Einer der größten deutschen Hotelbetreiber steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Auch in Sachsen hat die Revo-Hospitality-Gruppe rund ein Dutzend Häuser. Droht jetzt das Aus?
Die Branche spricht von einem regelrechten Hotel-Beben: Neben dem Chemnitzer Congress-Hotel, dem schon Ende Januar die Schließung droht, steckt auch die Revo-Hospitality-Gruppe (RHG) mit Sitz in Berlin in Nöten. Der Hotel-Gigant hat für rund 140 seiner Gesellschaften eine Insolvenz in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Charlottenburg beantragt. Die RGH betreibt eigenen Angaben zufolge unter eigenen Marken sowie als Franchisenehmer großer Hotelketten insgesamt rund 260 Hotels in 146 Städten in zwölf europäischen Ländern. Dazu zählen Stadthotels, Apartments für Geschäftsreisende und Familien im niedrigen bis gehobenen Preissegment, darunter weltbekannte Marken wie Hyatt, Wyndham (Vienna House), Accor (Mercure, Mövenpick, Pullman) oder Dorint.
Gehälter zunächst über Arbeitsagentur abgesichert
Betroffen von der Insolvenz in Eigenverwaltung sind 125 Hotels mit etwa 5500 Mitarbeitern in Deutschland und Österreich, die aber weitergeführt werden sollen, wie das Unternehmen weiter mitteilte. „Bei der Agentur für Arbeit haben wir eine Vorfinanzierung der Gehaltszahlungen für die Monate Januar bis März 2026 beantragt“, hieß es.
Gruppe betreibt Townhouse- und H4-Hotels in Dresden und Leipzig
In Sachsen ist die Gruppe in Dresden und in der Region Leipzig präsent. In der Landeshauptstadt betreibt RHG das Townhouse Dresden am Neumarkt, die Amedia-Hotels Elbpromenade und Plaza sowie das Hyperion Hotel am Schloss. Sogar neun Häuser leitet die Gruppe in und um Leipzig - und zwar das Amedia Leipzig, das H2- und das H4-Hotel, das Hyperion-Hotel, das Markgraf-Hotel, das Townhouse Leipzig, das Vienna House Easy Leipzig sowie das H+-Hotel Leipzig-Halle in Landsberg und das Ibis Styles Leipzig in Schkeuditz. Grenznah zu Sachsen kommen weitere Hotels hinzu, etwa das H4-Hotel in Bayreuth.
Sanierungsexperte: Gute Aussichten für langfristigen Fortbestand
„Mit den überwiegend in Eigenverwaltung beantragten Verfahren für die rund 140 Gesellschaften bestehen gute Aussichten für eine zügige Sanierung und eine langfristige Fortführung“, teilte Rechtsanwalt Gordon Geiser von der Berliner Kanzlei GT Restructuring mit, der gemeinsam mit seinem Partner Benedikt de Bruyn für die Dauer der Sanierung die Geschäftsführung der betroffenen Gesellschaften übernommen hat. Die Rechtsanwaltskanzlei GT Restructuring zählt zu den größten Insolvenzverwalterbüros in Deutschland und konnte schon zahlreiche Unternehmen erfolgreich sanieren.
Das sind die Gründe für die Pleite
Als wesentlichen Grund für die finanziellen Schwierigkeiten nannte die Geschäftsführung die starke Expansion der Gruppe in den vergangenen Jahren. 2008 hatte die die Revo Hospitality Group, die bis 2025 unter dem Namen HR Group tätig war, ein erstes Hotel in Leipzig übernommen. 2020 gehörten 51 Hotels zur Gruppe. Danach expandierte die Gruppe stark auf aktuell 250 Hotels mit einem jährlichen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro und rund 8300 Mitarbeitern. „Die Akquisition der neuen Hotels war mit erheblichen Kosten verbunden“, teilte das Unternehmen mit. „Andererseits stiegen die Übernachtungszahlen nicht wie erwartet, und auch der geplante Umsatz für 2025 wurde nicht erreicht.“ Zudem würden die gestiegenen Lohnkosten, die starke Anhebung der Mindestlöhne sowie erhöhte Kosten für Mieten, Energie und Lebensmittel das Geschäft belasten.
Jetzt werden Investoren gesucht
Die neuen Geschäftsführer wollen sich nun auf die Suche nach Investoren machen. „Die Eigenverwaltung ermöglicht eine schnelle Stabilisierung und eine geordnete Überleitung auf einen Investor, ohne die zahlreichen Hotelbetriebe wesentlich einzuschränken“, erklärt Rechtsanwalt de Bruyn. „Mit Einleitung des Insolvenzverfahrens dürfte sich auch das bis heute spürbare Interesse von Investoren noch erhöhen. Deshalb sind wir zuversichtlich, die wirtschaftlichen Probleme der betroffenen Gesellschaften der Revo Gruppe bis zum Sommer zügig zu lösen.“ (juerg)





