Corona: Kretschmer warnt vor Überlastung der Krankenhäuser

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In den Kliniken liegen mehr Coronapatienten als vor einem Jahr. Sachsens Ministerpräsident spricht von "Leichtfertigkeit".

Dresden.

Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) warnt vor einer Überlastung des Gesundheitssystems. 1,2 Millionen ungeimpfte Menschen im Freistaat, davon 300.000 über 60 Jahre, das seien "Zahlen, die zu groß sind, um die Pandemie einfach laufen zu lassen", sagte Kretschmer der "Freien Presse". Die Lage im Freistaat werde sich im Herbst "natürlich" von der in anderen Bundesländern mit deutlich höheren Impfquoten unterscheiden: "Wir haben jetzt eine Pandemie der Ungeimpften. 90 bis 95 Prozent der Coronapatienten, die im Krankenhaus landen, sind ungeimpft." Zudem befänden sich in den Krankenhäusern aktuell mehr Coronapatienten als vor einem Jahr. Er verstehe "die Leichtfertigkeit hierzulande nicht mehr". Sachsen versuche mit "minimalen Vorsichtsmaßnahmen" für Sicherheit zu sorgen. Dazu zählte Kretschmer den Mund-Nasen-Schutz und die Abstandsregeln. "Wenn wir das nicht einhalten, wird es nicht gutgehen."

Während das Robert-Koch-Institut (RKI) für Deutschland eingeschätzt hat, die vierte Covid-19-Welle nehme Fahrt auf, scheint das in Sachsen bereits geschehen. Im Vergleich der aktuellsten verfügbaren Stichtage (7. Oktober) zeigt sich: 2020 waren an dem Tag 123 sächsische Klinikbetten mit Covid-19-Patienten belegt, 16 davon auf Intensivstationen. Am Vergleichstag, dem 7. Oktober in dieser Woche, waren es 230 mit Covidpatienten belegte Betten in Sachsen, 75 davon auf Intensivstationen.

Die hiesige Welle hat demnach eher begonnen. "Und es ist auch so, dass die Zahlen steigen", sagte Holger Ostermeyer, Sprecher der Universitätsklinik Dresden, der "Freien Presse". Allerdings macht er bisher keinen exponentiellen Anstieg aus, wie er vor einem Jahr erfolgte. Eine Begründung für die höhere Bettenauslastung liege in den Behandlungszeiträumen. "Die Liegezeiten der Patienten sind deutlich länger", sagt Ostermeyer.

Es gebe eine höhere Anzahl an jüngeren Patienten. Durch ihre "bessere Konstitution" überlebten diese länger als viele der älteren Patienten vor einem Jahr. Damals bilanzierten viele Kliniken eine Sterblichkeit der sogenannten "beatmungspflichtigen" Patienten von rund 50 Prozent. Ob das Verhältnis bei jüngeren Patienten nun besser ausfalle, sei wegen bisher geringer Datenbasis noch nicht einzuschätzen, so Ostermeyer.

Das Robert-Koch-Institut macht einen "ausgeprägten Effekt" der Impfung darauf aus, ob erkrankte Patienten ins Krankenhaus müssen. Die Hospitalisierungsinzidenz vollständig Geimpfter liege bisher "zu jedem Zeitpunkt deutlich unter" der Einweisungsrate der ungeimpften Bevölkerung.

Insgesamt liegt Sachsens Hospitalisierungsquote - also die Krankenhauseinweisungen innerhalb von sieben Tagen pro 100.000 Einwohner - bei 1,5. Überschreitet sie den Wert von 7,0 und sind zudem 650 Betten auf Normal- oder 180 Betten auf Intensivstation mit Corona-Patienten belegt, tritt im Freistaat die "Vorwarnstufe" in Kraft, in der Ungeimpften Kontaktbeschränkungen bevorstehen.

 

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