Robotik soll den Fachkräftemangel lindern

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Roboter sind längst nicht mehr nur sperrige Geräte, die in Industriehallen Teile montieren. Die Branche präsentiert sie als eine Lösung für ein drängendes Problem.

Leipzig.

Um einem Roboter beizubringen, dass er nach einem Schraubenzieher greifen soll, reicht inzwischen ein Wink mit einem Handschuh. Sensoren erfassen die Bewegung der Hand, per 5G werden die Daten weitergeleitet und eine Software im Roboter versteht die Angaben. Der Roboter kann nun genau wie zuvor die Hand nach dem Schraubenzieher greifen. Anschauliche Lösungen wie diese wurden jüngst auf dem Robotics-Festival in Leipzig gezeigt.

In Sachsen sei inzwischen in Sachen Robotik "eine Menge los", hatte Thomas Schulz, Geschäftsführer des Branchenclusters Robot Valley Saxony, zur Eröffnung des Festivals gesagt. Rund 330 Unternehmen, 41 Forschungsinstitute und 27 Start-ups arbeiteten an Robotik-Projekten. Der Branchenumsatz in und mit der Robotik liege bei etwa sechs Milliarden Euro pro Jahr. Neben München und Aachen entwickle sich vor allem Dresden mit seiner Exzellenz-Uni zu einem international beachteten Standort. Das Cluster hatte voriges Jahr in Dresden ein erstes Robotics-Festival veranstaltet.

Großes Thema für die Anbieter ist der Mittelstand. Dort sehen sie wegen des Fachkräftemangels viele Chancen für ihre Produkte - und beobachten zugleich, dass sich auch kleinere Betriebe für die Robotik öffnen. "Der Mittelstand ist mittlerweile ziemlich wach", sagte Schulz. Kein Tischler müsse mehr selbst schwere Holzbohlen von A nach B schleppen, ein Bäckermeister, dem der Nachwuchs fehle, könne seinen Teig von einem Roboter zu Brötchen formen lassen. Es gehe darum, einfache Tätigkeiten von Robotern erledigen zu lassen. Auch der Deutsche Robotikverband betont, dass Automatisierung helfen könne, Deutschlands Fachkräfteproblem zu lösen. Roboter könnten heute in allen möglichen Bereichen eingesetzt werden - im Handwerk, in der Gastronomie, in der Pflege. Dabei gehe es nicht um den Ersatz der vorhandenen Mitarbeiter, sondern um den Ersatz derjenigen, die ohnehin nicht mehr da seien, deren Arbeit aber gemacht werden müsse.

Die Maschinen seien inzwischen viel zugänglicher geworden als große Industrieroboter. "Wir sind jetzt in der Robotik an einem Punkt wie 2003, als der Laptop gesellschaftsfähig wurde. Es ist einfach geworden", sagte Schulze. "Prinzipiell kann sich jeder einen Roboter organisieren, installieren und Aufgaben erledigen lassen."

Dieser einfache Ansatz wurde auf dem "Robotics-Festival" von verschiedenen Firmen demonstriert. Der smarte Handschuh, von dem Roboter sich ihre Bewegung "abgucken" sollen, ist eine Entwicklung der Dresdner Firma Mimetik, einer Ausgründung der TU Dresden.

Auch das Unternehmen Wandelbots, dessen Gründer ebenfalls Absolventen der TU Dresden sind, setzt auf das Lernen durch Nachahmen für die Roboter. Die 2017 gegründete Firma sieht sich selbst inzwischen nicht mehr als Start-up, sondern einen Schritt weiter als "Scale-up", wie Strategiemanager Jonas Paul Schreiber sagte. Wandelbots habe dieses Jahr 70 bis 80 neue Mitarbeiter eingestellt und sei auf rund 170 Beschäftigte gewachsen. Auch Schreiber ist überzeugt, dass Robotik ein Teil der Lösung der Zukunftsprobleme ist. "Ohne Robotik und Automatisierung wird es in einer alternden Gesellschaft nicht gehen."dpa

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