Fußball
Karl, Brown, Pavlovic: Nagelsmanns WM-Mut mit jungen Wilden

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Der Bundestrainer setzt auch auf eigenen Mut. Geht er sogar all-in mit seinen Jungen bei der WM? Im DFB-Team vollzieht sich ein spannender Umbruch. Der Kapitän erklärt, warum genau das gebraucht wird.

Chicago.

Julian Nagelsmann traut sich was. Und damit tut sich was im Vorbereitungsendspurt auf die Fußball-WM. Geht der Bundestrainer auch beim Kampf um Punkte all-in bei seinem mutigen Jugendkurs mit Turnierneulingen wie dem Bayern-Duo Lennart Karl (18) und Aleksandar Pavlovic (22) oder dem Frankfurter Topspeed-Newcomer Nathaniel Brown (22)? 

Setzt er auch im Ernstfall auf der so wichtigen Doppel-Sechs im Mittelfeld auf Pavlovic auf den Dortmunder Felix Nmecha (25), der wie der junge Münchner vor der WM-Premiere steht? Und sitzen stattdessen gestandene und schon turniererfahrene Nationalspieler wie Leroy Sané (30), Leon Goretzka (31) oder auch David Raum (28) zum WM-Start auf der Ersatzbank?  

Im Soldier Field von Chicago steigt die deutsche WM-Generalprobe.
Im Soldier Field von Chicago steigt die deutsche WM-Generalprobe. Bild: Christian Charisius/dpa

Der Kapitän ermutigt den Bundestrainer jedenfalls vor der WM-Generalprobe am Samstag (20.30 Uhr/RTL) im Soldier Field von Chicago gegen die USA zum Risiko, zur Unbekümmertheit als Erfolgsfaktor. "Es ist für uns sehr, sehr wichtig, dass wir sehr viele junge Spieler auf dem Platz haben", sagt Joshua Kimmich, mit 31 Jahren einer der wenigen Erfahrenen in der sich abzeichnenden Startelf. 

Der Kapitän sagt, was für die Jungen spricht

"Die Jungen haben keinen Druck. Die müssen keine Verantwortung tragen. Die können ihr Spiel genießen. Genau das brauchen wir. Sie können wichtig sein", erklärt Kimmich. Neben den Bayern-Kollegen Manuel Neuer (40) und Jonathan Tah (30) ist er einer von nur drei Ü30-Akteuren, die ihren Platz in Nagelsmanns WM-Wunschelf sicher haben. 

"Wir Jungen sind hungrig." Auch Aleksandar Pavlovic (l) und Felix Nmecha (r) symbolisieren den Umbruch im DFB-Team. Vorne die erfahrenen Jonathan Tah (l) und Kapitän Joshua Kimmich (r) im Einsatz gegen Finnland. (Archivbild)
"Wir Jungen sind hungrig." Auch Aleksandar Pavlovic (l) und Felix Nmecha (r) symbolisieren den Umbruch im DFB-Team. Vorne die erfahrenen Jonathan Tah (l) und Kapitän Joshua Kimmich (r) im Einsatz gegen Finnland. (Archivbild) Bild: Federico Gambarini/dpa

Flügelstürmer Karl und Linksverteidiger Brown, die zuletzt beim 4:0 gegen Finnland beginnen durften und überzeugen konnten, sind zusammen so alt wie Teamsenior Neuer. Das neue Mittelfeldpärchen Pavlovic/Nmecha steht ebenfalls vor den ersten WM-Einsätzen. Zudem wird meist vergessen, dass selbst die Offensiv-Zauberer Florian Wirtz und Jamal Musiala beide erst 23 Jahre alt sind. 

Kurz vor dem WM-Startschuss gegen die Fußballer von der Karibik-Insel Curaçao zeichnet sich im DFB-Team im Vergleich zur WM-Qualifikation ein erstaunlicher Umbruch ab. Die Jungen machen Druck auf die Älteren, auf die Etablierten. Karl statt Sané, Brown kontra Raum, Nmecha statt Goretzka. 

"Wir Jungen sind gierig. Wir haben Bock"

"Wir Jungen sind gierig. Wir haben Bock zu zeigen, was wir drauf haben", sagte Pavlovic. Der gebürtige Münchner hat sich auch beim FC Bayern durchgesetzt gegen größere Namen. Einen Konflikt Alt gegen Jung sieht Pavlo freilich nicht. "Die Alten unterstützen uns dabei. Wir haben ein gutes Miteinander." 

Nagelsmann vertraut den Jungen. Die Startelf gegen Finnland war mit einem Durchschnittsalter von 26,29 Jahren die jüngste in seiner Amtszeit als Bundestrainer. Turnier-Veteran und Ex-Kapitän Neuer hat er auch deswegen zurückgeholt, um dem Kader wertvolle Turniererfahrung hinzuzufügen. 

Nagelsmann belohnt "Straßenkicker" Karl oder Hochgeschwindigkeits-Verteidiger Brown für ihre rasante Entwicklung. Form und Potenzial stimmen ebenfalls. "Lenny ist ein Spielertypus, dem du die Freiheiten lassen musst. Er macht schon viel richtig", sagte Nagelsmann über Karl, der aber eben noch sehr jung ist. Der 18-Jährige sei "am Start des Rennens" zum Topspieler. 

Der 1,68 Meter große Linksfuß, der sich auf dem Platz "nichts scheißt", bringt spezielle Eigenschaften mit, ähnlich wie Brown. Mit 35,8 Stundenkilometern ist dieser der Topsprinter im deutschen WM-Kader. Das ist gerade auf Browns Position von elementarer Bedeutung. Brown sei defensiv sehr gut im Eins-gegen-eins gegen schnelle andere Spieler dank seines sehr guten Tempos, erläuterte Nagelsmann. 

Auch er hat aufmerksam registriert, dass Brown in dieser Saison in der Champions League Barcelonas Jungstar Lamine Yamal im direkten Duell den Spaß am Dribbeln nahm. "Mein bisher bestes Spiel", sagte Brown dazu jetzt beim DFB-Team. Vielleicht folgen noch bessere von ihm, von Karl, von Pavlovic oder auch von Nmecha auf der größtmöglichen Fußball-Bühne in Amerika.  

Mit Topspeed gegen Weltklasse-Angreifer: Frankfurts Nathaniel Browns (r), hier in Aktion gegen Barcelonas Jungstar Lamine Yamal. (Archivbild)
Mit Topspeed gegen Weltklasse-Angreifer: Frankfurts Nathaniel Browns (r), hier in Aktion gegen Barcelonas Jungstar Lamine Yamal. (Archivbild) Bild: Joan Monfort/AP/dpa

(dpa)

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