Die Geburtsklinik im tschechischen Litoměřice (Leitmeritz) verspricht modernste Versorgung. Doch jetzt mussten binnen 24 Stunden vier Neugeborene reanimiert werden, zwei davon starben.
Die Polizei ermittelt wegen der Todesfälle in der Geburtsklinik in Litoměřice (Leitmeritz). Die Klinik, die kaum 50 Kilometer von der sächsischen Grenze entfernt liegt, ist erst vor rund drei Monaten eröffnet worden. Sie gilt als modern. Die Krankenhausleitung bestätigte dem tschechischen Sender "CNN Prima News" die tragischen Vorfälle. Die Polizei teilte im sozialen Netzwerk X mit: "Aufgrund von Medienberichten ermitteln wir im Fall des Todes zweier Neugeborener. Wir untersuchen derzeit alle Umstände und werden zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Informationen veröffentlichen."
Auch eine Mutter offenbar zeitweise in Lebensgefahr
Laut CNN Prima News hatten die Ärzte des örtlichen Hebammenzentrums (CPA) innerhalb von 24 Stunden vier Neugeborene in der Klinik reanimieren müssen. Zwei von ihnen verstarben später. Auch eine der Mütter soll zwischen dem 26. und 27. November zeitweise in Lebensgefahr gewesen sein, wie der Sender CNN Prima News berichtet. Die Gebärmutter der Mutter war demnach gerissen, das Baby war in die Bauchhöhle gelangt. "Diese Mutter hatte bereits zuvor per Kaiserschnitt entbunden, der Arzt hätte ihr keine natürliche Geburt erlauben dürfen", sagte eine Quelle aus dem Umfeld der Geburtsklinik gegenüber CNN Prima News.
Ermittlungen der Polizei und interne Untersuchungen laufen
"Die gesamte Situation hat uns tief betroffen gemacht, und eine gründliche Untersuchung hat für uns höchste Priorität. Derzeit laufen interne und externe Analysen aller Umstände und Abläufe, um die genauen Ursachen der Ereignisse zu ermitteln", sagte Miloslava Kučerová, Sprecherin der regionalen Gesundheitsbehörde, CNN Prima News. Nähere Angaben zu den Todesursachen machte sie nicht.
Leitenden Arzt zunächst supendiert
Die Krankenhausleitung von Litoměřice hat aber inzwischen den Leiter des Kreißsaals und den diensthabenden Arzt vorläufig suspendiert. "Dies ist eine übliche Präventivmaßnahme, die während der gesamten Dauer der gründlichen Untersuchung der betreffenden Fälle gilt, um größtmögliche Transparenz des gesamten Prozesses zu gewährleisten", erklärte Miloslava Kučerová CNN Prima News. Eine interne Expertenkommission des regionalen Gesundheitsamtes untersuche nun jeden einzelnen Fall genau. "Gleichzeitig haben wir ein externes Experteninstitut um ein unabhängiges Gutachten gebeten." Ziel sei, die genauen Ursachen zu ermitteln und festzustellen, ob ein Fehlverhalten vorliege. Der Klinikbetrieb soll unterdessen uneingeschränkt weiterlaufen.
Ärztegesellschaft vermutet Fehlverhalten
Die tschechische Ärztegesellschaft JE Purkyně hält ein Fehlverhalten der Mediziner für wahrscheinlich: "Das Sterben von zwei Neugeborenen an einem einzigen Tag kann nicht einfach auf eine Verkettung unglücklicher Zufälle zurückgeführt werden, sondern ist vielmehr ein Indikator für die Notwendigkeit einer gründlichen, transparenten und unabhängigen Überprüfung aller Umstände", teilte die Organisation mit. Der jetzt zunächst vom Dienst freigestellte Gynäkologe erklärte: "Bei den Geburten, bei denen Neugeborene starben, war ich nicht anwesend." Weiter heißt es in seiner Mitteilung: "Ich versichere, dass jedes Mitglied unseres Teams nach höchsten medizinischen Standards und mit vollem Einsatz gehandelt hat."
Entbindungsklinik in Litoměřice zählt zu den renommiertesten in Tschechien
Die für knapp vier Millionen Euro frisch sanierte Einrichtung in Litoměřice zählt zu den renommiertesten Entbindungskliniken des Landes. In verschiedenen Videos in den sozialen Netzwerken ist die Ausstattung der Kreißsäle zu sehen - von modernen Geburtsbetten bis hin zu einer beleuchteten Badewanne. In dem Hebammenzentrum wird oft auf natürliche Weise entbunden. Es werden aber alternative Entbindungen angeboten, zum Beispiel Wassergeburten in einer Badewanne. Hebammen und Ärzte betreuen die Mütter. Das Zentrum verfügt über drei Kreißsäle. "Die Sicherheit von Mutter und Kind wird durch drahtlose Überwachung des Fötus und anschließend des Neugeborenen nach der Geburt gewährleistet. Für eine ruhige Atmosphäre sorgen ein ausgeklügeltes Lichtsteuerungssystem mit Farblichttherapie und ein Surround-Sound-System zum Musikhören", so der regionale Gesundheitsdienst auf seiner Website.
Patientenbeauftragter: Das ist etwas Beispielloses
"Das ist zweifellos eine sehr ernste Angelegenheit", zitiert CNN Prima News den Patientenbeauftragten David Rath. "Glücklicherweise kommt es aber nicht oft vor; im Gegenteil, Tschechien gehört weltweit zu den Ländern mit der niedrigsten Neugeborenensterblichkeit. Es ist etwas Beispielloses, etwas völlig Erstaunliches", so Rath. "Man kann davon ausgehen, dass sich die Regionalbehörde der Region Ústí nad Labem als die Verwaltungsbehörde, die dem Krankenhaus die Genehmigung zur Erbringung von Gesundheitsdienstleistungen erteilt hat, mit dieser Situation befassen wird", erklärte dazu das Gesundheitsministerium. (juerg)






