Trainer gesteht sexuellen Missbrauch

Ein Trainer ist für Kinder und Jugendliche eine Vertrauensperson. Wegen Missbrauchsverdachts steht ein Kampfsportler nun vor Gericht. Und gesteht zu Prozessbeginn.

Dresden (dpa/sn) - Ein wegen sexuellen Missbrauchs angeklagter Kampfsport-Trainer hat zu Prozessbeginn am Dresdner Landgericht gestanden. «Ja, ich habe über viele Jahre an Kindern und Jugendlichen sexuelle Handlungen begangen», sagte der Beschuldigte am Montag nach Verlesung der Anklage. Dem 50-Jährigen werden einfacher und schwerer sexueller Missbrauch in zusammen fast 100 Fällen vorgeworfen. Er wolle den Opfern eine Aussage vor Gericht ersparen, begründete der nicht vorbestrafte Dresdner seine Aussage gegenüber der Jugendschutzkammer.

Laut Anklage hat der Aikido-Trainer sich über Jahre nahezu ungestört und in unterschiedlicher Intensität an Minderjährigen ab dem Grundschulalter vergangen, die in seinen Kampfsportgruppen trainierten. Der «Erlebnispädagoge» war Ende Oktober 2019 festgenommen worden und befindet sich in Untersuchungshaft. Nach eigenen Angaben hatte er zunächst Arbeitsgemeinschaften an einer Schule aufgebaut, dann eine eigene Kampfsportschule gegründet und auch privat unterrichtet.

Bei «Abschlussmassagen» soll er Jungs an die Genitalien gefasst, einen Schüler regelmäßig in einem Raum der Sporthalle sowie weitere bei Kursen und Freizeiten missbraucht haben, darunter an einer Heilpädagogischen Schule. Zuweilen soll er Taten gefilmt haben. Ins Visier der Ermittler war der ledige Deutsche geraten, nachdem eines der Opfer zusammengebrochen war und sich einer Lehrerin anvertraut hatte.

Nach der Anklageverlesung berichtete der Mann Punkt für Punkt über Fälle, an die er sich erinnern könne und andere, die er zumindest für plausibel halte. In weiteren Fällen konnten Opfer auf bei dem Beschuldigten gefundenen Fotos nicht identifiziert werden.

Der Angeklagte wirkte bei seiner Aussage sehr kontrolliert und selbstbewusst. Das sei hier nicht der Punkt, ihm moralische Vorhaltungen zu machen, parierte er etwa die Frage einer Nebenkläger-Anwältin. Reue oder Bedauern waren in seiner teils abgelesenen Erklärung nicht zu erkennen. Er sei davon ausgegangen, dass dem Jungen das auch gefalle, sagte er etwa zu einem Fall. Der Junge habe sich abends nach dem Training Zeit gelassen, sodass sie dann alleine in der Halle gewesen seien.

Am Nachmittag sagte ein heute 29-jähriger Zeuge aus. «Ich habe so getan, als ob ich schlafe, weil ich nicht gewusst habe, wie ich mich verhalten soll», berichtete er von einem sexuellen Übergriff, als er mit 17 Jahren bei dem damaligen Freund seiner Mutter im Doppelbett übernachtete. Ihr habe er das erst sehr viel später anvertrauen können.

Der Prozess wird am Dienstag, 16. Juni, fortgesetzt.

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