Irre Schlussphase bringt Aue einen 4:3-Sieg

Der FC Erzgebirge gewinnt in der 2. Bundesliga 4:3 (0:0) gegen den 1. FC Nürnberg. Fünf Führungswechsel erlebten die Zuschauer im Erzgebirgsstadion. Matchwinner war trotz der vielen Tore Aues Torwart und Kapitän Martin Männel.

Alle Feldspieler,, der komplette Betreuerstab und Cheftrainer Dirk Schuster stürmten nach dem Abpfiff auf Martin Männel zu und begruben den Torhüter des FC Erzgebirge Aue. Der Kapitän hatte Sekunden zuvor den 4:3 (0:0)-Sieg der Veilchen mit einer Elfmeterparade gegen den 1. FC Nürnberg gerettet. Dieser Freitagabend im Erzgebirgsstadion dürfte den 14.000 Zuschauern lange im Gedächtnis bleiben.

Sowohl Aues Trainer Dirk Schuster als auch Club-Coach Damir Canadi entschieden sich für ihr Stammpersonal. Bei den Veilchen war die Startformation im Vergleich zum vergangenen Spiel (2:2 in Sandhausen) komplett unverändert, die Franken mussten lediglich den Torhüter wechseln, da sich die etatmäßige Nummer eins, Christian Mathenia, vor zwei Wochen beim 1:1 gegen den FC St. Pauli am Knie verletzt hatte. Für ihn stand Andreas Lukse zwischen den Pfosten.

Der Schlussmann aus Österreich erlebte genauso wie sein Gegenüber Männel einen ruhigen Start in die Partie. Eine halbe Stunde lang plätscherte das Spiel vor sich hin wie die der Regenschauer am frühen Abend, der den Rasen durchnässte zu Spielbeginn aber endete. Beide Mannschaften bemühten sich vor allem darum, keinen Fehler zu machen. Einzige Ausnahme in den ersten 30 Minuten: Aues Mittelfeldspieler Tom Baumgart unterschätze in der 18. Minute einen langen Diagonalball, sodass der aufgerückte Außenverteidiger Tim Handwerker frei auf dem linken Flügel flanken konnte - die abgerutschte Hereingabe tropfte auf die erzgebirgische Latte. Ein Zufallsprodukt, bei dem die Gastgeber das Glück auf ihrer Seite hatten.

Alles andere als zufällig entstand die größte Chance des ersten Durchgangs: Nürnbergs Angreifer Robin Hack wurde von seinen Mitspielern exzellent im Auer Strafraum in Szene gesetzt und zog ab, FCE-Keeper musste sein ganzes Können aufbieten, um den Schuss noch aus dem kurzen Eck zu kratzen (31.). Der Bundesligaabsteiger wurde vor dem Halbzeitpfiff stärker und hatte zwei Möglichkeiten, noch vor der Pause in Führung zu gehen: Hacks abgefälschter Schuss klatschte an das Gebälk (43.), der Kopfball von Lukas Jäger segelte am Tor vorbei (44.).

Die zweite Halbzeit startete mit einer kurzen Unterbrechung, da im Gästeblock reichlich Pyrotechnik gezündet wurde und der Rauch auf das Spielfeld zog. Bei leicht eingeschränkter Sicht behielt Michael Frey als Erster den Durchblick. Der Stürmer netzte aus kurzer Distanz zur Führung ein (51.). Aue brauchte einige Minuten, um sich zu berappeln. Dann ließ Jan Hochscheidt die FCE-Fans jubeln. Der Routinier tanzte mehrere Verteidiger aus, überwand auch Torwart Lukse, für den Verteidiger Asger Sörensen kurz vor der Linie rettete - allerdings mit dem Arm. Schiedsrichter Daniel Schlager entschied folgerichtig auf Rote Karte für den Dänen und Elfmeter für die Hausherren (60.). Nazarov verwandelte sicher zum Ausgleich (62.).

Das Spielgeschehen kippte durch den Platzverweis komplett. Hatten die favorisierten Gäste die Partie über weite Strecken im Griff, gab nun Aue in Überzahl den Ton an. Und Hochscheidt läutete eine irrwitzige Schlussviertelstunde ein: Eine Flanke von der linken Außenbahn rutschte zum Blondschopf durch - einen konsequenten Abschluss später stand es 2:1 für Aue (75.). Geis glich die Partie durch einen unhaltbar abgefälschten Schuss allerdings umgehend aus (78.).

Das war jedoch noch lange nicht die letzte Pointe dieser verrückten zweiten Halbzeit: Erst sorgte Marko Mihojevic für das späte 3:2 (87.) der Erzgebirger und Geis per Strafstoß für den noch späteren Ausgleichstreffer (90.+2). Mithilfe des Videobeweises hatte der Unparteiische Testroet des Foulspiels überführt. Und der Fußballabend hatte noch zwei weitere Wendungen parat: Florian Krüger köpfte zum 4:3 für Aue ein (90.+4). Verrückter geht's nicht? Doch! In der sechsten Minute der Nachspielzeit zeigte der Referee wieder auf den Punkt: Elfmeter für Nürnberg. Mihojevic brachte Felix Lohkemper zu Fall. Frey übernahm - und scheiterte an Männel (90.+9).

Statistik Aue: Männel (V) - Kalig, Mihojevic (V), Gonther, Kempe - Fandrich, Riese - Baumgart (81. Krüger), Nazarov, Hochscheidt (88. Zulechner) - Testroet (V). Nürnberg: Lukse - Sorg, Margreiter, Sörensen (V/Rot: Handspiel 60.), Handwerker - Jäger (77. Kerk), Behrens, Geis - Dovedan (64. Mühl), Frey, Hack (87. Lohkemper). SR.: Schlager (Hügelsheim); Zu.: 14.000; Tore: 0:1 Frey (51.), 1:1 Nazarov (62./Handelfmeter), 2:1 Hochscheidt (75.), 2:2 Geis (78.), 3:2 Mihojevic (87.), 3:3 Geis (90.+2/Foulelfmeter), 4:3 Krüger (90.+4).

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