Sachsen
Wie eine Forscherin aus alten Plattenbauten neue Häuser baut

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Sechs Tonnen schwere Betonplatten eines DDR-Wohnhauses aus Brandenburg verwandeln sich in ein neues Gemeindehaus. Ein Reuse-Pilotprojekt soll zeigen, wie Recycling beim Bauen funktionieren kann.

Cottbus/Kolkwitz.

Wenn Plattenbauten aus der DDR-Zeit abgerissen werden, bleibt oft erst mal nur Bauschutt übrig. Doch die Betonteile können vor der Deponie bewahrt werden. Die tonnenschweren Elemente wiederzuverwenden und ganz nachhaltig neue Gebäude aus ihnen zu bauen: Das ist die Mission von Bauingenieurin Angelika Mettke, Professorin an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg.

Ungenutzte Plattenbau-Elemente seien eine "Schatzkammer", sagt Mettke. "Wenn wir sie nicht nutzen, dann ist das für mich die eigentliche Bausünde und nicht die Plattenbauten selbst." Schon vor 30 Jahren hat die Wissenschaftlerin angefangen, sich mit der Frage der Wiederverwendung von Betonteilen zu beschäftigen. Heute leitet sie das Arbeitsgebiet Bauliches Recycling an der BTU.

Forscherin sieht ungenutzte Plattenbauteile als "Schatzkammer"

Nach Angaben der Forscherin haben die Betonplatten meist eine gute Qualität und lassen sich einzeln gut neu verbauen. Das schone Ressourcen und schütze das Klima. Hunderte Platten habe sie schon auf Qualität geprüft und organisiere die Zwischenlagerung – nach Abrissen oder auch nach Rückbauten. "Nicht selten wird etwa ein Fünfgeschosser auf drei Geschosse zurückgebaut, zum Beispiel weil der Fahrstuhl fehlt oder ein großer Leerstand da ist."

In der Gemeinde Kolkwitz in Brandenburg (Landkreis Spree-Neiße) ist das Pilotprojekt ReUse Hub gestartet. Aus Betonelementen eines DDR-Plattenbaus soll am Sportplatz des Kolkwitzer Sportvereins 1896 e.V. ein Mehrzweckgebäude entstehen – etwa für Reha-Sport, Chorproben, Sitzungen des Ortsbeirats und Treffen des Karnevalsvereins. 521.000 Euro aus Strukturstärkungsmitteln gibt es für das Projekt.

Neubau aus alten DDR-Betonplatten am Sportplatz

Der Rohbau wird über das europäische Forschungsprojekt "Horizon 2020 – ReCreate" finanziert. "In Kolkwitz wird das Verfahren erstmals praktisch umgesetzt", teilte Brandenburgs Landesregierung mit. Es habe einen Modellcharakter für klimafreundliches Bauen. 

So soll der Neubau aus wiederverwendeten Plattenbauteilen aussehen.
So soll der Neubau aus wiederverwendeten Plattenbauteilen aussehen. Bild: Frank Hammerschmidt/dpa

Die Plattenbau-Elemente für den Neubau in Kolkwitz stammen aus Großräschen in der Niederlausitz. Dort wurde ein alter Platten-Wohnbau umgestaltet – auf der einen Seite wurden zwei, auf der anderen drei Etagen abgerissen. Die teils sechs Meter langen und bis zu 5,8 Tonnen schweren Betonteile werden nun am Sportplatz verbaut. Ein Kraftakt, der nur mit einem Kran zu bewältigen sein wird.

Forscherin: Warum den Beton kaputt machen?

Das Projekt setzt das Ingenieurbüro Peter Jähne aus Cottbus um. "Wir sind gerade dabei, die Bodenplatten zu erstellen", erklärt Jähne. 88 Betonteile nutzt er für den Neubau. Vorsortiert stehen die Deckenplatten und Wandplatten in einem Zwischenlager zur Verwendung bereit. Bis Ende des Jahres soll das neue Gebäude stehen.

"Für mich ist die Weiternutzung der Betonplatten volkswirtschaftlich das Sinnvollste, was mir einfällt", sagt Mettke. "Wenn ich etwas zerstöre, dann habe ich Schutt und den muss ich wieder aufbereiten, also wieder Energie reinstecken." 

Oftmals wolle man aus den Plattenbau-Elementen ohnehin wieder Beton herstellen. Da stelle sich die Frage: "Warum mache ich eigentlich den Beton kaputt?" Mit dem Pilotprojekt will die Forscherin zeigen, dass das Bauen mit Fertigteilen alter DDR-Plattenbauten Zukunft haben kann. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
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