Kalig vor Duell mit Heimatclub: "Ich will es Mainz zeigen"

Erzgebirge Aue empfängt am Sonnabend im DFB-Pokal Mainz 05. FCE-Verteidiger Fabian Kalig spielte neun Jahre für den Bundesligisten und weiß, wie die ehemaligen Kollegen über die Partie im Lößnitztal denken.

Aue.

Bodenständig, eher Kämpfer als Edeltechniker und vermeintlich zu klein für seine Aufgabe - es ist kein Wunder, warum Fabian Kalig beim FC Erzgebirge Aue hohes Ansehen genießt. Ein gefeierter Held ist der Verteidiger sicherlich nicht, aber er wird enorm geschätzt. Und das nicht nur von Fans der Veilchen, sondern auch von den Verantwortlichen. Im Mai unterschrieb er einen Dreijahresvertrag. Seit vergangener Saison gehört der 25-Jährige dem Mannschaftsrat des Auer Zweitligisten an.

Als Kalig zum ersten Mal im Erzgebirgsstadion auflief, trug er die Kapitänsbinde - und das Trikot vom FSV Mainz. Also genau von jenem Club, den die Erzgebirger am Sonnabend (18.30 Uhr) in der ersten Runde des DFB-Pokals empfangen. "Damals war das Stadion noch eine Baustelle. Die alten Kabinen hatten die besten Tage schon hinter sich. Die Stimmung war aber trotz teilweise abgerissener Tribünen gut. Das hat mich beeindruckt", erinnert sich Kalig an das Drittligaduell aus dem März 2016, das Aue gegen die zweite Mannschaft des Bundesligisten 1:0 gewann. Der damalige Kapitän der Mainzer U23 hinterließ offensichtlich auch selbst einen positiven Eindruck. Nach dem Aufstieg verpflichteten ihn die Auer.

"Foxi", wie ihn Trainer und Mitspieler wegen der roten Farbe seiner Haare und seines Bartes nennen, setzte sich im Lößnitztal endgültig durch, als Domenico Tedesco vor anderthalb Jahren die Dreierkette einführte. Seitdem stand Kalig nur in drei Pflichtspielen nicht von Beginn an auf dem Platz - einmal aufgrund einer Krankheit, zweimal wegen einer Gelbsperre.

Bei den Mainzern wurde er nur bei einer Bundesligapartie in den Kader berufen, verfolgte das Spiel 90 Minuten von der Bank aus. Umso mehr freut er sich auf das Duell mit dem selbst ernannten Karnevalsclub. "Das Schöne an der Partie gegen meinen Heimatclub ist, dass man den alten Bekannten nach einem Erfolg einen Spruch reindrücken kann", meint Kalig schmunzelnd.

Er weiß, dass die Veilchen als Außenseiter in die Partie gehen. Jedoch gibt es auch Punkte, die die Chancen auf eine Überraschung erhöhen: Anders als die Mainzer hat das Team von Trainer Daniel Meyer schon zwei Punktspiele absolviert, kennt die eigenen Probleme und Stärken. Letztere lagen in den beiden Saisonpartien in der Defensive. Diese dürfte gegen den Favoriten besonders gefragt sein. "Ich weiß von meinen ehemaligen Kollegen, dass wir ein unangenehmes Los für sie sind. Das kann uns nur beflügeln", sagt Kalig.

Im hessischen Wiesbaden geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen, fuhr er zum Fußballspielen neun Jahre lang über den Rhein in die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt. Er kennt noch viele Betreuer, aber auch die langjährigen Profis, wie Stefan Bell und Nico Bungert, aus den Trainingseinheiten.

Dass Kalig als Kapitän der zweiten Mannschaft nie die Möglichkeit bekam, sich in der Bundesliga zu beweisen, geistert ihm zwei Jahre nach dem Wechsel noch im Hinterkopf herum: "Ich will es Mainz zeigen. Vielleicht denkt sich der ein oder andere nach dem Spiel am Samstag, dass man mich beim FSV hätte gebrauchen können." Sandro Schwarz war Kaligs U-23-Trainer und kommt nun als Coach des Erstligisten ins Lößnitztal. "Ich bin aber keinem böse, sondern glücklich, in Aue zu sein", stellt er klar.

Blieb ihm der Durchbruch in der Bundesliga verwehrt, weil er mit 1,80 Meter Körpergröße für einen Bundesliga vergleichsweise klein ist? "Einige Leute behaupten, dass ich mit zehn Zentimetern Körpergröße mehr Bundesliga spielen würde", erklärt Kalig. "Ich habe mich nie ernsthaft damit beschäftigt, weil ich es nicht ändern kann." Den Traum vom Fußball-Oberhaus hat er jedenfalls ad acta gelegt: "Ich bin Realist. Bevor man einem Mittzwanziger aus der 2. Liga die Chance gibt, versucht man es eher mit einem Talent aus dem eigenen Nachwuchs. Das ist nachvollziehbar." Am Sonnabend könnte er zumindest einen Bundesligisten sehr ärgern. In Aue würde dies die Wertschätzung für ihn noch einmal steigern.


 

Lieblingsgegner Frankfurt 

 

Elfmal musste der FC Erzgebirge im DFB-Pokal gegen Bundesligisten antreten, zweimal gewannen die Auer, beide Male gegen Eintracht Frankfurt. Zweimal spielte man im Pokal auch gegen den FSV Mainz. Beim 1:2 des FCE nach Verlängerung im Jahr 2001 waren die 05er noch Zweitligist.

 

Die Duelle im Überblick:

2002: 0:3 gegen den Hamburger SV;

2003: 1:3 gegen den VfL Bochum, FCE-Torschütze: Rotislav Broum;

2005: 0:1 gegen Bayern München;

2006 2:4 n.V. gegen Alemannia Aachen, FCE-Torschützen: David Siradse und Andrzej Juskowiak;

2008: 1:2 gegen Werder Bremen, FCE-Torschütze: Fabian Müller;

2010: 1:3 gegen Mönchengladbach, FCE-Torschütze: Jan Hochscheidt;

2011: 1:2 gegen den 1. FC Nürnberg, FCE-Torschütze: Ronny König;

2012: 3:0 gegen Frankfurt, FCE-Torschützen: Thomas Paulus und Jakub Sylvestr(2), und 0:2 gegen Mainz;

2015: 1:0 gegen Eintracht Frankfurt, FCE-Torschütze: Max Wegner;

2016: 7:8 n.E. gegen FC Ingolstadt.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...