Fußball
Jule Brand vor Barça-Finale: "Nie glücklicher im Leben"

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Jule Brand fühlt sich endlich in Lyon heimisch und steht vor dem Gipfel gegen den FC Barcelona. Doch der Weg ins Champions-League-Finale war alles andere als einfach.

Lyon.

Ihre "Mädels" lachen sie schon aus, erzählt Jule Brand. Denn ganz nach oben hat sie es in ihrer Wahlheimat bisher nicht geschafft. Die alten Treppen und Pfade hinauf zu Lyons berühmter Basilika Notre-Dame de Fourvière kennt Brand nur aus Erzählungen. Statt "Touri-Sachen" setzt die deutsche Fußball-Nationalspielerin lieber aufs gemütlichere Stadtprogramm: Shoppen, Kaffeetrinken, durch Parks schlendern, die keine Höhenmeter beinhalten.

Weitaus hügeliger verläuft Brands sportlicher Weg in Frankreichs drittgrößter Stadt, wobei nach einigen tieferen Tälern schon am Samstag (18.00 Uhr/Disney+) der Gipfel grüßt. "Es ist ein Traum von mir, die Champions League zu gewinnen und jetzt im Finale zu stehen", sagte Brand im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur vor dem Endspiel gegen den FC Barcelona in Oslo.

Es ist das Gigantenduell der Königsklasse: Achtmal hat Rekordgewinner "OL" schon die Champions League geholt. Barça war an sechs der sieben jüngsten Endspiele beteiligt, 2021, 2023 und 2024 triumphierte die Stars-Auswahl um die Weltfußballerinnen Alexia Putellas und Aitana Bonmatí. "Jede von denen kann das Spiel entscheiden", sagt Brand. "Wir wissen auf jeden Fall, was da auf uns zukommt, und müssen ab der ersten Minute da sein."

Brand musste "raus aus der Komfortzone"

Dass Lyon zum zwölften Mal in einem Königsklassen-Finale steht, liegt maßgeblich an der Tempo-Dribblerin. Das Tor zum 3:1 im Halbfinal-Rückspiel gegen Titelverteidiger FC Arsenal brachte die Französinnen erst dahin. "Ich glaube, ich war nie glücklicher in meinem Leben gefühlt", erzählt Brand. "Gerade auch, weil es am Anfang nicht so lief."

Der entscheidende Halbfinal-Moment: Brand trifft mit links ins linke Eck. (Archivbild)
Der entscheidende Halbfinal-Moment: Brand trifft mit links ins linke Eck. (Archivbild) Bild: Laurent Cipriani/AP/dpa

23 Jahre alt ist Brand, und damit für viele immer noch ein Talent. Raus aus dem beschaulichen Wolfsburg, rein ins lebhafte Lyon - dieser Schritt im vergangenen Sommer sollte sie reifen lassen, sei anfangs aber ein großer gewesen. "Ich war das erste Mal im Ausland, ich kannte keinen, ich wusste, ich brauch' da immer so ein bisschen - raus aus der Komfortzone. Ich bin auch immer eher zurückhaltend."

Großer Respekt vor den "krassen Namen"

Alles habe ein wenig gedauert und dauere teilweise immer noch. Französisch? "Läuft noch nicht ganz so gut." Das Training? Sei härter, intensiver. Und die Stars? Natürlich größer. "Ich hatte sehr viel Respekt vor dem Schritt hierher." Vor allem vor "so krassen Namen" wie Abwehr-Ikone Wendie Renard oder Ex-Weltfußballerin Ada Hegerberg.

Von den Topstars nehme sie viel mit. "Die haben so viele Titel schon gewonnen, aber man merkt einfach, dass sie auf dem Platz in jedem Training, in jedem Spiel noch mehr Titel gewinnen wollen, alles reinhauen, dass sie nicht satt sind." Das beeindrucke sie immer noch, hole sie ab, erzählt Brand, "das habe ich so extrem noch nicht erlebt vorher."

Kritik von Hrubesch und Kellermann

Als hochtalentiert galt Brand gefühlt schon immer, aber ihre Leistungen schwankten bisweilen so stark wie die Aussagen über sie. "Ich sag’s mal einfach so: Bei Jule denke ich, sie ist bei 50 Prozent oder bei 60 Prozent", meinte Ex-Nationalcoach Horst Hrubesch mal. Wolfsburgs langjähriger Sportchef Ralf Kellermann mäkelte 2023 per "Kicker"-Interview: "Wenn Jule eine Top-Spielerin werden will, muss sie hart an sich arbeiten und zu einhundert Prozent für den Fußball leben." Subtext: Tat sie vielleicht nicht immer.

Durchsetzungsstark: Jule Brand (l).
Durchsetzungsstark: Jule Brand (l). Bild: Laurent Cipriani/AP/dpa

Bei Bundestrainer Christian Wück, der Brand als "Freigeist" schätzt, ist die 73-malige Nationalspielerin längst gesetzt, mal auf den Außenpositionen, mal als Spielmacherin. "Jule ist eines unserer größten Talente in Deutschland. Der Schritt, nach Lyon zu gehen, zeigt, wie hungrig sie ist", lobte nun Nadine Keßler, UEFA-Frauenfußball-Direktorin, die wie Brand aus der Pfalz stammt. "Von ihrem Schritt, ins Ausland zu gehen, wird auch das DFB-Team profitieren."

Inzwischen fühlt sich Brand, die in Lyon nah am Stadtkern wohnt, auch in Frankreich angekommen, seit Januar "so richtig", wie sie sagt. "Lyon ist mein Zuhause geworden, und ich glaube, das habe ich dann auch auf dem Platz gemerkt." Explosiver sei sie geworden durch das Training, stabiler. Und effizienter. Sechs Königsklassen-Scorerpunkte (drei Tore, drei Vorlagen) hat vereinsintern nur Melchie Dumornay gesammelt. Was für ganz oben noch fehlt, ist ihr erster Champions-League-Triumph – und der Trip zur Basilika. (dpa)

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