Fußball
Letzter Pfiff mit 90 Jahren - Schiedsrichter geht in Rente

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Ein letztes Mal bindet sich Werner Ziebold die Schuhe als Schiedsrichter zu. Ein Kreisliga-Schiedsrichter hört auf - mit 90 Jahren.

Müllheim.

Das Laufen, sagt Werner Ziebold vom SV Weilertal aus dem badischen Müllheim, werde er vermissen. Er ist 90 Jahre alt. Und das Laufen, von dem er erzählt, fällt jetzt für ihn weg. Mehr als sechs Jahrzehnte war er Schiedsrichter. Jetzt hört er auf - als nach Verbandsangaben bisher ältester Fußball-Schiedsrichter Südbadens.

Am Sonntag leitete er die Kreisliga-Partie des SV Weilertal II gegen den SV Hartheim-Bremgarten II. Zumindest für die erste Halbzeit und ein paar Minuten obendrauf, dann ließ er sich ablösen. Es war sein emotionaler Abschied. 

"Selbst mit 90 Jahren noch auf dem Platz gestanden zu haben, ist eine schier unglaubliche Leistung", würdigt Knut Kircher, der Geschäftsführer der DFB Schiri GmbH. Dass sich jemand über einen solchen Zeitraum als Schiedsrichter engagiere, erlebe man "nur ganz, ganz selten". 

"Solange die Beine mitmachen..."

Bis zum Schluss hat es Ziebold Spaß gemacht, auch wenn das Knie zwickte. "Man kommt unter die Leute. Man ist immer mit jungen Leuten zusammen auf dem Platz", erzählt der rüstige Senior. Nur wenn es ruppig wurde, er Karten ziehen musste, mochte er das nicht so gern. 

Ans Aufhören hat Ziebold auch im hohen Alter lange nicht gedacht, im 61. Jahr war er Schiedsrichter. Eine Anfrage zu einem älteren Schiri hat den Deutschen Fußball-Bund (DFB) bisher nicht erreicht. Der 90-Jährige gehöre in jedem Fall zu den ältesten Unparteiischen in Deutschland, so der DFB.

"Körperlich konnte ich das immer noch durchhalten. Ich habe gesagt, solange die Beine mitmachen", erklärt Ziebold. Auch seine Routine dürfte ihm geholfen haben. "Der Verband ist froh, wenn sie genügend Schiedsrichter haben. Und die konnten mich immer mal anrufen, wenn es irgendwo gebrannt hat, auch mal unter der Woche", sagt er. 

Hatte den Respekt der Jugend: Schiedsrichter Werner Ziebold.
Hatte den Respekt der Jugend: Schiedsrichter Werner Ziebold. Bild: Philipp von Ditfurth/dpa

Doch mittlerweile macht sich nicht nur das Knie bemerkbar, weil er sich früh einen Meniskusschaden zugezogen habe. "Seit Dezember habe ich leider Wasser auf der Lunge", erzählt Ziebold. Das werde zwar besser, er habe Tabletten bekommen. Aber die Schiri-Rente sei auch ärztlich verordnet.

Freudentränen bei der "Legende"

Für Vereinsmitglieder tritt er als eine "Legende" ab, wie für den 13 Jahre alten Louis Lambracht. Bei ihm kam Ziebold gut an. Wenn er Freistoß pfeift, werde seine Entscheidung nicht diskutiert, sagt der junge Fußballer, der beim SV Weilertal spielt. Wie ihm der Abschieds-Auftritt gefiel? "Auf jeden Fall habe ich auch Freudentränen bei ihm gesehen, glaube ich. Was ich sehr schön fand", sagt Louis. "Ich fand es halt schon traurig, dass er jetzt aufgehört hat."

Ziebold verdiente sich den Respekt bei der Jugend

Auch die etwas älteren Jugendlichen begegneten Ziebold nach Worten der Jugendleiterin des Vereins, Sabine Leisinger, mit Respekt. "Die jungen Spieler, die ganz Kleinen, sagen, da kommt ein ganz alter Mann, der ist ja wie mein Opa", schildert sie. "Die merken ganz schnell, dass er keine Faxen erlaubt." 

Dem Verein geht mit dem Abschied eine Option verloren, die Schiedsrichter-Rolle zu verteilen. Denn ein Nein habe es von Ziebold nie gegeben. Die Entscheidung, mit 90 Schluss zu machen, wird natürlich verstanden. "Meine eigene Mutter ist 88. Die würde das nie schaffen", sagt Leisinger. "Er hat es sich verdient. Er kann jetzt aufhören. Aber emotional ist es schon."

Nach dem 1:1 des SV Weilertal II gegen den SC Hartheim-Bremgarten II wird Ziebolds Pfeife auf dem grünen Rasen nicht mehr ertönen. Sein letzter Pfiff sei anstrengend gewesen, berichtet er, weil es warm war. Wenn er am Sonntag ein Fußball-Spiel gepfiffen habe, habe er die Woche vorher keinen Alkohol getrunken. Sein Bier am Sonntag war redlich verdient. "Da ich weiß, dass die Kraft nachlässt, jetzt mit 90, bin ich ganz zufrieden", so sein Resümee. (dpa)

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