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Rastloser Globetrotter: Cannavaro und Usbekistans WM-Traum

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Vom gefeierten Weltmeister zum Abenteurer in Usbekistan: Fabio Cannavaro sieht die WM als Chance - auch weil er seine Karriere schon an einem Tiefpunkt wähnte.

Atlanta.

Nach der Ankunft am Ziel der Träume musste sich Fabio Cannavaro erst einmal als Krisenmanager beweisen. Weil die Fußball-Nationalspieler von Usbekistan bei der Einreise für ihre Premieren-WM von allerhand Sicherheitspersonal inklusive Spürhunden begrüßt wurden, brach in den sozialen Medien reflexartig der Furor aus. Also beruhigte der kosmopolitische Trainer: "Das waren Routinekontrollen. Es gibt keinen Skandal. Es war sehr respektvoll."

Seit Oktober vergangenen Jahres ist der Weltbürger Cannavaro für Usbekistans Team verantwortlich. Für den WM-Auftakt seines Teams in der Nacht zu Donnerstag (4.00 Uhr/MagentaTV) gegen Kolumbien hat er seinen Spielern vorrangig eine Sache mit auf den Weg gegeben. "Ich habe ihnen gesagt, dass sie nichts zu verlieren haben", sagte der 52-Jährige. "Sie sollen es einfach genießen. Die Möglichkeit zu haben, bei einer WM zu spielen, ist nicht alltäglich."

Cannavaro und die Angst des Verpassens

In einer Gruppe mit Kolumbien, Portugal und DR Kongo hat Cannavaro zumindest die kleine Hoffnung, über den dritten Rang den Einzug in die K.o.-Runde zu schaffen. Es wäre für den Weltmeister von 2006 auch eine persönliche Genugtuung.

 Fabio Cannavaro war bei Zinédine Zidanes berühmtem Kopfstoß im WM-Finale 2006 dabei. (Archivbild)
Fabio Cannavaro war bei Zinédine Zidanes berühmtem Kopfstoß im WM-Finale 2006 dabei. (Archivbild) Bild: Jasper Juinen/AP/dpa

Denn Cannavaros Trainer-Laufbahn liest sich etwas abenteuerlich. In China, Saudi-Arabien, Italien und Kroatien arbeitete er bereits. Usbekistan ist seine neunte Station in elf Jahren. "Es gab Möglichkeiten und dann wurde ich ungeduldig. Ich kann einfach nicht stillsitzen", sagt Cannavaro. "Ich hätte gern einen 'normalen' Weg genommen, aber den gab es nicht. Ich dachte immer: Wenn du die Chancen jetzt nicht wahrnimmst, hockst du nur noch zu Hause rum."

Abwehrspieler Abdukodir Khusanov von Manchester City (l) ist der wertvollste Profi im Kader. (Archivbild)
Abwehrspieler Abdukodir Khusanov von Manchester City (l) ist der wertvollste Profi im Kader. (Archivbild) Bild: Richard Pelham/AP/dpa

Bei seinen vergangenen drei Stationen in Europa blieb er jeweils nicht lang. Das nagte am Selbstvertrauen des einstigen Verteidigers. "Ich war in einer richtigen Abwärtsspirale, habe mich entmutigt gefühlt", erinnert er sich. Einst bei Inter, Juventus und Real Madrid als Profi gefeiert, wollte es als Trainer mit dem Durchbruch nicht klappen: "Ich dachte mir, wie ist das möglich?"

Ziel: Rückkehr nach Italien

Dann kam die Anfrage aus Usbekistan. "Er ist ein absoluter Fachmann, einer der besten Verteidiger seiner Generation und war dreimal bei einer WM", hieß es in der Verbandsmitteilung. Für Cannavaro gab die bereits fixe WM-Teilnahme den Ausschlag: "Das war für mich unbezahlbar", sagt er.

Zudem sei es ein junges Team mit viel Potenzial. Also ging er nach Taschkent, lebte dort einige Zeit. Cannavaro lernte die usbekische Fußball-Mentalität zu schätzen, die ein wenig an seine einstige Spielweise erinnert: "Usbeken sind zäh und geben niemals auf. Gegen sie zu spielen, ist eine echte Qual."

 Torjäger und Kapitän: Eldor Shomurodov. (Archivbild)
Torjäger und Kapitän: Eldor Shomurodov. (Archivbild) Bild: Aurelien Morissard/AP/dpa

Zwar betont Cannavaro gern die Jugend seiner Mannschaft, doch im Alters-Ranking der WM findet man Usbekistan eher im unteren Drittel. Mehr als ein Viertel des Kaders ist 30 Jahre oder älter. Im Tor steht der 35 Jahre alte Utkir Yusupov, wichtigster Spieler ist Mittelstürmer und Kapitän Eldor Shomurodov, der ebenfalls bereits 30 ist. Die Jugend führt der 22 Jahre alte Abdukodir Khusanov von Manchester City an, der mit Abstand wertvollste Profi.

Läuft es bei der WM miserabel, könnte es für Cannavaro in Usbekistan ebenfalls schnell vorbei sein. Zum Asien-Cup Anfang 2027 - für diesen sieht er die WM als eine Art Vorbereitung - könnte er schon abgelöst werden. Das weiß auch der Trainer selbst. Seine Erfüllung möchte er ohnehin in der Heimat finden: "Ich hoffe, dass ich eines Tages nach Italien zurückkehren und meine Qualitäten dort beweisen kann." (dpa)

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