"Wir haben das Gold praktisch im Keller"

Bundesbankvorstand Johannes Beermann über den Sinn einer Währungsreserve und warum deutsches Gold im Ausland gelagert wird

Chemnitz.

Gold fasziniert die Menschen, seit das edle Metall erstmals entdeckt wurde. Die Deutsche Bundesbank verwaltet mit 3374 Tonnen Gold den zweitgrößten Goldbestand einer Notenbank weltweit. Das sind rund 270.000 Goldbarren mit einem Gewicht von je etwa 12,5 Kilogramm. Weil rund die Hälfte der Goldreserven im Ausland gelagert wird, ranken sich um den deutschen Goldschatz einige Verschwörungstheorien. Bis 1998 lagerten lediglich zwei Prozent des Goldes in Deutschland. Heute befinden sich 1710 Tonnen in Frankfurt, 1236 Tonnen in New York und 428 Tonnen in London. Über den Sinn der Goldreserven und ihre Lagerung im Ausland sprach Christoph Ulrich mit Johannes Beermann, Mitglied des Vorstandes der Deutschen Bundesbank.

Freie Presse: Noch immer lagert rund die Hälfte der deutschen Goldreserven im Ausland. Hat die Bundesbank vor, weiteres Gold nach Deutschland zu holen?

Johannes Beermann: Das Gold ist natürlich auch im Ausland sicher gelagert. Es liegt ja dort schon seit Jahrzehnten. Wir planen auch nicht, weiteres Gold nach Deutschland zu verlagern. Die aktuelle Verteilung ist das Ergebnis eines Lagerstättenkonzeptes, das der Vorstand der Deutschen Bundesbank 2012 beschlossen hat.

Welchen Grund gibt es überhaupt, einen Teil der Goldreserven beispielsweise in den USA zu lagern?

In den USA könnte das Gold veräußert oder verpfändet werden, um in Krisensituationen Zugang zu US-Dollar zu erhalten. London ist der bedeutendste Goldhandelsplatz der Welt, deshalb ist es sinnvoll, Teile des Goldbestandes dort vorzuhalten. Wenn wir das Gold als Währungsreserve haben, bedeutet das, dass wir das Gold einsetzen könnten, um kurzfristig Fremdwährungen zu erhalten. Deshalb macht es Sinn, das Gold auch dort vorzuhalten, wo es regelmäßig gehandelt wird.

Setzt die Bundesbank die Goldreserven aktiv auf dem Markt ein? In welcher Größenordnung handelt die Bundesbank mit Gold?

Wir sind auf dem Goldmarkt so gut wie gar nicht aktiv.

Das Gold wird also gar nicht eingesetzt?

Es gibt eine Ausnahme: Wenn der Bundesfinanzminister Goldmünzen prägt, dann kauft er bei uns das Gold. Das ist die einzige Tätigkeit, die wir mit dem Gold machen. Es wird also auch nicht an irgendjemanden meistbietend verkauft.

Der Goldpreis ist stark gesunken. Spielt das für die Bewertung der Goldreserven eine Rolle?

Die Bewertung erfolgt zu Marktpreisen. Das heißt, wenn der Goldpreis sinkt, führt dies in unserer Bilanz auf der Aktivseite, also auf der Vermögensseite, zu einem verringerten Bilanzausweis des Goldes, und auf der Passivseite nur zu einer Verringerung der sogenannten Neubewertungsreserve. Auswirkungen auf die Gewinn- und Verlustrechnung in Form einer Verlustzuweisung sind damit nicht verbunden.

Welche Rolle können die Goldreserven bei einer möglichen Eurokrise spielen?
Über eine Eurokrise möchte ich gar nicht spekulieren, weil das kein ernsthaftes Szenario ist. Es ist mehr so ein Stichwort. Wichtig ist mir zu sagen, welchen psychologischen Effekt das Gold hat. Die Goldreserve der Bundesbank stellt eine eiserne Reserve in der Bundesrepublik Deutschland dar. Das heißt, im Notfall kann man damit Devisen beschaffen. Viel wichtiger ist aber die vertrauensbildende Wirkung, die eine solche Reserve hat. Sie sorgt dafür, dass in der Bevölkerung das Vertrauen in die Währung gestärkt wird. Schließlich haben wir das Gold praktisch im Keller.

War die Rückführung der Goldreserven tatsächlich notwendig oder war es nur eine Reaktion der Bundesbank, weil man keine populistische Debatte gebrauchen konnte?

Ich war bei dem Beschluss noch nicht bei der Bundesbank, deshalb kenne ich auch nur die Diskussion. Als Währungsreserve macht es aber durch den Euro ja keinen Sinn, noch Gold in Paris zu lagern. Das Zweite ist: Mit dem Fallen des Eisernen Vorhangs und der Friedlichen Revolution hat sich ja vieles verändert. Zuvor hat man versucht, das Gold möglichst weit weg vom damaligen Feind zu platzieren. Da war es schon gut, den Atlantik dazwischen zu haben. Drittens haben wir eine nationale Lagerstätte, in der noch Platz war. Jetzt liegt etwas mehr als die Hälfte des Goldes in der Lagerstätte in Frankfurt am Main.

Welches Szenario müsste sich in Europa ergeben, damit die Bundesbank die Goldreserven zur Rettung der Euro-Währung einsetzt?

Das ist eine total theoretische Größe, weil es das noch nie gab und es wohl auch mehr als unwahrscheinlich ist, dass diese Situation jemals eintritt. Um den ersten sächsischen Ministerpräsidenten zu zitieren: Über eine solche Brücke geht man erst, wenn man davorsteht. Und die Brücke ist nicht mal ansatzweise in Sicht.

Wäre es nicht vernünftiger, einen Großteil des Goldes zu verkaufen, um Investitionen in die Infrastruktur Deutschlands damit zu finanzieren?

Solche Vorschläge gab es immer wieder einmal. Aber das Halten der Währungsreserven ist im Bundesbankgesetz festgeschrieben. Wenn der Gesetzgeber, also der Bundestag, sagt, wir wollen das Gold für etwas anderes einsetzen, ist das eine gesetzgeberische Entscheidung. Es ist sinnvoll, eine Währungsreserve zu haben, und es macht auch Sinn, einen Großteil davon in Gold zu halten. In Zeiten, wo die Steuern so sprudeln wie jetzt, wird diese Frage Gott sei Dank nicht gestellt.

Bewertung des Artikels: Ø 4 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...