Welt
US-Angriffe im Iran - Teheran attackiert Golfstaaten

Freie Presse auf Google News folgen

Wie Du mir, so ich Dir? Der Iran schießt nach US-Angaben einen Militärhubschrauber ab. Es folgen Luftangriffe auf Ziele im Iran. Teheran wiederum greift Golfstaaten an. Hält die Waffenruhe das aus?

Washington/Teheran.

Die USA und der Iran haben sich in der Golfregion trotz Waffenruhe und laufenden Verhandlungen über ein Kriegsende erneut gegenseitig angegriffen. Als Reaktion auf den Abschuss eines US-Militärhubschraubers bombardierte das amerikanische Militär in der Nacht zum Mittwoch im Iran Luftabwehranlagen, Bodenkontrollstationen und Radaranlagen im Bereich der Straße von Hormus, wie das Regionalkommando Centcom auf X mitteilte. Teheran griff daraufhin laut iranischen Medien US-Stützpunkte in der Golfregion und in Jordanien an, unter anderem mit ballistischen Raketen. Kuwaits Luftabwehr war laut Armeeangaben im Einsatz. Auch in Bahrain schrillten wieder Sirenen. 

Das US-Militär sprach von einer "verhältnismäßigen" Antwort auf den iranischen Abschuss des Apache-Kampfhubschraubers vor der Küste des Omans. Am Dienstagabend hatte US-Präsident Donald Trump den Iran für den Abschuss verantwortlich gemacht und Vergeltung angekündigt.

US-Medienberichten zufolge erfolgten die Angriffe im Iran in drei Wellen und richteten sich gegen rund 20 Ziele. Iranische Medien berichteten unter anderem über Explosionen in der Stadt Sirik an der Straße von Hormus sowie auf der Insel Qeschm. Auch aus dem Bereich der Großstadt Bandar Abbas gab es Berichte über Einschläge. Nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim wurden zwei Wassertanks in Sirik getroffen, die Trinkwasserversorgung sei unterbrochen. 

Iran: Wir lassen keine Bedrohung unbeantwortet

 

Irans Außenminister Araghtschi warnt die USA. (Archivbild)
Irans Außenminister Araghtschi warnt die USA. (Archivbild) Bild: Dmitri Lovetsky/Pool AP/dpa

Das US-Militär sprach von "Selbstverteidigung", Irans Militär dagegen von einem "fadenscheinigen" Vorwand. Irans Außenminister Abbas Araghtschi drohte den USA in Reaktion auf das Bombardement prompt Gegenschläge an. "Verlassen Sie unsere Region, wenn Sie in Sicherheit sein wollen. Die Geschichte des Persischen Golfs kennt viele Kapitel über das tragische Schicksal von Eindringlingen", schrieb er in der Nacht auf Mittwoch auf X.  

Nur wenig später führten Irans Revolutionsgarden - die Elitestreitmacht der Islamischen Republik - nach Angaben iranischer Medien eine Drohnenattacke auf das Hauptquartier der US-Marine für den Nahen Osten in Bahrain aus. Zudem sei ein Stützpunkt in Jordanien angegriffen worden, hieß es. Die jordanischen Streitkräfte teilten am Morgen mit, in al-Asrak - dort befindet sich ein US-Stützpunkt - fünf iranische Raketen abgefangen zu haben. Am frühen Morgen schrillten auch in Bahrain abermals die Sirenen. 

Die Inselnation war wie Kuwait und andere Golfstaaten schon zuvor mehrfach unter iranischen Beschuss geraten. Sie alle beherbergen US-Militärstützpunkte, die sich nur wenige Hundert Kilometer von der Islamischen Republik entfernt befinden. Ungeachtet der erneuten Angriffe sagte US-Präsident Trump dem Sender ABC News in einem Telefoninterview - wohl mit Blick auf die zähen Verhandlungen mit Teheran im Ringen um ein Kriegsende - es gebe ein "sehr gutes Abkommen". Dieses werde wahrscheinlich Bestand haben.

Trump hatte zu Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar einen schnellen Sieg versprochen, doch die Bemühungen um ein Kriegsende und eine Öffnung der strategisch bedeutenden Straße von Hormus für die Schifffahrt stocken seit Wochen - auch, wenn Trump sich immer wieder zuversichtlich äußert. 

Iran-Experte warnt vor weiterer Eskalation

Der israelische Iran-Experte Danny Citronowicz warnte auf X: "Das Risiko einer weiteren Eskalation bleibt erheblich, selbst wenn weder Washington noch Teheran aktiv einen größeren Konflikt anstreben". 

Offiziell gilt im Iran-Krieg seit zwei Monaten eine Waffenruhe. Doch zuletzt schien diese von Tag zu Tag brüchiger zu werden: Bereits am Sonntag war der Konflikt mit iranischen Raketenangriffen auf Israel gefährlich eskaliert. Israel griff daraufhin Ziele im Iran an. Trump rief beide Staaten zu einer "sofortigen" Waffenruhe auf, woraufhin beide Seiten erklärten, ihre Angriffe einzustellen. 

Der Iran hatte seine Angriffe nach Angaben aus Teheran wegen der israelischen Attacken gegen die proiranische Hisbollah-Miliz im Libanon begonnen. Israels Regierung hat jedoch kaum Zweifel daran gelassen, dass sie auch weiter gegen die schiitische Miliz im nördlichen Nachbarland vorgehen wird. 

Bericht: Netanjahu zu Alleingang gegen den Iran bereit

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu soll nach Angaben des TV-Senders i24News unter Umständen auch zu einem eigenständigen Schlag gegen den Iran ohne US-Unterstützung bereit sein. Der Sender berief sich auf eine Kabinettssitzung am Montagabend und zitierte Netanjahu mit den Worten: "Es könnte sein, dass wir in eine Situation geraten, in der wir den Iranern allein, ohne Rückendeckung der USA, gegenüberstehen – mit allen damit verbundenen Kosten: Rüstungsausgaben und weltweite Isolation." 

Israel wolle nicht, dass es so weit komme, wisse aber, dass es so weit kommen könne, sagte Netanjahu demnach. Er muss in wenigen Monaten bei anstehenden Wahlen um sein Amt kämpfen. Trump hatte Netanjahu zuvor vor einem Alleingang gewarnt. 

Schusswechsel an Frachtschiff vor Jemens Küste

Am Morgen lieferten sich vor der Küste des Jemen unterdessen Angreifer auf einem kleinen Boot einen Schusswechsel mit Sicherheitskräften eines Frachtschiffs, wie die britische Behörde für die Sicherheit der Handelsschifffahrt (UKMTO) mitteilte. Das kleine Boot sei wieder abgedreht. Im Jemen ist die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz aktiv, die bereits seit 2023 Dutzende Schiffe mit angeblichem Bezug zu Israel in der Region angegriffen hatte. Im Golf von Aden kommt es aber immer wieder auch zu Piraterie-Vorfällen mit Beteiligung von kriminellen Netzwerken aus Somalia. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
Das könnte Sie auch interessieren
13:04 Uhr
2 min.
Bericht: Hertha-Talent Eichhorn wechselt zu Bayer Leverkusen
Bericht: Hertha-Talent Eichhorn wechselt zu Bayer Leverkusen - Der umworbene Kennet Eichhorn wechselt laut Florian Plettenberg zu Bayer Leverkusen. (Archivbild)
Kennet Eichhorn schließt sich wohl Bayer Leverkusen an. Der 16-Jährige soll laut Sky einen langfristigen Vertrag unterschreiben. Der Medizincheck steht noch aus.
07:53 Uhr
4 min.
OB-Wahl in Aue-Bad Schlema: Nach Marathon-Sitzung steht jetzt endgültiges Wahlergebnis fest
OB-Wahl in Aue-Bad Schlema: Nach Marathon-Sitzung steht jetzt endgültiges Wahlergebnis fest - Blick auf das Rathaus von Aue: Am Dienstagabend hat der Wahlausschuss das Wahlergebnis zur OB-Wahl offiziell festgestellt.
Der Wahlausschuss hat am Dienstag das Ergebnis der OB-Wahl in Aue-Bad Schlema geprüft. Ein Stimmzettel sorgte für eine kurze Diskussion, ein „Freie Sachsen“-Vertreter stellte viele Fragen zur Briefwahl. Und am Ende wartete eine Überraschung auf den Wahlsieger.
Jürgen Freitag
08.06.2026
4 min.
Neue gegenseitige Angriffe zwischen Iran und Israel
Neue gegenseitige Angriffe zwischen Iran und Israel - Der Iran hat am späten Sonntagabend Israel wieder mit Raketen angegriffen.
Mit der im April vereinbarten Waffenruhe im Iran-Krieg endeten auch die Angriffe zwischen dem Iran und Israel - bis jetzt. Israel reagiert auf neue Attacken. Entgegen einer Forderung Trumps.
13:02 Uhr
2 min.
Bayerns Ärger vor BBL-Finale gegen Alba: "Vorteil für sie"
Bayerns Ärger vor BBL-Finale gegen Alba: "Vorteil für sie" - Wollen nach einer holprigen Saison zumindest Meister werden: Die Bayern-Basketballer Vladimir Lucic (l) und Andreas Obst. (Archivbild)
Der FC Bayern ist im BBL-Finale Favorit auf den erneuten Titelgewinn. Allerdings wurmt die Münchner, dass sie vor der Endspielserie so lange spielfrei hatten. Ein Routinier wendet sich an die Liga.
09.06.2026
2 min.
Neun Geschwister: 500. Baby des Jahres am DRK-Krankenhaus Chemnitz-Rabenstein geboren
Neun Geschwister: 500. Baby des Jahres am DRK-Krankenhaus Chemnitz-Rabenstein geboren - Raquel und Adrian (vorn rechts) freuen sich über die Geburt ihrer Tochter.
Die kleine Carmen kam am Samstag gesund zur Welt. Sie ist bereits das zehnte Kind ihrer Eltern Raquel und Adrian.
Erik Anke
06.06.2026
6 min.
USA und Iran greifen sich in Golfregion erneut an
USA und Iran greifen sich in Golfregion erneut an - Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran geht trotz Waffenruhe weiter. (Archivbild)
Trotz Waffenruhe geht der gegenseitige Beschuss zwischen den USA und dem Iran weiter. Das gilt auch für den Konflikt zwischen der proiranischen Hisbollah und Israel. Ein Ende scheint nicht in Sicht.
Mehr Artikel