Auch zahlreiche Deutsche besuchen in diesem Jahr das St. Petersburger Internationale Wirtschaftsforum. (Archivbild)
Auch zahlreiche Deutsche besuchen in diesem Jahr das St. Petersburger Internationale Wirtschaftsforum. (Archivbild) Bild: Dmitri Lovetsky/AP/dpa
Wirtschaft
Deutsche nehmen an Putins Forum teil - AfD-Politiker dabei

Freie Presse auf Google News folgen

Viele deutsche Unternehmen halten trotz Sanktionen in Russland laut einer neuen Umfrage ihre Stellung. Beim Wirtschaftsforum in St. Petersburg sind auch Politiker der AfD dabei.

St. Petersburg/Berlin.

Nach Jahren der Zurückhaltung wegen Russlands Angriffskrieges gegen die Ukraine treten deutsche Unternehmer nun erstmals wieder offiziell beim Wirtschaftsforum in St. Petersburg auf. "Nicht zuletzt für den Moment nach einem Waffenstillstand wollen wir wie andere große westliche Länder die wirtschaftliche Brücke nach Russland erhalten und die mehr als 100 Milliarden deutscher Vermögenswerte in Russland schützen", sagt der Vorstandsvorsitzende der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer, Matthias Schepp, der Deutschen Presse-Agentur. Amerikaner und Franzosen waren bereits seit vorigem Jahr mit einem Business-Dialog präsent.

"Der Westen sollte Russland, seinen großen Markt und seine Rohstoffe nicht auf Dauer Asien überlassen", sagt Schepp. Allein die Chinesen hätten im ersten Quartal dieses Jahres 1.400 neue Unternehmen in Russland gegründet.

Laut dem Programm des St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforums (SPIEF) nehmen etwa der in Russland mit der Gruppe EkoNiva tätige Milchproduzent Stefan Dürr und der langjährige Geschäftsführer der Globus Holding, Thomas Bruch, an dem Business-Dialog teil. Die Globus-Kette ist wie etwa 1.600 deutsche Unternehmen nach Angaben der Kammer weiter aktiv in Russland. Ihr Umsatz lag nach Berechnungen der Kammer bei etwa 20 Milliarden Euro im vergangenen Jahr.

Wegen der westlichen Sanktionen ist das deutsch-russische Handelsvolumen im vergangenen Jahr allerdings auf unter zehn Milliarden Euro gesunken. Bis zum Beginn des russischen Angriffskrieges war Deutschland der größte europäische Handelspartner Russlands – mit einem Volumen von 59,7 Milliarden Euro 2021 und 80 Milliarden Euro auf dem Höhepunkt im Jahr 2012.

AfD-Politiker nehmen teil

Eingeladen zu dem Forum sind auch Politiker der AfD. Der Bundestagsabgeordnete und baden-württembergische Landesvorsitzende, Markus Frohnmaier, machte sich am Sonntag auf den Weg. Er sagte: "Deutschland braucht eine Politik, die Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und die Interessen der eigenen Bürger wieder stärker in den Mittelpunkt stellt." Ihm sei bewusst, "dass diese Reise sensibel betrachtet wird". Er fügte hinzu: "Meine Teilnahme bedeutet jedoch keine Billigung des Krieges in der Ukraine." Nach Angaben der Organisatoren nimmt auch der sächsische AfD-Vorsitzende und Landtagsabgeordnete Jörg Urban teil, laut "Bild" auch der Europaparlamentarier Petr Bystron.

Geschäftsklima-Umfrage: Deutsche bleiben in Russland

Nach einer neuen Umfrage der Kammer unter ihren 750 Mitgliedern zum Geschäftsklima planen fast alle Unternehmen ihren Verbleib in Russland, weil sie den Markt für bedeutsam halten. 75 Prozent der 265 Teilnehmer der Befragung gaben an, mit der Entwicklung ihres Russlandgeschäfts zufrieden zu sein - trotz Millioneneinbußen durch die Sanktionen. 

Zwei Drittel sind demnach überzeugt, dass die Strafmaßnahmen des Westens die russische Wirtschaft stark (49 Prozent) oder sehr stark (18) beeinträchtigen. Gut ein Drittel der Unternehmen meint, dass die westlichen Sanktionen Deutschland mehr schaden als Russland. Mehr als die Hälfte gab an, dass sie Deutschland und Russland gleichermaßen schadeten. Auf die Frage "Sollte Deutschland wieder Gas und Öl aus Russland beziehen?" antworteten 65 Prozent mit "ja, je eher, desto besser" und 31 Prozent mit "ja, aber erst, nachdem die Waffen in der Ukraine schweigen".

Bei dem Wirtschaftsforum vom 3. bis 6. Juni ist Kremlchef Wladimir Putin Gastgeber. Es gibt auch eine Veranstaltung zum Thema Kultur als Brückenbauer in Krisenzeiten. Daran nehmen nach Angaben der Organisatoren mehrere Deutsche teil, darunter der Dirigent Justus Frantz, der Berliner Verleger Holger Friedrich und der Filmemacher und Journalist Hubert Seipel. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
Das könnte Sie auch interessieren
14:40 Uhr
3 min.
„Wir stellen keine Beamten ein, sondern Feuerwehrleute“: Ein etwas andere Tag bei der Chemnitzer Berufsfeuerwehr
„Wir stellen keine Beamten ein, sondern Feuerwehrleute“: Ein etwas andere Tag bei der Chemnitzer Berufsfeuerwehr - Als bei einer Schauvorführung die Flammen meterhoch in den Himmel schlagen, zücken viele Besucher ihre Handys. Die Demonstration zählt zu den Höhepunkten des Tags der offenen Tür der Chemnitzer Feuerwehr.
Kinder löschen Brände, Jugendliche messen sich im Eignungstest und ehemalige Kameraden schwelgen in Erinnerungen: Zum 160-jährigen Bestehen der Chemnitzer Berufsfeuerwehr lockte viele Besucher an. Vor allem stand die Frage im Raum: Wer wird die Feuerwehr von morgen bilden?
Jakob Nützler
25.05.2026
5 min.
Moskaus Angriff hält Kiew in Atem
Moskaus Angriff hält Kiew in Atem - Russland hat die Ukraine in der Nacht zu Sonntag mit einem massiven kombinierten Angriff überzogen.
Historische Gebäude, Museen, und auch Studios deutscher Medien: Ein massiver russischer Angriff auf Kiew traf am Wochenende das Herz der Stadt. Wie verändert sich die Dynamik des Kriegs?
30.05.2026
4 min.
Warum eine Schulleiterin aus dem Erzgebirge mit Schülern unbedingt in den Wald will
Warum eine Schulleiterin aus dem Erzgebirge mit Schülern unbedingt in den Wald will - Henri Leonhardt (vorn) war einer der Grundschüler aus Gornsdorf, die sich bei den Waldjugendspielen in Conradswiese mit verbundenen Augen auf den Pfad der Sinne wagten.
Still sein, den Wald mit allen Sinnen erleben, Wissen und Schnelligkeit beweisen – darauf kommt es bei den Waldjugendspielen an. 130 Grundschüler von fünf Schulen aus Aue, Schwarzenberg und Gornsdorf waren dabei.
Heike Mann
26.05.2026
2 min.
Russischer Politiker droht Kiew mit Massenvernichtungswaffen
Russischer Politiker droht Kiew mit Massenvernichtungswaffen - Russlands Parlamentschef Wjatscheslaw Wolodin droht der Ukraine mit Massenvernichtungswaffen. (Archivbild)
An der Front geht es für Russland nicht voran. Nun eskaliert der Kreml den Krieg gegen das Hinterland der Ukraine. Greift Moskau zum Äußersten?
14:44 Uhr
3 min.
RB Leipzig: Weiter mit Trainer Ole Werner?
RB Leipzig: Weiter mit Trainer Ole Werner? - Bei RB Leipzig gibt es trotz einer guten Saison Diskussionen über Trainer Ole Werner.
Offenbar wird im Hintergrund bei RB Leipzig über den Coach diskutiert – trotz einer erfolgreichen Saison. Will der Club noch höher hinaus?
Fabian Held
06:11 Uhr
2 min.
Pawlow-Hotel im Erzgebirge eröffnet: So startet das neue Vier-Sterne-Haus
Pawlow-Hotel im Erzgebirge eröffnet: So startet das neue Vier-Sterne-Haus - Betreiber Gregor Kumberger junior und senior sowie Hotelleiterin Melanie Walther durchschneiden ein Band zur Eröffnung des Pawlow-Hotels in Warmbad.
„Aufgeben war für uns keine Option“, sagt Investor Kumberger. Hinter der Eröffnung des Pawlow-Hotels in Warmbad liegen jahrelange Sanierungsarbeiten. Nun soll das Haus neue Gäste in den Kurort locken.
Mike Baldauf
Mehr Artikel