Wirtschaft
Zwischen Vorsicht und Fairness - Reiches China-Spagat

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Bundeswirtschaftsministerin Reiche sucht in Peking den Dialog mit China. Doch seltene Erden, fairer Wettbewerb und die Debatte über schärfere EU-Schutzinstrumente zeigen, wie schwierig der Kurs ist.

Peking.

Bei ihren politischen Gesprächen in Peking hat Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche den Spagat der deutschen China-Politik sichtbar gemacht. Die CDU-Politikerin warb für Dialog, Kooperation und neue Geschäftschancen. Zugleich forderte sie verlässliche Zugänge zu seltenen Erden und fairen Wettbewerb. 

Wie schon bei der Reise von Bundeskanzler Friedrich Merz im Februar gab es auch von Reiche viele anerkennende Worte für die Gastgeber: China habe sich mit "beeindruckender Dynamik" zu einem der bedeutendsten Industrie-, Technologie- und Innovationsstandorte der Welt entwickelt. Die Geschwindigkeit, mit der das Land industrielle Transformation und technologische Weiterentwicklung meistere, verdiene Respekt. In Bereichen wie Robotik, Künstlicher Intelligenz, erneuerbaren Energien und Batterien sei China international führend. 

Gesprächsfaden nach Merz-Besuch 

Schon bei ihrem Termin mit Zhou Haibing, einem Vizeminister der Staatlichen Kommission für Entwicklung und Reform, hatte Reiche versucht, den politischen Gesprächsfaden von Merz aufzunehmen. Ein "vertrauensvoller und offener Austausch" sei ihr "sehr, sehr wichtig", sagte sie. Merz habe mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping "sehr gute bilaterale Gespräche" geführt. Mit Blick auf Zhous Ausbildung als Bauingenieur sagte Reiche, Statik und Belastbarkeit seien ihm wohlvertraut. "So wollen wir auch unsere Beziehungen gestalten." 

Zum Auftakt ihrer Reise traf Reiche den chinesischen Spitzenbeamten Zhou Haibing.
Zum Auftakt ihrer Reise traf Reiche den chinesischen Spitzenbeamten Zhou Haibing. Bild: Johannes Neudecker/dpa

Ihr Lob verband Reiche dann auch mit klaren Forderungen. Bei Gesprächen mit Chinas Handelsminister Wang Wentao und Zhou sprach sie die zentralen Streitpunkte an. Deutsche Unternehmen bräuchten Zugang zu kritischen Mineralien und seltenen Erden, "weil die moderne Welt, moderne Technologien ohne diese Rohstoffe nicht denkbar sind". Sie habe Wege ausgelotet, "Zugänge zu schaffen, auf die sich unsere Unternehmen verlassen können", sagte Reiche nach den Gesprächen. 

Beim Treffen mit dem für Handelsfragen zuständigen Vize-Ministerpräsident He Lifeng in der Großen Halle des Volkes, dem Machtzentrum der Kommunistischen Partei, verwies sie auf Chinas Weitsicht: "Es war Deng Xiaoping, der früh erkannt hat, der Nahe Osten hat Öl, China hat seltene Erden", sagte sie mit Blick auf den Vater der Reform- und Öffnungspolitik. Seit den 80er Jahren investiere Peking darin systematisch. 

Reiche sprach mit Vize-Premier He Lifeng über Kooperation.
Reiche sprach mit Vize-Premier He Lifeng über Kooperation. Bild: Johannes Neudecker/dpa

China sei so erfolgreich, dass es mehr denn je sinnvoll sei, einen gesunden Wettbewerb zu führen und dort gezielt zusammenzuarbeiten, wo Wachstum einen großen Mehrwert für beide Länder schaffen könnte, sagte Reiche. 

Seltene Erden als Risiko 

Der Hintergrund ist heikel. China hatte als Folge des Handelsstreits mit den USA Ausfuhrlizenzen für sieben seltene Erden und daraus gefertigte Magnete eingeführt. Für die exportorientierte deutsche Wirtschaft ist die Abhängigkeit von China in diesem Bereich ein Risiko. Seltene Erden und Magnete werden unter anderem für Autos, Maschinen, Elektronik und viele Zukunftstechnologien gebraucht. 

Auch beim Wettbewerb wurde Reiche deutlich. "Unsere Unternehmen scheuen keinen Wettbewerb", sagte sie. Deutsche Firmen seien gewohnt, sich unter harten Bedingungen durchzusetzen. Wettbewerb sei gut und sorge dafür, dass man gemeinsam besser werde. Er müsse aber so gestaltet und organisiert sein, dass er zu beiderseitigem Nutzen sei. 

Investitionen ja, aber ausgewogen 

Reiche sprach auch über chinesische Investitionen in Deutschland. Diese seien willkommen, sagte sie. Es gehe aber darum, nicht nur für irgendeine Fertigung nach Deutschland zu kommen, sondern mit Innovation, Fertigungstiefe und dauerhaften Investitionen. Ziel sei ein fairer Ausgleich und eine Balance. 

Reiche wollte mit der chinesischen Seite auch über Lieferketten sprechen.
Reiche wollte mit der chinesischen Seite auch über Lieferketten sprechen. Bild: Johannes Neudecker/dpa

Wang setzte andere Akzente. Die Transformation der deutschen Industrie und Chinas 15. Fünfjahresplan könnten stärker miteinander verbunden werden, sagte der Handelsminister. Daraus könne eine neue Form vertiefter Abstimmung und Zusammenarbeit entstehen. Zugleich kritisierte Wang die Politik der EU. Brüssel habe in jüngster Zeit eine Reihe wirtschafts- und handelspolitischer Maßnahmen mit "stark protektionistischer Färbung" auf den Weg gebracht. Unternehmen hätten ihm berichtet, dass diese Maßnahmen die Zusammenarbeit zwischen chinesischen und europäischen Firmen ernsthaft beeinträchtigten. 

Brüsseler Debatte über Handelsschutz 

Wang spielte damit auf die aktuelle Debatte in der EU über schärfere Handelsschutzinstrumente gegen unfairen Wettbewerb an. Reiche sagte dazu vor Journalisten, Deutschland habe als Exportnation zwei Interessen. Einerseits müsse unfairem Wettbewerb mit angemessenen Instrumenten begegnet werden. Andererseits müsse der Export deutscher Unternehmen weiter möglich bleiben. "Wir werben in Brüssel also für einen balancierten Ansatz", sagte sie - für wirksame Schutzinstrumente und zugleich Offenheit für den Export. 

Reiche wird bei ihrer Reise bis Donnerstag von einer Wirtschaftsdelegation begleitet. Dazu gehören unter anderem BASF-Chef Markus Kamieth und Thyssenkrupp-Vorstandschef Miguel Ángel López Borrego. Am zweiten Besuchstag stehen in der südchinesischen Industriemetropole Guangzhou Firmenbesuche und Gespräche mit Vertretern der Lokalregierung auf dem Programm. 

Handelszahlen zeigen das Ungleichgewicht 

China ist Deutschlands wichtigster Handelspartner, aber das Verhältnis ist unausgewogen. Das Handelsvolumen lag nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im vergangenen Jahr bei etwas mehr als 250 Milliarden Euro. Deutschland importierte Waren im Wert von 170,6 Milliarden Euro aus China, 8,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Die deutschen Exporte nach China gingen dagegen um 9,7 Prozent auf 81,3 Milliarden Euro zurück. 

Reiches Botschaft in Peking war damit doppelt: Deutschland will mit China im Gespräch bleiben und chinesische Investitionen nicht abwehren. Zugleich dringt Berlin auf verlässlichere Rohstoffzugänge, offenere Lieferketten und fairere Wettbewerbsbedingungen. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
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