands wie Brings oder Bläck Fööss die Aktionen unterstützen. Vor dem Düsseldorfer Landtag versammelten sich erste Hunderte überwiegend junge Leute. In Freiburg zogen da bereits rund 8500 Menschen durch die Innenstadt. Vor dem Hauptbahnhof in Stuttgart war in den Mittagsstunden eine zentrale Kundgebung geplant.

Die Klimabewegung hat die erneuten Großproteste bewusst auf den letzten Freitag vor dem Start der Weltklimakonferenz in Madrid gelegt. Nach den Großprotesten im März und Mai sowie der globalen Streikwoche im September ist es die vierte Auflage eines solchen weltweit koordinierten Protests. In Deutschland richtet sich die Kritik der Aktivisten vor allem gegen das Klimapaket der Bundesregierung, das sie als «Klima-Päckchen» und völlig unzureichend bezeichnen.

International sind nach Angaben des Netzwerks über 2400 Städte in 158 Ländern dabei. Traditionell wegen der Zeitverschiebung waren die Australier einige der ersten, die am Freitag aus Protest auf die Straße gingen. Landesweit gab es dort nach Angaben von Fridays for Future Aktionen in 60 Städten mit Tausenden Teilnehmern. Im September waren noch mehr als 300 000 Menschen gekommen. Die wohl am Ende geringere Beteiligung an diesem Freitag erklärt sich nach Einschätzung von Beobachtern auch damit, dass zurzeit eine heiße Prüfungsphase an Australiens Schulen läuft.

Unterstützung erhalten die überwiegend jungen Demonstranten mittlerweile auch von älteren Generationen und vielen Wissenschaftlern. Sowohl auf dem arktischen Eis vor dem deutschen Forschungsschiff «Polarstern» als auch vor der deutschen Neumayer-Forschungsstation in der Antarktis demonstrierten Wissenschaftler am Freitag für mehr Klimaschutz. Das zeigten Bilder, die eine Wissenschaftlerin des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in Bremerhaven, Melanie Bergmann, auf Twitter teilte.

«Polarforscher vom Süden bis zum Norden danken Fridays for Future dafür, Aufmerksamkeit auf unsere Wissenschaft zu richten!», schrieb Bergmann dazu. Die Fotos zeigten, wie jeweils ein knappes Dutzend Wissenschaftler vor dem Schiff und der Station Schilder und Plakate hochhielten. Auf dem Plakat der Forscher vor der «Polarstern» stand: «Wir liefern die Fakten. Es ist Zeit zum Handeln!»

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