Elon Musk verlässt sich darauf, dass Anleger im Glauben an künftige Erfolge von SpaceX investieren. (Archivbild)
Elon Musk verlässt sich darauf, dass Anleger im Glauben an künftige Erfolge von SpaceX investieren. (Archivbild) Bild: Eric Gay/AP/dpa
Wirtschaft
Was den SpaceX-Börsengang besonders macht

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Elon Musk lädt zu einer großen Börsenwette ein. Seine Weltraumfirma SpaceX hat zwar wenig Geschäft und hohe Verluste - aber Anleger akzeptieren eine Riesen-Bewertung in Erwartung künftiger Erfolge.

Austin.

Elon Musks Weltraumfirma SpaceX machte im vergangenen Jahr weniger als 19 Milliarden Dollar Umsatz und steckt tief in den roten Zahlen - und ist zum Börsendebüt fast 1,8 Billionen Dollar wert. Mit Einnahmen von rund 75 Milliarden Dollar bei einem Ausgabepreis von 135 Dollar ist es zudem der größte Börsengang, den es bisher gab. Und nach dem heute erwarteten Handelsstart könnte die Bewertung angesichts der hohen Nachfrage noch weiter steigen.

Was macht SpaceX überhaupt?

Die von Musk bereits 2002 gegründete Firma ist vor allem bekannt für ihre Raketen. Der Plan des Tech-Milliardärs war, die Kosten von Raketenstarts drastisch zu senken und irgendwann eine Kolonie auf dem Mars aufzubauen. Raumfahrt war damals die Domäne von Supermächten - und entsprechend wurden seine Aktivitäten zunächst belächelt. 

Doch SpaceX gelang es, günstigere Raketen zu bauen - und sie auch noch wiederverwendbar zu machen, was die Kosten noch einmal senkte. Insbesondere seit der Einstellung des Space-Shuttle-Programms ist SpaceX aktuell praktisch unverzichtbar für die US-Raumfahrt und das Militär.

Woraus besteht das SpaceX-Geschäft?

Den Großteil der Erlöse - rund elf Milliarden Dollar - erwirtschaftete im vergangenen Jahr der Satelliteninternet-Dienst Starlink. SpaceX brachte dafür rund 9.600 Satelliten in die Umlaufbahn. Aktuell braucht man meist noch spezielle Antennen und Empfangsgeräte am Boden, mit den nächsten Generationen der Technik sollen Smartphones verstärkt direkt auf das Netz aus dem All zugreifen können. Damit hätte man mobiles Internet auch überall dort, wo es kein Mobilfunk-Netz gibt. 

Starlink kam Ende März auf gut zehn Millionen Kunden. Amazon baut einen Konkurrenzdienst auf, hat aber noch deutlich weniger Satelliten. Vor einigen Monaten ließ Musk zudem SpaceX seine KI-Firma xAI übernehmen, in der zuvor auch die Online-Plattform X aufging.

Wie rechtfertigt SpaceX eine Bewertung von 1,8 Billionen Dollar?

Die Bewertung zum Börsendebüt ist mehr als 90 Mal höher als der vergangene Jahresumsatz - und das ist außergewöhnlich viel. Beim derzeit wertvollsten Unternehmen, dem knapp fünf Billionen Dollar teuren Chipkonzern Nvidia liegt dieser Wert bei etwa 20, bei Apple bei rund 10. 

SpaceX erklärt die hohe Bewertung mit der Aussicht auf künftiges Geschäft. Laut Börsenprospekt sieht das Unternehmen allein für Satelliten-Konnektivität einen Gesamtmarkt von 1,6 Billionen Dollar - für alle Anbieter allerdings. 

Zudem kommt hier auch xAI ins Spiel: SpaceX will sich ein Stück des Geschäfts mit KI-Anwendungen für Unternehmen sichern, das insgesamt auf mehr als 22 Billionen Dollar geschätzt wird. Musk plant unter anderem Rechenzentren in der Umlaufbahn - wobei bisher offen ist, ob das technisch funktioniert. 

Musk ist oft zu optimistisch bei seinen Ankündigungen, die manchmal erst Jahre nach von ihm genannten Fristen erfüllt werden. Bei dem ebenfalls von ihm geführten Elektroauto-Hersteller Tesla etwa funktioniert das autonome Fahren noch immer nicht so, wie von ihm in den vergangenen zehn Jahren versprochen.

Welche Rolle spielt der Faktor Elon Musk?

Bei traditionellen Börsengängen kommen meist vor allem institutionelle Investoren wie Banken und Fonds zum Zuge. Musk verlässt sich aber schon seit Jahren stark auf eine Armee von Fans unter privaten Anlegern. Beim Börsengang von SpaceX blieb ihnen wohl rund ein Fünftel der knapp 555,6 Millionen Aktien vorbehalten, wie das "Wall Street Journal" berichtete.

Üblicherweise liegt der Anteil bei fünf bis sieben Prozent. Die Nachfrage der privaten Anleger übertraf das Angebot dennoch stark. Nach Informationen des Finanzdienstes Bloomberg kamen von ihnen Order im Volumen von mehr als 100 Milliarden Dollar.

Musk behält auch nach dem Börsengang die volle Kontrolle über SpaceX mit einem Stimmrechtsanteil von mehr als 80 Prozent. Basis dafür sind Aktien mit mehr Stimmrechten. Er wird durch den Börsengang zum ersten Menschen mit einem Vermögen von mehr als einer Billion Dollar. Aktuell schätzt etwa Bloomberg sein Vermögen auf rund 700 Milliarden Dollar.

Was könnte noch den Aktienkurs beeinflussen?

Das SpaceX-Papier wird schnell in mehrere wichtige Aktienindizes einziehen. Die Index-Anbieter Nasdaq und FTSE Russell änderten dafür ihre Vorgaben kurzfristig, MSCI verwies im Mai auf 2007 eingeführte Regeln für große Börsengänge. Die Aufnahme bedeutet automatisch eine frühzeitige zusätzliche Nachfrage von Fonds, die die Index-Zusammensetzung abbilden. S&P Dow Jones unterdessen hält dagegen und bleibt dabei, dass die Aktie erst nach zwölf Monaten auf dem Markt in den Auswahlindex S&P 500 einziehen kann. (dpa)

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