62,2 Prozent für FDP-Spitzenkandidat Zastrow

Drei Mal führte Holger Zastrow die Partei bereits in eine Sachsen-Wahl. Das vierte Mal beginnt mit einem gehörigen Dämpfer.

Annaberg-Buchholz.

Dass Holger Zastrow weder seine früheren Spitzenergebnisse von mehr als 96 Prozent (2004 und 2009) noch seine 90 Prozent vor fünf Jahren erreichen würde, war absehbar. Zu umkämpft war seine Wiederwahl als FDP-Landesvorsitzender 2017, zu bescheiden auch sein Sieg bei der ersten Mitgliederbefragung der sächsischen Liberalen zur Spitzenkandidatur. 46 Prozent der Mitglieder hatten teilgenommen. Von ihnen erhielt Zastrow im Duell mit Tobias Segieth, einem bis dahin unauffälligen und von Beginn an als chancenlos geltenden Parteifreund, 63,6 Prozent. Bei der Listenaufstellung am Samstag in Annaberg-Buchholz schaffte Zastrow nicht mal die: 153 von 246 gültigen Stimmen bedeuteten noch 62,2 Prozent, obwohl er bei der Wahl auf Listenplatz 1 keinen Gegenkandidaten hatte. 88 Liberale stimmten gegen ihn, fünf enthielten sich.

Zastrow selbst nahm es locker, nannte das Ergebnis "ok" und verwies darauf, dass es erst am 1. September zur Wahl auf das Resultat ankomme. Dann wolle die FDP, nachdem sie 2014 mit 3,8 Prozent aus dem Landtag flog, ihr "Comeback" feiern. Er sei "guter Dinge, dass wir ordentlich reinkommen". Als Ziel rief Zastrow zehn Prozent aus. Darüber hinaus rechnet sich der 50-Jährige, der seit fast 20 Jahren die Partei anführt, auch Chancen als Direktkandidat im Landkreis Bautzen aus: "Ich habe vor, diesen Wahlkreis im Norden von Dresden zu gewinnen."

Dies sei "nicht das Land, was ich mir vor 30 Jahren gewünscht habe", bekannte er in seiner Bewerbungsrede. Überall gebe es "Gängelei, Bevormundung, Misstrauen gegenüber all denjenigen, die was anpacken wollen". Er könne "nicht mehr ertragen, wenn andere mit ihren Vorhersagen und Prophezeiungen irgendwas an die Wand malen, was höchst zweifelhaft ist - Stichwort Klimawandel und Energiewende". Die FDP habe ihre "Auszeit" genutzt und ihre "Bodenhaftung wiedergewonnen", so Zastrow. "Wir haben aus unseren Fehlern gelernt, und wir machen diese Fehler kein zweites Mal."

Auf den aussichtsreichen Listenplätzen dominieren indes Kandidaten ohne Landtagserfahrung. Platz 2 ging unangefochten an die 36-jährige Leipziger Kinderbuchautorin und Verlegerin Kristin Franke, die erst seit 2017 FDP-Mitglied ist. Zur Top Ten gehören neben Zastrow mit Landesvize Anja Jonas (Platz 3), Norbert Bläsner (Platz 7) und Mike Hauschild (Platz 10) nur drei weitere Ex-Abgeordnete. Jonas gewann gegen die Chemnitzerin Felicia Kollinger-Walter. Die Ex-Parlamentarier Benjamin Karabinski (Platz 14) und Tino Günther (Platz 15) verloren indes gegen Rechtsanwalt Steve Görnitz (Platz 5) und PR-Referent Thomas Kunz (Platz 6). Besonders erfolgreich schnitt die Jungliberale Aktion (JuliA) ab: Ihr 24-jähriger Spitzenkandidat Philipp Hartewig bekam Platz 4, Landeschef Hai Bui Platz 9. Den Bestwert erzielte der JuliA-Spitzenmann von 2014, Martin Bahrmann aus Meißen, mit 94 Prozent für Platz 8.

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