Trotz des Insolvenzantrags läuft nach Angaben der MediCordis GmbH der Praxisbetrieb an allen 19 Standorten uneingeschränkt weiter.
Trotz des Insolvenzantrags läuft nach Angaben der MediCordis GmbH der Praxisbetrieb an allen 19 Standorten uneingeschränkt weiter. Bild: imago images/photothek
Sachsen
Praxisverbund mit Hausärzten im Erzgebirge, Vogtland und Chemnitz pleite: Das müssen Patienten jetzt wissen

Die MediCordis GmbH hat ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet. Betroffen davon sind auch Hausarzt-Praxen im Erzgebirge, im Vogtland und in Chemnitz. So geht es nun weiter.

Altenburg/Chemnitz.

Die MediCordis GmbH versorgt nach eigenen Angaben an 19 Standorten in drei Bundesländern rund 88.000 Patienten im Jahr - darunter in Hausarztpraxen in Lößnitz, Aue, Crottendorf, Oberwiesenthal, Chemnitz und Falkenstein. Zum Verbund zählen auch zwei Kinder- und Jugendarztpraxen und ein Internist im Altenburger Land sowie ein Urologe in Gera.

Wegen finanzieller Probleme musste der Praxisverbund jetzt aber ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung einleiten. Ziel sei es, das Unternehmen nachhaltig zu sanieren und die ambulante medizinische Versorgung in der Region langfristig zu sichern, erklärt Geschäftsführer Volker Pauli. „Die Eigenverwaltung gibt uns die Möglichkeit, die notwendigen Anpassungen vorzunehmen und den Praxisverbund langfristig stabil aufzustellen. Für Patientinnen und Patienten ändert sich aktuell nichts: Der Praxisbetrieb läuft in allen Standorten uneingeschränkt weiter.“

Das gilt demnach also auch für folgende Praxen:

  • Chemnitz (Dr. med. Barbara Melcher, Sorin Wahbeh)
  • Lößnitz (Dr. med. Undine Höfer, Stefanie Pianski)
  • Lößnitz-Dittersdorf (Dr. med. Undine Höfer)
  • Aue (Dr. med. Angelika Matthes sowie die Praxis von Markus Hamp, Maad Yasin und Lucienne Meier)
  • Oberwiesenthal (Dajana Weiß -Sommerfeldt)
  • Crottendorf (Dr. med. Anne Marschner)
  • Falkenstein (Dr. med. Madlen Kropf sowie die Praxis von Simone Leucht)

Unternehmen: Zu schnell gewachsen

Als Grund für die Schieflage führt MediCordis das rasante Wachstum an. So hat das 2021 gegründete MVZ in den vergangenen Jahren unter anderem etliche Einzelpraxen auch in Sachsen übernommen - und an vielen Standorten neue Ärzte angestellt. Das Problem dabei: Die Krankenkassen zahlen für die erbrachten Leistungen nicht sofort, sondern über mehrere Monate versetzt. Zwar werden monatliche Abschläge gezahlt, doch bis zur Zahlung der tatsächlichen Leistung vergeht oft rund ein Vierteljahr. Die Ausgaben laufen unterdessen weiter. Dadurch ist offenbar eine Liquiditätslücke entstanden.

Rund 130 Beschäftigte betroffen

In den Praxen beschäftigt MediCordis nach eigenen Angaben mehr als 130 Mitarbeitende, darunter mehr als 20 Ärzte. Für die Sanierung hat Pauli den Interims-Manager Roland Strasheim eingestellt. Im Ganzen helfen aktuell 20 Experten - darunter Steuerberater, Rechtsanwälte und Buchhalter - den Praxisverbund wieder auf Kurs zu bringen. Zudem überwacht der Erfurter Insolvenzanwalt Marcello Di Stefano als Sachwalter die Sanierung. Der Fokus ist dabei auf die Optimierung und Vereinheitlichung der organisatorischen Strukturen in den Praxen gerichtet. Durch effizientere Abläufe und eine verstärkte Digitalisierung will MediCordis nun nach eigenen Angaben die Kosten senken und zugleich die Versorgungskapazitäten bei gleichbleibend hoher Qualität ausbauen. (juerg)

Erschienen am: 27.02.2026 | 11:42 Uhr
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