Gesundheit
Matte vs. Reformer: Welche Pilates-Variante bringt mehr?

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Schlicht auf dem Boden - oder spektakulär auf dem Schlitten? Pilates-Fans haben die Wahl, auch in kleineren Städten gibt es mittlerweile Reformer-Studios. Wie eine Expertin den Hype einordnet.

Bad Herrenalb.

Ein Ganzkörpertraining, das sich durch fließende und kontrollierte Bewegungen auszeichnet: Das ist Pilates. Diese Trainingsmethode wurde vor rund 100 Jahren von Namensgeber Joseph Pilates entwickelt. 

Im Jahr 2026 ist Pilates gefühlt so hip wie noch nie - insbesondere die Variante auf dem Reformer. Wer an so einer Stunde teilnimmt, absolviert die Übungen auf einem Gerät, das an einen Schlitten erinnert: mit beweglicher Liegefläche, Federn und Seilzügen. 

Viele Influencer zeigen ihr Reformer-Training im Internet, schwärmen in höchsten Tönen davon. Pilates-Expertin Natalia Cichos-Terrero erklärt im Interview, warum der Hype so groß ist - und warum das Training auf der Matte für sie dennoch die Königsdisziplin bleibt. 

Wie erklären Sie sich den Reformer-Pilates-Trend? 

Natalia Cichos-Terrero: Der Hype hat sicherlich mehrere Gründe. Wenn man den Reformer als Gerät sieht, wirkt er schon spektakulär und luxuriös. Daran zu trainieren, das kommt vielen hochwertig vor. 

Hinzu kommt: Die Fitnesswelt hat sich in die Richtung entwickelt, dass viele Frauen ihre Muskeln und ihren Körper formen möchten, sich aber nicht im klassischen Gym-Setting mit schweren Geräten und Gewichten sehen. Der Reformer vermittelt den Eindruck, eine sanftere Alternative zu sein. 

Und natürlich gibt es einen gewissen Promi-Faktor, der Trend hat in Los Angeles und New York begonnen. Und Social Media hat ihn stark beschleunigt. Je mehr Prominente und Influencerinnen sich auf dem Reformer präsentiert haben, desto mehr hatte man das Bild: Das ist das Training der schönen, fitten, erfolgreichen Frauen. 

Für mich gibt es zwei Seiten. Einerseits finden viele Menschen über den Reformer Zugang zu Pilates, das finde ich gut. Andererseits verkürzt der Reformer-Trend die Trainingsmethode Pilates scheinbar auf einen flachen Bauch, schöne Leggins und ein ästhetisches Studio. 

Dabei ist Pilates als Trainingsmethode schon über 100 Jahre alt. Und der Reformer ist nur ein Gerät von vielen innerhalb dieser Methode. 

Ist Pilates auf dem Reformer effektiver als Pilates auf der Matte? 

Cichos-Terrero: Nein. Das Training auf der Matte ist und bleibt die Königsdisziplin. Man arbeitet dort nur mit seinem eigenen Körper, hat keine Unterstützung und Führung von einem Gerät. Der Körper muss also seine Kontrolle, Stabilität und Ausrichtung selbst finden - das ist durchaus anspruchsvoll. 

Das Training auf der Matte sieht allerdings sehr viel schlichter und weniger spektakulär aus, das verkauft sich natürlich schlechter. Beim Reformer hingegen sieht man das große Gerät, die Federn, einen Schlitten und sehr schöne, teilweise akrobatisch anmutende Bewegungen. All das macht das Training aber nicht automatisch effektiver. 

Keine Frage: Pilates-Geräte - nicht nur der Reformer - sind wunderbar, denn sie helfen dem Körper, bestimmte Bewegungen besser zu verstehen und Muskelgruppen gezielt anzusteuern. Die Basis bleibt aber die Matte. Wer beides macht, also regelmäßig an Geräten und auf der Matte trainiert, wird merken: Das eine befruchtet das andere. Sie ergänzen sich wunderbar. 

Was sollte man vorab wissen, wenn man Reformer-Pilates ausprobieren möchte? 

Cichos-Terrero: Nicht jede Reformer-Stunde ist automatisch Pilates. Es gibt inzwischen viele Angebote, die eher Fitness-Workouts auf dem Gerät sind. Da geht es darum, einer Choreographie zu folgen, richtig ins Schwitzen zu kommen und möglichst viele Kalorien zu verbrennen. Das hat mit der Pilates-Methode aber nicht viel zu tun. 

Gut ist, sich vorab zu informieren, welche Ausbildung die Trainerinnen und Trainer haben. Ein kurzer Workshop reicht nicht aus, um individuell auf die Teilnehmer eingehen zu können - vor allem dann nicht, wenn sie Beschwerden wie Skoliose oder einen Bandscheibenvorfall mitbringen. 

Übrigens: Ein guter Trainer oder eine gute Trainerin wird immer fragen, ob Beschwerden oder frühere Verletzungen bestehen. Ist das der Fall, teilt man das im Studio am besten selbst direkt mit, damit die Übungen entsprechend angepasst werden können. 

Gut sind kleine Gruppen. Und: Trainer oder Trainerin sollte sich im Raum bewegen, die Leute beobachten und korrigieren - also nicht die ganze Zeit alle Übungen vorturnen. 

Mein allgemeiner Rat: nicht von der Reformer-Ästhetik blenden lassen. Eine gute Stunde erkennt man nicht daran, dass sie spektakulär aussieht, sondern daran, dass man sich sicher angeleitet fühlt. Das Ziel im Pilates ist nicht die schönste Pose für ein Instagram-Foto, sondern ein Körper, der sich im Alltag freier, stabiler und kräftiger bewegen kann. 

Zur Person: Natalia Cichos-Terrero ist Pilatestrainerin nach der Original-Methode. Sie betreibt ein Studio in Bad Herrenalb (Baden-Württemberg). (dpa)

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