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FSV Zwickau: So lief das Abschiedsspiel von Vereinslegende Davy Frick und das ist sein Plan für die Zukunft

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Die letzte Heimpartie der Saison verloren die Schwäne gegen Babelsberg. Doch im Mittelpunkt stand der dienstälteste Profi des FSV. Davy Frick verließ den Rasen nach 13 Jahren auf einem roten Teppich.

Zwickau.

In der 70. Minute war es dann soweit: Ein roter Teppich wurde für Davy Frick i der GGZ-Arena ausgelegt, die Partie kurz unterbrochen. Die Spieler des FSV Zwickau bildeten ein Spalier für ihren Kapitän, der unter dem Applaus der Fans mit „Davy-Frick-Fußballgott“-Rufen gebührend verabschiedet wurde. Selbst die Ex-Zwickauer Profis Morris Schröter und Julius Reinhardt waren gekommen und reihten sich ins Spalier ein. Und nach dem Abpfiff durfte sich der 34-Jährige, der für seine Vereinstreue gehuldigt wird, allein vor der Fankurve feiern lassen. „Da konnte ich dann die Tränen nicht mehr zurückhalten. Aber ich habe in diesem emotionalen Moment gesprürt, dass es der richtige Zeitpunkt ist. Und ich konnte mich schon einige Wochen darauf vorbereiten“, sagte der Routinier und verkündete zugleich, was sich bereits in der FSV-Familie herumgesprochen hatte: „Ich wollte unbedingt bei dem Verein bleiben, und wenn sie mich als Busfahrer angestellt hätten“, scherzte Davy Frick, nachdem er zahlreiche Fotos mit den Fans gemacht und viele Schals und Trikots unterschrieben hatte. Gut eineinhalb Stunden nach Abpfiff kam er in die Kabine, wo Trainer Rico Schmitt den Kapitän vor versammelter Mannschaft für seine Dienste über 13 Jahre bei den Schwänen würdigte. Obwohl es an Angeboten, auf dem Weg in die Kabine auf die Karriere anzustoßen, nicht mangelte, sagte Frick am Ende des Fanmarathons: „Ich habe erst ein Bier getrunken. Die Blumen bekommt meine Mama, das ist ja am Muttertag ziemlich praktisch.“

Die Mama war neben Papa Frick sowie vielen Bekannten und Freunden selbst mit einem gebastelten Plakat im Stadion. Sie hörte ihrem Sohn zu, als er den Fans versprach, wie er sich weiter für den FSV engagieren möchte. Geplant ist, dass Davy Frick im Sommer eine kaufmännische Ausbildung absolviert und sich gleichzeitig im Marketingbereich des FSV in Sachsen Sponsorenakquise verdient macht. Laut FSV-Vorstand André Beuchold ist vertraglich noch nicht vereinbart, ob dafür ein hauptamtlicher Posten in der Gerschäftsstelle geschaffen wird. Frick sagte nur: „Der Verein kann weiter wachsen. Wir haben ein tolles Stadion und tolle Fans. Wir wollen und wir werden wieder oben angreifen. Aber das schaffen wir nur gemeinsam.“

Die Bilder vom Abschied des Kapitäns waren die emotionale Momente des letzten Saisonheimspiels, zu dem nur das Endergebnis nicht passte. Trotz des 0:1 (Torschütze Werbelow/19.) gegen den SV Babelsberg und der dritten Niederlage in Serie blieben die Fans bis zum Schluss sangesfreudig. Schließlich hatten die Anhänger schon vor dem Anpfiff das Saisonfazit („Trotz Niederlagen nur gewonnen“) in Form eines tragenden Transparents an den Zaun der „E5“-Tribüne befestigt. Mit Blick auf die Ausgangssituation nach dem Drittligaabstieg lässt sich das unterstreichen. 3 Millionen Euro Schulden, keine Mannschaft, keinen Sportdirektor und nach der Abfuhr an einen Investor zunächst auch keinen Trainer – so stellte sich die Lage im Mai 2023 dar. Rund ein Jahr später ist der FSV immer noch nicht auf Rosen gebettet, wobei das Bild am Sonntag vor 6019 Fans in der GGZ-Arena etwas anderes vermuten ließ. Die vielen Blumen aber, die es an den Stadiontoren gab, waren besonders der Wertschätzung für den Kapitän geschuldet. Und das zu Recht - nach nunmehr 435 Pflichtspielen für die Rot-Weißen. Das erste bestritt die Vereinslegende am 6. August 2011 in der Oberliga Süd. Er gewann mit seinem Team 4:1 gegen Wacker Gotha. Kleine Randnotiz: Frick, der von der zweiten Mannschaft des FC Carl Zeiss Jena gekommen war, kassierte damals eine Gelbe Karte. Für seine robuste Spielweise war der Verteidiger so bekannt wie gefürchtet. Nun aber wollen die Knochen nicht mehr so, wie er es will. Und das Leben geht weiter. Für „Fricker“, wie er im Team gerufen wird, nicht mehr auf dem Rasen, aber wenigstens bei seinem Herzensverein in Zwickau.

Und dort soll die Entwicklung möglichst so weitergehen wie in dieser ersten Viertligasaison nach dem Abstieg. Im Schnitt 5500 Zuschauer kamen zu den Heimspielen und damit mehr als in Liga drei. Ausdruck dessen war auch der Fanmarsch, den die Anhänger ab 8.30 Uhr mit Start in der Stadt organisiert hatten. Insgesamt pilgerten in dieser Saison rund 100.400 Zuschauer zu den Heimspielen – das Sachsenpokal-Halbfinale mit 7234 Anhängern gegen Dynamo Dresden mit eingerechnet – ins Stadion auf der Eckersbacher Höhe. Sportlich wurde das primäre Ziel Klassenerhalt nach der Findungsphase in der Hinrunde früh erreicht. Vor dem letzten Auftritt bei Lok stehen in den 33 Liga-Partien 12 Siege, 5 Remis und 16 Niederlagen zu Buche.

Letztes Saisonheimspiel geht verloren

Das letzte Heimspiel ist schnell erzählt. Ohne den am Knöchel verletzten Max Somnitz agierte der FSV mit Dreier-Abwehrkette zu fehlerhaft und vorn fehlte ohne den gesperrten Torjäger Marc-Philipp Zimmermann die Durchschlagskraft. Nach 19 Minuten konnte René Rüther Stürmer Samir Werbelow nicht folgen. Der SVB-Angreifer versenkte das Leder zur 1:0-Endstand, nachdem gerade der rot-weiße Rauch aus dem Stadion gewichen war. In der zweiten Halbzeit war der eingangs erwähnte Höhepunkt nicht mehr zu toppen. Die Auswechslung von Davy Frick hätte zwar das i-Tüpfelchen in Form eines Tores verdient gehabt; aber die Gäste verteidigten ihr Tor mit Leidenschaft.

Und wie geht es nun weiter? In der anstehenden Woche wird es eine weitere Probespieler-Runde während der Trainingseinheiten geben. Verlassen werden den Verein definitiv die Youngster Louis Schädel und Yannick Linnemann, die nach dem Abstieg aus der eigenen Jugend ins Profiteam integriert wurden. Während Schädel zu Kurzeinsätzen kam, wurde Linnemann verletzungsbedingt ausgebremst. Drei Verstärkungen will der FSV im Idealfall extern verpflichten. Ansonsten bleibt das Team zusammen.

Statistik

FSV: Leneis - Rüther, Frick (70.), Sengersdorf - Martens, Könnecke (79. Schädel), Herrmann (62. Dobruna), Schlüsselburg, Kuffour - Will (62. Klein), Albert (V/79. Asseth)

SVB: Klatte - Pollasch (80. Wilton), Sietan (V), Zeiger - Bürger, Wegener, Gladrow, Büch - Werbelow, Frahn, Qela (57. Schmidt)

Schiedsrichter: Ostrin (Eisenach); Zuschauer: 6019; Tor: 0:1 Werbelow (19.).

 
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