Die Arbeit von Gerichtsvollziehern ist in den vergangenen Jahren gefährlicher geworden, das Konfliktpotenzial gestiegen. Nachdem ein 58-Jähriger getötet wurde, ändert sich für seine Kollegen in Sachsen etwas.
Eine Bluttat im Saarland hat nun Auswirkungen auf den Arbeitsalltag zahlreicher Gerichtsvollzieherinnen und Gerichtsvollzieher in Sachsen.
Vergangene Woche war ein Gerichtsvollzieher in Bexbach (etwa 30 Autominuten nord-östlich von Saarbrücken) erstochen worden. Der 58-Jährige sollte am Morgen eine Zwangsräumung vollstrecken. Kurz nach der Tat wurde ein 42-Jähriger festgenommen, dieser sitzt jetzt in U-Haft. Er soll mit einem Jagdmesser mehrmals auf Kopf und Oberkörper seines Opfers eingestochen haben.
Gerd Luckas, Vorsitzender des saarländischen Landesverbandes der Gerichtsvollzieher, reagierte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa geschockt - Luckas kannte den 58-Jährigen, absolvierte mit ihm vor über 20 Jahren gemeinsam die Ausbildung zum Gerichtsvollzieher. „Jetzt wird uns die Gefahr unseres Berufs wieder sehr bewusst“, so der Landesvorsitzende.
Hälfte der Gerichtsvollzieher kriegt Schutzkleidung
Im Freistaat Sachsen hat die Tat nun Folgen, wie der MDR berichtet. Zahlreiche Gerichtsvollzieher sollen in Zukunft bei der Arbeit kugelsichere Schutzwesten tragen. Dafür werden 200.000 Euro bereitgestellt, so ein Sprecher des sächsischen Justizministeriums.
Zunächst soll die Hälfte der etwa 200 Gerichtsvollzieher mit den Westen ausgestattet werden, die Auslieferung sei bis Anfang März 2026 geplant. Ein längst überfälliger Schritt, so Lars Vollbarth vom sächsischen Verband der Gerichtsvollzieher, gegenüber dem MDR - auch vor dem Hintergrund der tödlichen Messerstiche im Saarland.
Der Verband habe sich laut Vollbarth bereits seit längerem dafür eingesetzt, dass Schutzwesten vom Freistaat vollständig bezahlt werden. Davor sei der private Ankauf nur bezuschusst worden.
Schutzwesten kommen aus Sachsen
Die Schutzwesten werden nach Senderinformationen im Freistaat gefertigt. Konkret: bei der Textilfirma Batex aus Großröhrsdorf nahe Bautzen. Laut Batex-Geschäftsführer Uwe Kunath verfügen sie über einen ballistischen Schutz gegen Schüsse und eine Art Kettenhemd gegen Messerstiche.
Gerichtsvollzieher sind stärker gefährdet als früher, teilt das sächsische Justizministerium mit. Wegen psychischer Erkrankungen, Drogenmissbrauch, allgemeiner Frustration und Sprachbarrieren sei das Konfliktpotenzial in den letzten Jahren spürbar gestiegen. (phy)






