Fußball
Iran trotzt politischem Druck - 2:2 gegen Neuseeland

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Das war kein normales WM-Spiel. Der erste Auftritt der iranischen Mannschaft in den USA steht unter besonderen Vorzeichen - und ist sportlich höchst unterhaltsam.

Inglewood.

Nach einem WM-Spiel, das politisch und emotional so besonders war, nahmen sich die iranischen Fußballprofis in die Arme. Vor dem Hintergrund des Kriegs in der Heimat und der jüngsten Nachrichten über ein Rahmenabkommen mit den USA kam die Nationalmannschaft in Inglewood nach zweimaligem Rückstand zu einem 2:2 (1:1) gegen Neuseeland. Sportlich startete der Iran unterhaltsam in das Turnier, an dem das Land beinahe nicht hätte teilnehmen können oder dürfen.

"Wir sind nicht glücklich, weil wir denken, dass wir den Sieg verdient gehabt hätten", sagte Torschütze Ramin Rezaeian. "Aber so ist der Fußball manchmal. Ich muss meinen Teamkollegen, meinen Freunden danken, den Menschen im Iran, sie verdienen mehr." Im Interview nach Spielschluss betonte Rezaeian, Fragen zum Fußball zu beantworten.

Elijah Just hatte Neuseeland in der 7. und 54. Minute jeweils in Führung gebracht - in Phasen, in denen eigentlich die iranische Auswahl die Spielkontrolle übernommen hatte. An den Kräfteverhältnissen auf den Rängen änderte das nichts: Südkalifornien gilt als Heimat der größten iranischen Gemeinschaft außerhalb des Irans, entsprechend groß war die Unterstützung. Der Jubel über die Ausgleichstreffer durch Rezaeian (32.) und Mohammad Mohebi (64.) war deutlich lauter.

Schon vor dem Anstoß war rund um das riesige Stadion eine besondere Atmosphäre zu spüren gewesen. Zahlreiche iranische Fahnen aus der Zeit vor der Islamischen Revolution waren zu sehen, die ein Protestsymbol der Opposition darstellen. In der Arena hatte der Weltverband FIFA per Gerichtbeschluss das Recht, die sogenannte "Löwe-und-Sonne"-Flagge einzukassieren - immer wieder waren Ordner bei entsprechenden Maßnahmen zu sehen. Etliche Fans schwenkten dagegen die aktuelle iranische Fahne, beschlagnahmt wurden auch den Kurs Teherans unterstützende Plakate.

Im Stadion waren Protestbekundungen zu sehen.
Im Stadion waren Protestbekundungen zu sehen. Bild: Mark J. Terrill/AP/dpa

Pfiffe bei der iranischen Nationalhymne

Zu Ausschreitungen kam es nicht, die Stimmung im Stadion mit 70.108 Zuschauerinnen und Zuschauern war friedlich und teils sogar ausgelassen. Die Einigung der USA mit dem Iran auf die Unterzeichnung eines Rahmenabkommens an diesem Freitag zur Beilegung des Kriegs hatte zuletzt die Hoffnung auf Entspannung noch vor der Partie genährt. Viele Details zu der Vereinbarung sind bislang nicht bekannt.

"Ich freue mich, hier die Menschen im Iran zu unterstützen, ich unterstütze nicht das Regime", sagte ein Fan der Deutschen Presse-Agentur. Während der iranischen Nationalhymne, eigentlich ein Moment der Andacht bei Fußballspielen, waren laute Pfiffe zu hören. Die iranischen Spieler standen geschlossen am Mittelkreis und hielten sich jeweils die Hand auf die Brust. Auf der Ehrentribüne verfolgte FIFA-Präsident Gianni Infantino das Geschehen.

Die Partie begann mit einem sportlichen Rückschlag für den Iran.
Die Partie begann mit einem sportlichen Rückschlag für den Iran. Bild: Mark J. Terrill/AP/dpa

Auch nach dem Rückstand waren immer wieder laute "Iran, Iran"-Rufe zu hören, jeder Angriff wurde bejubelt. Wirklich schnell erholen konnte sich die Auswahl von Trainer Amir Ghalenoei aber nicht. Zwar versuchte es sein Team immer wieder mit temporeichen Angriffszügen, die Abwehr der Neuseeländer hielt zunächst aber gut dagegen. Zudem lauerten die Kiwis auf Konter. Irans Torwart Alireza Beiranvand rettete gegen Liberato Cacace (30.).

Iran drängt auf den Ausgleich

Der Iran hat das große Ziel, bei der siebten WM-Teilnahme erstmals die Vorrunde zu überstehen. Rezaeian belohnte die wieder stärker werdenden Angriffsbemühungen des Ghalenoei-Teams gut eine Viertelstunde vor dem Pausenpfiff. Die Strapazen und Querelen der Vorbereitung mit der Verlegung des WM-Quartiers nach Mexiko sowie der langen Phase der Unsicherheit vor der Einreise in die USA schienen beim Torjubel weit weg.

Nach der Pause machte es das iranische Team den Neuseeländern aber zu einfach, zu Torgelegenheiten zu kommen. Immer wieder ergaben sich Räume, die Just dann in einem entscheidenden Moment zur erneuten Führung nutzte. Zu diesem Zeitpunkt war der Iran wieder Letzter der Gruppe - gab aber nicht auf. Nach Vorlage des ersten Torschützen köpfte Mohammad Mohebi zum erneuten Ausgleich. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
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