Im Müll können sich Lithiumbatterien leicht entzünden - etwa, wenn sie in Müllpressen verformt werden. (Symbolbild)
Im Müll können sich Lithiumbatterien leicht entzünden - etwa, wenn sie in Müllpressen verformt werden. (Symbolbild) Bild: Annette Riedl/dpa/dpa-tmn
Sachsen
Brandgefahr durch Akkus für Entsorger "existenzgefährdend"

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Falsch entsorgte Lithiumbatterien führen bei Sachsens Entsorgern immer häufiger zu Bränden. Die Branche spricht von einem existenzgefährdenden Risiko und fordert Hilfen und Verbote.

Dresden.

Unsachgemäß entsorgte Lithiumbatterien werden nach Einschätzung der sächsischen Entsorgungsunternehmen zunehmend zu einem existenzgefährdenden Geschäftsrisiko. Die Geschäftsführerin des Landesverbands der Entsorgungswirtschaft (LVR) in Sachsen, Freya Sternkopf, spricht von einer "sehr bedrohlichen" Situation für die Unternehmen durch eine zunehmende Anzahl von Brandereignissen. 

"Wenn Anlagen abbrennen und wir zum Teil keinen Versicherungsschutz mehr bekommen, ist das existenzgefährdend für die Betriebe", sagt Sternkopf. Mittlerweile sei praktisch jedes der knapp 100 privaten und kommunalen Mitgliedsunternehmen des Landesverbands betroffen gewesen. 

"Irgendwo hat es bei jedem schon einmal gebrannt", so Sternkopf. Die Batterien könnten leicht in Brand geraten, wenn sie in Müllautos oder Müllpressen mechanisch verformt werden. In brancheninternen Umfragen des Bundesverbands der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE) berichten rund 78 Prozent der Unternehmen von Bränden durch falsch entsorgte Lithium-Akkus. 

Feuerwehrverband: Problem ist flächendeckend

Das Problem sei "flächendeckend", berichtet der Präsident des sächsischen Landesfeuerwehrverbands, Gunnar Ullmann. "Wir haben Brände in Müllfahrzeugen, in Zwischenlagern und auf Deponien." 

Ullmann sieht die Hauptursache weniger beim Verhalten der Bürger als in fehlenden oder unzureichenden gesetzlichen Vorgaben für Hersteller. Gefährliche Batterien finden sich in zahlreichen Alltagsprodukten – von Kinderspielzeug über singende Grußkarten bis hin zu Einweg-E-Zigaretten. 

"Ich mache den Bürgern nicht immer einen Vorwurf – viele wissen gar nicht, dass da noch ein Akku oder eine Batterie drinsteckt", sagt Ullmann. Aus seiner Sicht sollten Produkte mit eingebauten Akkus so konstruiert werden, dass Energiespeicher leicht entnommen und getrennt entsorgt werden können. 

Die Feuerwehren stünden angesichts der Brandgefahr mit Entsorgern im engen Austausch, etwa über Brandschutzkonzepte und über Betonbarrieren in Deponien, um Brände räumlich schnell eindämmen zu können.

Hohe Kosten für Technik und Versicherungen

Nach LVR-Angaben investieren Sachsens Entsorger mittlerweile massiv in Brandschutztechnik, Früherkennungssysteme und Personal. Rund 20 Prozent der Investitionen in neue Anlagen flössen inzwischen in Brand- und Emissionsschutz, so Sternkopf. 

Dennoch sei der Versicherungsschutz vielfach sehr teuer, eingeschränkt oder gar nicht mehr zu bekommen. Einige Versicherer hätten sich angesichts hoher Risikobewertungen aus dem Markt für Entsorgungs- und Recyclingbetriebe zurückgezogen, andere verlangten hohe Prämien und strenge Auflagen, sodass sich Unternehmen teils selbst versichern müssten. Die zusätzliche Last könne nicht ohne Weiteres über kommunale Abfallgebühren weitergegeben werden und falle auf die Unternehmen und deren gewerbliche Kunden zurück. 

Landesverband und Bundesverband fordern vor diesem Hintergrund unter anderem ein Verbot bestimmter Einweggeräte, insbesondere solcher mit fest verbauten Lithiumbatterien. Parallel wirbt die Branche auf europäischer Ebene für einen herstellerbasierten Fonds zur Entschädigung betroffener Entsorger. Auch hält der Landesverband ein Pfandsystem für eine sinnvolle Lösung, wie es etwa bei Autobatterien bereits seit Jahren zum Einsatz kommt. 

Umweltminister spricht sich für Verbot von Einweg-E-Zigaretten aus

Bundesumweltminister Carsten Schneider hatte sich bereits Ende 2025 für ein Verbot von Einweg-E-Zigaretten ausgesprochen und dabei unter anderem auf das Brandrisiko in Müllanlagen verwiesen. Nach seinen Angaben kommt es derzeit bundesweit "jeden Tag" zu einem Feuer in einer Müllanlage, bei dem falsch entsorgte Einweg-Vapes eine Rolle spielen können. "Die Dinger sind gefährlich. Wenn die in eine Müllanlage kommen, dann können sie explodieren und sie explodieren auch", sagte der SPD-Politiker. (dpa)

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