Richter gegen Raschke

Die Meißener sind am Sonntag zur Wahl ihres Oberbürgermeisters aufgerufen. Kann ein prominenter Ex-Moderator den Amtsinhaber besiegen - und was ist mit der AfD?

Meißen.

Vieles scheint unklar vor der Wahl am Sonntag in Meißen. Aber eines ist ziemlich sicher: Es wird deutlich mehr Leute geben als 2011, die von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. Damals wollten gerade mal rund 8500 Bürger mitbestimmen, wer ihr nächster Rathauschef sein wird, das entsprach kümmerlichen 36,3 Prozent.

Das Rennen machte Amtsinhaber Olaf Raschke mit rund 6800 Stimmen (81 Prozent), mangels ernsthafter Alternative unter den drei Gegenkandidaten. Inzwischen ist der gebürtige Görlitzer 55 Jahre alt und seit 14 Jahren Rathauschef in Meißen. Auch dieses Mal steht sein Name auf dem Wahlzettel, allerdings nur noch als Vorschlag der CDU. Dass es der Parteilose im Vergleich zu 2004 (51 Prozent) und 2011 viel schwerer hat, hängt vor allem mit zwei Kontrahenten zusammen - deren Abschneiden auch landespolitisch bedeutsam ist.

Zum einen ist das Joachim Keiler, der Kandidat der AfD. Der 59 Jahre alte gebürtige Bayer ist seit 1990 als Anwalt in Dresden tätig und auch Landesvize seiner Partei. Der gelang es, bei der Bundestagswahl im September 2017 in der Stadt Meißen mit knapp 33 Prozent die CDU mit nur noch 24 Prozent deutlich abzuhängen. Dass es bei der Erststimme anders war, dürfte an der Bekanntheit des Direktkandidaten der Union gelegen haben: Der damalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière holte in Meißen knapp 5300 Stimmen (34,1 Prozent), AfD-Kontrahent Carsten Hütter als Zweitplatzierter nur etwa 480 weniger (31,1 Prozent).

Auf die Prominenz ihres Kandidaten setzen auch die Unterstützer von Frank Richter, der zumindest dem Namen nach für Raschke gefährlicher werden dürfte als AfD-Jurist Keiler. Schließlich erfreut sich der gebürtige Meißener - der dies aber nur der 1960 nicht vorhandenen Entbindungsklinik seines Heimatortes Großenhain verdankt - seit 2015 auch über Sachsen hinaus einer gewissen Popularität.

In Dresden hatte er sich bereits im Wendeherbst 1989 als Mitgründer der "Gruppe der 20" und später als Vermittler im Streit um ein würdiges Gedenken am 13. Februar einen Namen gemacht. Überregional bekannt wurde er aber erst in der Rolle des Moderators, Schlichters und Unparteiischen, der sich sogar um den Dialog zur damaligen Pegida-Spitze bemühte. Dazu war sein damaliges Amt als Chef der Landeszentrale für politische Bildung auch gut geeignet, das Richter jedoch Anfang 2017 für die Geschäftsführung der Stiftung Frauenkirche aufgab. Bereits damals, so bekannte er im Meißen-Wahlkampf, habe ihn zuweilen das Gewissen geplagt, ob er nicht mal aus der Theorie in die Praxis wechseln müsse: "Die politische Entwicklung dieses Landes hat mich immer stärker aufgeregt."

Unterstützt wird Richter, der offiziell als Einzelbewerber antritt, von der Bürgerinitiative "Meißen kann mehr", Linken, SPD und Grünen. Nur als Außenseiter gehen Martin Bahrmann (FDP) und Heiko Lorenz (Sächsische Volkspartei) ins Rennen. Sollte keiner der fünf Kandidaten am Sonntag mehr als 50 Prozent erhalten, entscheidet erst ein zweiter Wahlgang am 23. September.

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