Wenige Lehrer-Bewerbungen fürs Land

Nach wie vor zieht es frisch ausgebildete Lehrer in Sachsen vor allem in die Großstädte. Darunter leidet ganz Südwestsachsen.

Die Zahlen unterscheiden sich gar nicht mal so sehr, nur die Bewertung durch das Kultusministerium ist dieses Mal anders. Hatte Sachsen für den Beginn des zweiten Schulhalbjahres 2018/19 noch 625 Bewerber registriert, waren es für Februar 2020 bis zum Bewerbungsschluss Anfang November 646. War die alte Zahl im Januar noch als "Ausdruck des begrenzten Lehrerarbeitsmarktes" gewertet worden, so spricht das Ministerium dieses Mal von einer "insgesamt guten Bewerberlage". Die eigenen Erwartungen seien übertroffen worden, weil zum 31. Januar lediglich 440 Referendare ihren Vorbereitungsdienst beenden würden.

Mit 196 Bewerbern stamme immerhin fast jeder Dritte aus einem anderen Bundesland oder habe dort sein Referendariat absolviert, hieß es. Ein Jahr zuvor hatten sich 180 woanders ausgebildete Lehrer in Sachsen beworben.

Nur wenig Veränderungen gibt es beim Problem der regionalen Unwucht: Die meisten Bewerber wollen nach wie vor in die beiden Ballungsräume Dresden und Leipzig. Mit 470 Bewerbern sind das sogar mehr als zwei Drittel. Nach Ostsachsen, also in den von der Regionalstelle Bautzen des Landesamtes für Schule und Bildung (Lasub) betreuten Landesteil, zieht es hingegen lediglich 44 Lehrkräfte.

Auch für die zwei verbleibenden Lasub-Bezirke in Südwestsachsen haben sich nur vergleichsweise wenig Pädagogen gemeldet: 67 sind es für Chemnitz, 65 für Zwickau - und zwar schulartübergreifend.

Im Lasub-Bezirk Zwickau gibt es nach der am Dienstag im Blog vom Kultusministerium veröffentlichten Statistik jeweils 13 Bewerber an Grund- und Oberschulen. Im Bezirk Chemnitz gibt es demnach auch nur 15 Interessenten für Oberschulen und sogar nur zwölf für Grundschulen - und das, obwohl an der TU Chemnitz 2012 die Grundschullehrerausbildung wieder aufgenommen worden war. Die geringsten Nachwuchssorgen gibt es laut Statistik auch weiterhin bei den Gymnasiallehrern, von denen allein 305 Bewerbungen stammen - also fast jede zweite. Allerdings sagen die Zahlen nichts über die Passgenauigkeit der Fächerkombinationen aus.

Kultusminister Christian Piwarz (CDU) garantiert auch dieses Mal allen fertig ausgebildeten Lehrern ein Angebot, erbittet sich aber eine gewisse Flexibilität der Bewerber: Er würde sich "sehr freuen, wenn sich mehr Lehrer als bisher von der guten Qualität der Schulen im ländlichen Raum überzeugen ließen".

Von den 625 Bewerbern für das zweite Halbjahr des vergangenen Schuljahres wurden letztlich etwas mehr als 400 eingestellt. Wie viele werden es dieses Mal am Ende sein?

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...