Millionen Impfdosen unbrauchbar: Lieferprobleme bei Johnson & Johnson

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Wegen Verunreinigungen bei der Produktion in den USA fallen Millionen Impfdosen aus. Das trifft auch Deutschland spürbar.

Baltimore.

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat den in einer umstrittenen Produktionsstätte in Baltimore (US-Bundesstaat Maryland) hergestellten Coronavirus-Impfstoff des US-Unternehmens Johnson & Johnson zunächst nur teilweise freigegeben. Zwei Chargen könnten mit angepassten Regelungen in den USA zum Einsatz kommen oder exportiert werden, teilte die FDA mit. "Mehrere andere Chargen" seien dagegen unter anderem wegen möglicher Verunreinigung nicht mehr benutzbar; weitere Chargen würden noch untersucht.

Um wie viele Chargen des Impfstoffs es sich dabei insgesamt handelt und wie viele Impfdosen jede davon umfasst, teilte die FDA nicht mit. US-Medien berichteten, dass rund 10 Millionen Impfdosen freigegeben wurden und rund 60 Millionen entsorgt werden müssten. Die freigegebenen Impfdosen würden aber mit einem Warnhinweis versehen, dass bei der Produktion die Qualitätsstandards womöglich nicht eingehalten wurden.

Die Fabrik in der Ostküstenmetropole Baltimore wird von dem US-Biopharma-Unternehmen Emergent Biosolutions betrieben und stellt seit mehr als 20 Jahren Impfstoffe her. Zuletzt wurden dort die Corona-Impfstoffe von Astrazeneca und Johnson & Johnson produziert. Im März wurde festgestellt, dass in der Produktion Inhaltsstoffe der beiden Vakzine vertauscht worden waren. Daraufhin wurde der Fabrik Medienberichten zufolge zunächst die Herstellung des Wirkstoffs von Astrazeneca untersagt. Weil weitere Mängel festgestellt wurden, musste das Werk im April auf Anweisung der FDA die Produktion ganz einstellen. Sie ruht noch immer.

Der Impfstoff von Johnson & Johnson wird vor allem in den USA in großem Umfang eingesetzt. Auch in Europa soll er helfen, die Impfkampagne zu beschleunigen. Das Vakzin ist leichter zu lagern und zu transportieren als die Produkte der Konkurrenz. Und im Gegensatz zu allen anderen in der EU zugelassenen Corona-Impfstoffen genügt bei dem von Johnson & Johnson eine einmalige Impfung.

Für Deutschland bedeuten die Probleme bei Johnson & Johnson, dass im zweiten Quartal - also bis Ende Juni - etwa 6,5 Millionen Dosen weniger geliefert werden als ursprünglich geplant. Das erklärte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums am Wochenende. "Das ist bedauerlich, denn jede Impfdosis zählt. Daher erwarten wir von Johnson & Johnson, dass diese Menge im Juli schnellstmöglich nachgeliefert wird."

Zu den Liefermengen der drei anderen in der EU zugelassenen Impfstoffe hieß es aus dem Gesundheitsministerium: "Stand heute rechnen wir damit, dass Biontech mit 50,3 Millionen Dosen, Moderna mit 6,4Millionen Dosen und Astrazeneca mit 12,4 Millionen Dosen jeweils ihre aktuellen Lieferzusagen für das zweite Quartal erfüllen." (hr/dpa)

Zweites Vakzin für die Betriebsärzte 

Für die Corona-Impfungen durch Betriebsärzte soll erstmals das Präparat von Johnson & Johnson als zweiter Impfstoff zur Verfügung stehen. In der Woche ab 21. Juni sollen 192.000 Dosen davon geliefert werden, wie es am Samstag vom Bundesgesundheitsministerium hieß. Hinzu kommen dann 602.550 Dosen von Biontech, sodass insgesamt 794.550 Dosen zusammenkommen. Zum Start hatten die Betriebsärzte in der ersten Woche ab 7. Juni zunächst 702.000 Dosen von Biontech bekommen, in der neuen Woche ab 14. Juni sollen es 602.550 sein. Die Betriebsärzte sind erst seit einer Woche regulär in die Corona-Impfkampagne eingebunden. (dpa/fp)

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