Die Polizei rüstet sich für einen Großeinsatz: In Leipzig kommt es am Samstag nämlich nicht nur zum Bundesligaduell RB gegen Bayern München. Es gehen an diesem Tag auch verfeindete linke Gruppen auf die Straße - mit Gewaltpotenzial, wie der Verfassungsschutz einordnet. Das steckt hinter deren Zoff.
Es rumort mächtig bei den Linken - und diesen Zoff wollen sie am 17. Januar in Leipzig auf die Straße tragen. Sicherheitskreise fürchten deshalb Gewaltausbrüche, wenn beide Lager im Leipziger Szeneviertel Connewitz gegeneinander demonstrieren und möglicherweise aufeinandertreffen. Die Polizei bereitet sich auf einen Großeinsatz vor. Mehr als 1000 Beamte sollen dann Linke gegen Linke schützen - und zugleich für die Sicherheit Zehntausender Fußballfans sorgen, die für die Bundesliga-Partie RB Leipzig gegen Bayern München anreisen werden.
Polizei rechnet mit gewaltbereiten Linksextremen aus ganz Deutschland
Für die linken Demonstrationen durch den Leipziger Stadtteil Connewitz wird seit Tagen bundesweit mobilisiert. Auf Instagram & Co. wird dabei ausdrücklich dazu aufgerufen, bestimmte Orte und Personen näher ins Visier zu nehmen. Die Polizei rechnet auch mit gewaltbereiten Linksextremen, die aus ganz Deutschland anreisen werden. Es gebe eine starke, auch überregionale Mobilisierung, die verschiedenen Lager stünden sich „konfrontativ“ gegenüber, erklärte dazu Polizeipräsident René Demmler. Sachsens Polizei hat deshalb auch weitere Hundertschaften aus anderen Bundesländern zur Verstärkung angefordert. „Wenngleich wir in Leipzig demonstrationserfahren sind, ist die Konstellation am kommenden Samstag neu“, so Demmler.
Sachsens Verfassungsschützer erwarten, dass sich auch nicht extremistische Teilnehmer an den Demos beteiligen werden. Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes könnten Linksextremisten beider Lager die aufgeheizte Stimmung und das dynamische Protestgeschehen an diesem Tag nutzen, um den politischen Gegner in Sicht- und Hörweite zu provozieren und zu attackieren. „Auch Stör- und Blockadeaktionen gewaltorientierter Linksextremisten aus dem dogmatischen sowie dem autonomen Spektrum gegen das jeweils andere Protestlager sind ein mögliches Szenario“, heißt es.
Das spaltet die Linke
Seit dem Terrorangriff am 7. Oktober 2023 und dem anschließenden Vorgehen der Israelis gegen die Hamas in Gaza hat sich die linke Szene in Deutschland gespalten. Auf der einen Seite gebe es ein autonomes pro-israelisches Lager, das als „antideutsch“ und als „Oldschool-Antifa“ gilt, wie Sachsens Verfassungsschutz-Präsident Dirk-Martin Christian erklärt. Auf der anderen Seite steht ein pro-palästinensisches Bündnis, das für Samstag unter dem Motto „Antifa heißt free Palestine“ zur Demo in Leipzig aufruft. Ihm gehören das „Palästina Aktionsbündnis“ und „Migrantifa“ aus dem Osten der Messestadt an sowie die Handala-Gruppe, die vom Verfassungsschutz als extremistisch eingestuft wird. „Diese agiert im Schulterschluss mit nicht extremistischen pro-palästinensischen Akteuren sowie weiteren extremistischen Gruppierungen, darunter den dogmatischen Linksextremisten“, erklärt Sachsens Verfassungsschutz-Präsident Dirk-Martin Christian. Alle linken Gruppen bezeichnen sich selbst zwar als politisch links und antifaschistisch. Solidarität mit dem Staat Israel und seinen Bewohnern lehnen die linken Anhänger einer Pro-Palästina-Linie aber vehement ab. Wer das Existenzrecht des jüdischen Staates verteidigt, wird von ihnen gern auch mal als Faschist, Zionist, Antideutscher oder Imperialist verunglimpft.
„Die zunehmende Vernetzung zwischen antiimperialistischen Linksextremisten und propalästinensischen auslandsbezogenen Extremisten im Kontext des Nahostkonflikts ist eine Entwicklung, die uns als Verfassungsschutz mit großer Sorge erfüllt, weil sie dem in Deutschland vorhandenen Antisemitismus eine zusätzliche Schubkraft verleiht“, sagt Verfassungsschutz-Präsident Dirk-Martin Christian. „Darüber hinaus wird das LfV Sachsen auch das Verhalten von Rechtsextremisten zur Versammlungslage am Samstag in Leipzig genau im Blick behalten.“
Linke-Abgeordnete Juliane Nagel wird zunehmend angefeindet
Der Leipziger Stadtteil Connewitz ist in Sachsen eine Hochburg der Linken. Denen wirft das Pro-Palästina-Lager aber unter anderem Rassismus vor, weil im Kiez angeblich keine Palästinensertücher (Kufiya) geduldet werden. In Connewitz hatte es bislang noch keine großen Demonstrationen pro Palästina gegeben - eben weil dort die pro-israelische Antifa dominiert. Es soll dort aber zunehmend Übergriffe gegeben haben. So sollen Anhänger der „Migrantifa“ zum Beispiel im Oktober 2025 eine Feier zur Freilassung israelischer Geiseln aus der Gewalt der Hamas mit Flaschenwürfen und Pfefferspray angegriffen haben. Die Opfer kooperieren in der Regel aber nicht mit der Polizei - und erstatten keine Anzeige, weil beide Seiten die Polizei ablehnen. Der Hass des linken Pro-Palästina-Lagers richtet sich in Connewitz dabei vor allem auch gegen das Kulturzentrum „Conne Island“ und gegen die linke Kiez-Ikone Juliane Nagel. Schon seit Monaten werden die Linke-Landtagsabgeordnete und deren LinXXnet-Büro für ihre pro-israelische Haltung in sozialen Medien attackiert. Der Demozug der Palästina-Unterstützer führt am Samstag unter anderem auch an Nagels Büro vorbei.
„Oldschool-Antifa“ will in Leipzig dagegenhalten
Dem will die „Oldschool-Antifa“ am Samstag etwas entgegensetzen. Sie wird unter dem Motto „Antisemit*innen raus aus dem Viertel“ in Connewitz auf die Straße gehen. Zudem sind Solidaritätskundgebungen geplant, die für gegenseitigen Respekt und ein friedliches Miteinander werben sollen. Eine von ihnen ist mit „All Connewitzer*innen Are Beautiful“ überschrieben. (juerg)





