Israels Ministerpräsident hat eine Verstärkung der Offensive im Libanon angekündigt. (Archivbild)
Israels Ministerpräsident hat eine Verstärkung der Offensive im Libanon angekündigt. (Archivbild) Bild: Ali Hashisho/XinHua/dpa
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Krieg trotz Waffenruhe - Heftige Angriffe im Libanon

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Eine Waffenruhe, die nur auf dem Papier existiert - so sieht es derzeit im Libanon aus. Die Angriffe zwischen Israel und der Hisbollah nehmen kein Ende. Der Südlibanon wird zur "Kampfzone" erklärt.

Beirut/Tel Aviv.

Gegenseitige Luftangriffe, Kämpfe am Boden, vorrückende israelische Truppen, Zerstörung, immer wieder Tote und Warnungen an die Zivilbevölkerung: Die Lage zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon spitzt sich erneut dramatisch zu.

Eigentlich gilt seit Mitte April eine Waffenruhe. Darauf hatten sich die israelische und die libanesische Regierung, die selbst keine Konfliktpartei in dem Krieg ist, geeinigt. Die Hisbollah selbst lehnt Verhandlungen mit Israel ab. 

Faktisch läuft der Krieg aber weiter. Israel und die vom Iran unterstützte Schiitenorganisation greifen sich weiter gegenseitig an. Dabei werden im Libanon täglich weiter Menschen getötet. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden dabei seit Ausbruch des Krieges Anfang März 3.269 Menschen getötet und fast 10.000 verletzt. 

Erneut schwere Angriffe

Erneut kam es im Laufe des Tages zu schweren israelischen Luftangriffen im Süden und im Osten des Libanons. Jüngste Evakuierungsaufrufe der israelischen Armee schüren zudem Sorge vor einer weiteren Eskalation.

Im Gebiet um die Stadt Nabatija und in der umliegenden Region gab es libanesischen Sicherheitskreisen zufolge erneut heftige Angriffe. Die staatliche Nachrichtenagentur NNA berichtete weiter von mehreren Angriffen auch im Osten des Landes. 

In Gebieten nahe der antiken Stadt Baalbek wurden mindestens sieben Luftangriffe gemeldet. Zu genauen Opferzahlen gab es zunächst keine offiziellen Angaben. Gestern wurden nach Behördenangaben bei israelischen Angriffen 31 Menschen im Libanon getötet.

Israels Militär meldete indes erneut Einschläge von Sprengstoffdrohnen aus dem Libanon in Nordisrael. In mehreren Gegenden dort heulten die Warnsirenen. Zudem habe die Armee auch "verdächtige Flugobjekte" in der Nähe von israelischen Soldaten im Südlibanon registriert. Mindestens eines sei abgefangen worden. Berichte über Verletzte gab es zunächst nicht. Die israelische Armee teilte weiterhin mit, sie habe am Dienstag mehr als 150 Ziele der Hisbollah im Umkreis der südlibanesischen Städte Tyrus und Nabatija sowie in der Bekaa-Ebene angegriffen.

Die Sandküste der Hafenstadt Tyrus. Bewohner der Stadt wurden zur Flucht aufgerufen. (Archivbild)
Die Sandküste der Hafenstadt Tyrus. Bewohner der Stadt wurden zur Flucht aufgerufen. (Archivbild) Bild: Marwan Naamani/dpa

Israels Armee erklärt Südlibanon zur "Kampfzone"

Am Abend erklärte die israelische Armee große Teile des Südlibanons zur "Kampfzone" und rief die Bevölkerung zur Flucht. Alle Bewohner südlich des Sahrani-Flusses sollten sich in Richtung Norden in Sicherheit bringen, teilte ein Militärsprecher in arabischer Sprache auf der Plattform X mit. Der Sahrani-Fluss verläuft etwa 40 Kilometer nördlich der libanesisch-israelischen Grenze.

In einer Videobotschaft erklärte der Sprecher, die Menschen sollten sich von Infrastruktur der Hisbollah fernhalten. Die israelische Armee bereite sich darauf vor, "mit äußerster Härte" gegen die Miliz vorzugehen.

Zuvor hatte das israelische Militär bereits unter anderem die Bewohner der Städte Tyrus und Nabatija zur Evakuierung aufgefordert. Unter der Bevölkerung brach erneut Panik aus. Auf Straßen in Richtung der Hauptstadt Beirut entstanden Augenzeugen zufolge lange Staus. Nabatija und Tyrus sind die größten und wichtigsten Städte im Südlibanon.

Die lokalen Behörden riefen die Bewohner in Tyrus dazu auf, sich im Stadion der Stadt in Sicherheit zu bringen, da die Notunterkünfte bereits überfüllt seien.

Libanesische Sicherheitskreise deuteten die Evakuierungsaufrufe als Zeichen dafür, dass die israelische Armee den Umfang ihrer Einsätze ausweiten wolle. 

Israel weitet Bodeneinsätze im Südlibanon aus

Auch die Hisbollah setzte ihre Angriffe gegen israelische Ziele fort. Aus Kreisen der Hisbollah hieß es, die Miliz liefere sich schwere Gefechte mit israelischen Bodentruppen nördlich des Litani-Flusses. Kämpfer der Miliz seien in Nähe der sogenannten gelben Linie auf die israelischen Truppen gestoßen. Der Abschnitt bis zur gelben Linie bezeichnet die von Israel deklarierte Pufferzone im Libanon. Sie verläuft sechs bis zehn Kilometer entfernt von der israelischen Grenze. Die israelische Armee hat eigenen Angaben zufolge ihre Einsätze jenseits dieser Linie ausgeweitet. 

Die Hisbollah setzt israelischen Medienberichten zufolge neuerdings auch Glasfaserdrohnen ein, die als unempfindlich gegen Störsender gelten. Sie sind über Glasfaserkabel direkt mit den Piloten verbunden. Die Kabel erreichen bis zu 30 Kilometer Länge, womit die Drohnen auch weiter entfernte Ziele treffen können. Ein israelischer Regierungsvertreter sagte dem Sender Channel 12, dass die Armee angesichts dieser neuen Bedrohung bisher "hilflos" sei. 

Experte: "10-Kilometer Pufferzone ist nicht mehr genug"

Auch Beobachter werten die neuen Drohnen als Problem für Israel. Die Hisbollah könne sie potenziell auch gegen zivile Ziele in Nordisrael einsetzen, sagte der Analyst Heiko Wimmen von der Denkfabrik International Crisis Group der Deutschen Presse-Agentur. "Eine Zehn-Kilometer Pufferzone ist nicht mehr genug", sagte er weiter. 

Eine dauerhafte Lösung des Konflikts zwischen Israel und der Hisbollah sei nur im regionalen Kontext möglich, sagte Wimmen weiter. Es scheine möglich, dass US-Präsident Donald Trump im Zuge eines US-Iran-Deals auf Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu einwirken könne, um vorerst die Angriffe im Libanon zu reduzieren. Daher sei es aus israelischer Sicht sinnvoll, "zuvor noch die Besatzungszone auszudehnen und "facts on the ground" zu schaffen". (dpa)

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