Sachsen stockt Kapazität für ankommende Flüchtlinge auf

Das Innenministerium veranschlagt jetzt 700 Plätze pro Erstaufnahmestandort. Vorerst gilt das nur für Chemnitz, da die Standorte Leipzig und Dresden erst zu bauen sind.

Dresden. Sachsens Innenministerium stockt die Kapazitäten für die Erstaufnahme von Asylbewerbern auf. Das ursprünglich geplante "Dreimal-500-Konzept" sei angesichts der Prognosen zu den Flüchtlingszahlen nicht haltbar, sagte Behördensprecher Martin Strunden der "Freien Presse". An jedem der vorgesehenen Standorte plant man jetzt mit je 700 Plätzen. Bisher ist von der Erhöhung nur der einzige bereits vorhandene Standort Chemnitz betroffen, an dem die Erstaufnahme neu ankommender Asylbewerber bisher zentral für ganz Sachsen erfolgte. Seit 2013 gibt es den zusätzlichen Ausweichstandort in der früheren Kaserne Schneeberg.

Die im Zuge des gestiegenen Asylbewerberzustroms neu geplanten Standorte in Dresden und Leipzig werden laut Innenministerium nicht vor Herbst 2017 betriebsbereit sein. In Leipzig laufen laut Strunden die Räumarbeiten auf dem Areal. In Dresden plane man noch, nachdem man in anderen Bundesländern Konzepte für eine "moderierend wirkende" Architektur besichtigt habe. Im Chemnitzer Ortsteil Ebersdorf sorgte die kasernenartige Unterbringung bereits vor der Aufstockung für Unmut unter Anwohnern. Das Erhöhen der Kapazität in Chemnitz wurde teilweise bereits im Stillen vollzogen, indem man im Gelände der Erstaufnahmeeinrichtung 35 Wohncontainer mit 100 Plätzen aufstellte. 36 weitere Container sollen folgen. Allerdings gibt es noch kein Okay örtlicher Behörden. Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) äußerte Skepsis gegenüber der Erweiterung. Sie halte die bisher 520 Plätze für verträglich.

Da es bis zur Inbetriebnahme der Einrichtungen in Dresden und Leipzig noch mehr als anderthalb Jahre dauert, sind auch für diese Standorte Interimslösungen geplant, allerdings keine Containerunterbringung, wie der Innenminister auf Anfrage der Linken im Landtag bekanntgab. Über einen vorgesehenen Interimsstandort im früheren Bundeswehrkrankenhaus Leipzig-Wiederitzsch finden derzeit Verhandlungen statt. Wann dort die ersten Flüchtlinge einziehen könnten, sei jedoch noch völlig offen, sagt Behördensprecher Strunden. Auf keinen Fall solle daran gerüttelt werden, den Ausweichstandort Schneeberg wieder zu schließen. Als Puffer will man dort Kapazitäten nur für "unkalkulierbare Notfälle" vorhalten. Der Fokus auf Chemnitz, Leipzig und Dresden folgt der Logik, dass Integrationsfähigkeit in Großstädten größer sei als auf dem Land.

 

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