In Sewastopol traf ein ukrainischer Drohnenangriff ein Geschichtsmuseum.
In Sewastopol traf ein ukrainischer Drohnenangriff ein Geschichtsmuseum. Bild: Uncredited/Sevastopol mayor Mikhail Razvozhaev telegram channel/AP/dpa
Welt
Ukraine-Krieg dauert nun so lange wie der Erste Weltkrieg

Freie Presse auf Google News folgen

Seit mehr als vier Jahren wehrt sich die Ukraine gegen die russische Invasion. Immer stärker tragen ihre Kampfdrohnen den Krieg zum Angreifer zurück. Im Visier: die russische Ölindustrie.

Moskau/Kiew.

In ihrem Abwehrkampf gegen Russland hat die ukrainische Armee Ziele Hunderte Kilometer tief im Hinterland des Gegners mit Drohnen und Raketen angegriffen. Das russische Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, über Nacht seien 326 feindliche Drohnen abgefangen worden. Diese Zahl ist nicht unabhängig überprüfbar, spricht aber für einen großangelegten ukrainischen Angriff.

Der ukrainische Generalstab in Kiew zählte am Mittwoch den 1.568. Tag des Krieges. Damit dauert die von Kremlchef Wladimir Putin 2022 befohlene Großinvasion in das Nachbarland nun so lang wie der Erste Weltkrieg von 1914 bis 1918 (ebenfalls 1.568 Tage); und ein Ende ist nicht abzusehen. 

Russland will die Ukraine militärisch und politisch zurück in seinen Machtbereich zwingen. Es hält einschließlich der schon 2014 annektierten Halbinsel Krim knapp ein Fünftel der Ukraine besetzt. Doch in den vergangenen Wochen setzt die ukrainische Armee Moskau gerade mithilfe ihres Drohnen-Arsenals immer stärker unter Druck.

Drohnentreffer lösen Brand in Raffinerie aus

Die nächtlichen ukrainischen Drohnenangriffe trafen unter anderem die Raffinerie von Samara an der Wolga und lösten einen Brand aus, wie Telegramkanäle berichteten. Der Gouverneur der Region, Wjatscheslaw Fedorischtschew, schrieb auf Telegram von drei Verletzten und Schäden an mehreren Industrieobjekten. 

Im Gebiet Wladimir östlich von Moskau wurden nach Behördenangaben zwei Anlagen der Ölindustrie beschädigt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte auf dem Portal X Angriffe auf diese Ziele.

 

In Tscheboksary an der Wolga, 1.300 Kilometer von Kiew entfernt, sprachen die russischen Behörden von drei Verletzten nach einem Raketenangriff. Dort wurde nach Angaben Selenskyjs ein Rüstungsunternehmen beschossen, das Teile für russische Drohnen und Raketen produziert. Zum Einsatz kamen ukrainische Marschflugkörper des Typs FP-5 Flamingo. "Wir wenden weiter Langstreckensanktionen gegen russische Militärobjekte und die Ölindustrie an", schrieb der ukrainische Präsident. 

Es ist der dritte ukrainische Angriff auf die Fabrik. Zuletzt wurde das Rüstungswerk Anfang Mai attackiert. Auch damals setzte die Ukraine Raketen ein.

Die Furcht vor den ukrainischen Drohnen hat inzwischen Sibirien erreicht. In den Regionen Tjumen und Omsk lösten die Behörden Drohnenalarm aus. Omsk, das 2.800 Kilometer von Kiew entfernt liegt, ist Standort der größten russischen Ölraffinerie und mehrerer Rüstungsbetriebe. Es wurde aber nichts über einen tatsächlichen Angriff bekannt. 

Die Marschflugkörper FP-5 Flamingo sind eine Eigentwicklung der Ukraine. (Archivbild)
Die Marschflugkörper FP-5 Flamingo sind eine Eigentwicklung der Ukraine. (Archivbild) Bild: Efrem Lukatsky/AP/dpa

Geschichtsmuseum in Sewastopol getroffen

In Sewastopol auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim schlug eine Drohne in ein Geschichtsmuseum ein, das Panorama der Belagerung der Stadt im Krimkrieg im 19. Jahrhundert. Der Chef der Besatzungsverwaltung, Michail Raswoschajew, sprach von einem gezielten Angriff auf eine Kultureinrichtung.

Dies wäre indes untypisch für die bisherigen Angriffsmuster der ukrainischen Armee. Umgekehrt hat Russland in mehr als vier Jahren Angriffskrieg viele Museen, Theater, Bibliotheken, Schulen und Kirchen in der Ukraine bei Luftangriffen beschädigt.

Drohnenschwarm schlägt in Charkiw ein

Die russischen Drohnenangriffe in der Nacht trafen am schwersten die grenznahe ukrainische Großstadt Charkiw. Die Regionalverwaltung berichtete von 26 Einschlägen binnen kurzer Zeit. Es habe acht Verletzte gegeben. Auch die Stadt Saporischschja wurde getroffen, es gab Gebäudeschäden. Die ukrainische Luftwaffe zählte über Nacht 207 russische Drohnen, von denen 181 abgefangen worden seien. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
Das könnte Sie auch interessieren
07:53 Uhr
4 min.
OB-Wahl in Aue-Bad Schlema: Nach Marathon-Sitzung steht jetzt endgültiges Wahlergebnis fest
OB-Wahl in Aue-Bad Schlema: Nach Marathon-Sitzung steht jetzt endgültiges Wahlergebnis fest - Blick auf das Rathaus von Aue: Am Dienstagabend hat der Wahlausschuss das Wahlergebnis zur OB-Wahl offiziell festgestellt.
Der Wahlausschuss hat am Dienstag das Ergebnis der OB-Wahl in Aue-Bad Schlema geprüft. Ein Stimmzettel sorgte für eine kurze Diskussion, ein „Freie Sachsen“-Vertreter stellte viele Fragen zur Briefwahl. Und am Ende wartete eine Überraschung auf den Wahlsieger.
Jürgen Freitag
19.05.2026
2 min.
Hunderte ukrainische Drohnen - russische Raffinerie als Ziel
Hunderte ukrainische Drohnen - russische Raffinerie als Ziel - Solche Drohnen setzt die Ukraine für ihre Angriffe ins russische Hinterland ein. (Archivbild)
Die Ukraine wehrt sich gegen den Angreifer Russland und versucht, den Gegner tief in seinem Hinterland zu treffen. Immer im Visier: die russische Ölindustrie.
09.06.2026
2 min.
Neun Geschwister: 500. Baby des Jahres am DRK-Krankenhaus Chemnitz-Rabenstein geboren
Neun Geschwister: 500. Baby des Jahres am DRK-Krankenhaus Chemnitz-Rabenstein geboren - Raquel und Adrian (vorn rechts) freuen sich über die Geburt ihrer Tochter.
Die kleine Carmen kam am Samstag gesund zur Welt. Sie ist bereits das zehnte Kind ihrer Eltern Raquel und Adrian.
Erik Anke
11:23 Uhr
2 min.
Ukrainische Luftangriffe bis tief hinein nach Russland
Ukrainische Luftangriffe bis tief hinein nach Russland - In Sewastopol wurde nach Angaben der Besatzungsverwaltung ein historisches Museum getroffen. (Archivbild)
Seit mehr als vier Jahren wehrt sich die Ukraine gegen die russische Invasion. Immer mehr tragen ihre Langstreckendrohnen den Krieg zurück ins Land des Angreifers. Im Ziel: die russische Ölindustrie.
16:30 Uhr
5 min.
KI in der Politik - Warum Mario Voigt in der Kritik steht
KI in der Politik - Warum Mario Voigt in der Kritik steht - Wurden mehrere Reden und Gastbeiträge von Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt? (Archivbild)
Ein Portal findet mit KI-Analyse-Werkzeugen Auffälligkeiten in Beiträgen von Thüringens Regierungschef. Wie viel KI darf in einer Rede zum Holocaust-Gedenktag stecken?
16:30 Uhr
4 min.
Wochenlange Proben und Mitternachtseinsätze: Plauener Lessing-Gymnasium inszeniert Abba-Musical
Wochenlange Proben und Mitternachtseinsätze: Plauener Lessing-Gymnasium inszeniert Abba-Musical - Hilda Lange und Emilio Kappei erleben im Musical als Sofia und Robin große Gefühle.
Es beginnt mit einem Dachbodenfund: 150 Schüler des Lessing-Gymnasiums nehmen ihr Publikum mit auf eine musikalische Zeitreise in die 80er-Jahre voller Glitzer, Träume und großer Abba-Hits.
Jana Wejkum
Mehr Artikel