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Mysteriöses Phänomen über Sachsen: Das steckt hinter den leuchtenden Nachtwolken

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Wer Glück hat, kann in den kommenden Wochen auch über Sachsen nachts wieder leuchtende Wolken am Himmel entdecken. Doch wie kommt es zu diesem seltenen Spektakel, wo und wann sind im Freistaat die Chancen am höchsten, es zu erleben - und welche Rolle spielt der Klimawandel dabei?

Chemnitz.

In den hellen Nächten rund um die Sommersonnenwende sind mit etwas Glück auch über Sachsen Silberschleier am Nordhorizont zu beobachten. Dabei handelt es sich um leuchtende Nachtwolken. Sie erscheinen in den vergangenen Jahrzehnten häufiger, eher und weiter südlich, als dies früher der Fall war. Ihre Entstehung ist bisher noch nicht vollständig geklärt.

Seltene Erscheinung

Die leuchtenden Nachtwolken können als Schleier mit faserigen Strukturen oder auch als Streifen, Bänder, Wirbel oder Wellen mit diffusen oder scharfen Rändern erscheinen. In den Sommermonaten, oft schon ab Mitte Mai, tauchen sie in klaren Sommernächten über dem Nordhorizont auf. Zwar ist dieses Phänomen in Sachsen selten zu beobachten. Es ist aber nicht ausgeschlossen, wenn die Bedingungen stimmen.

Nachtwolken entstehen in unglaublicher Höhe

Die Nachtwolken entstehen in der Mesosphäre in 80 bis 85 Kilometern Höhe. Sie werden dort noch von der Sonne angestrahlt, während der Himmel dunkel wird oder schon ist und tiefere Wolken bereits im Dunkeln liegen. Sichtbar sind die Nachtwolken, wenn sich die Sonne zwischen 6 und 16 Grad unter dem Horizont befindet.

Die leuchtenden Nachtwolken bestehen aus kleinsten Eiskristallen und sind so dünn und transparent, dass sie tagsüber unsichtbar bleiben. Damit sich in dieser Höhe bei geringer Wasserdampfkonzentration allerdings überhaupt Eis bilden kann, muss die Temperatur dort auf unter minus 130 Grad sinken. Deswegen entsteht dieses „eisige“ Phänomen meist über Polargebieten zwischen Mitte Mai und August. Dort heizt sich die höhere Atmosphäre im Sommer nämlich nicht auf, sondern kühlt sogar noch ab. Da alle anderen Farbbestandteile des Lichtes durch die Erdatmosphäre und die Ozonschicht gefiltert werden, erscheinen die Wolken silbrig-blau oder gelegentlich blass gelblich.

Das ist die beste Beobachtungszeit

Wer die leuchtenden Nachtwolken in hiesigen Breiten sehen will, sollte sich am besten zwischen 22 und 23 Uhr oder aber zwischen 3 und 4 Uhr auf die Lauer legen, wie Meteorologe Björn Goldhausen von „Wetteronline“ erklärt. Der Himmel sollte sonst wolkenfrei sein oder größere Wolkenlücken aufweisen. Außerdem sollte die Luftverschmutzung in Blickrichtung Nordosten oder Nordwesten möglichst gering sein.

Entstehung gibt weiter Rätsel auf

Eine vollständige Erklärung für dieses Wetterphänomen gibt es bislang noch nicht. Allerdings haben Wissenschaftler entdeckt, dass der Klimawandel die leuchtenden Nachtwolken befördert. Denn trotz des steigenden Kohlenstoffdioxidgehalts in der unteren Atmosphäre und der daraus folgenden Erderwärmung wird die Mesosphäre kälter und dünner. So ist die Temperatur der sommerlichen Mesosphäre in den letzten knapp 30 Jahren um ein bis zwei Grad pro Jahrzehnt gesunken. Das könnte erklären, warum in Zukunft häufiger leuchtende Nachtwolken am Himmel auftauchen könnten.

Leuchtende Nachtwolken wurden erstmals im Jahre 1885, zwei Jahre nach dem Ausbruch des Vulkans Krakatau, in der Sundastraße in Indonesien beobachtet. Damals vermutete die Wissenschaft, sie seien eine Folge der gewaltigen Explosion, bei der Unmengen an Staub in die Erdatmosphäre transportiert wurde. Allerdings wurden leuchtende Nachtwolken auch in den folgenden Jahrzehnten gesichtet, sodass heute angenommen wird, dass der für deren Bildung erforderliche Staub von Meteoren stammt, die in diesen Höhen verglühen. Erforscht werden diese Wolken unter anderem am Leibniz-Institut für Atmosphärenforschung (IAP) in Kühlungsborn. ( juerg)

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