Fußball
"Traum wird wahr": Koblenzer Torwart fährt mit Haiti zur WM

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Josué Duverger hütet sonst für Cosmos Koblenz das Tor – nun steht der 26-Jährige im WM-Kader Haitis. Für ihn ist die Teilnahme ein Privileg, für sein krisengeplagtes Land ein Zeichen der Hoffnung.

Koblenz.

Für Josué Duverger vom FC Cosmos Koblenz wird dieser Sommer zur größten Reise seiner Fußballkarriere. "Ein Traum wird wahr", sagt der 26 Jahre alte Torwart des Oberligisten aus Rheinland-Pfalz. Denn: Er gehört zum WM-Kader Haitis und reist mit der Nationalmannschaft zur Endrunde in die USA, nach Kanada und Mexiko. Nicht nur für ihn, sondern auch für Haiti hat die Teilnahme an der WM eine große Bedeutung.

Vom Fünftligisten aus Koblenz zum größten Fußballturnier der Welt – für Duverger nach eigenen Worten ein "großes Privileg". "Es ist auch eine Art zu sagen, dass alles möglich ist", erklärt der Torwart bei seinem letzten Training in Koblenz, bevor er in den Flieger Richtung WM-Traum steigt. 

Duverger ist als einer von vier Brüdern in Kanada geboren, seine Eltern emigrierten aus Haiti. Im Alter von 14 Jahren ging er nach Portugal. Sein Ziel: europäischen Fußball spielen – und das so gut wie nur möglich. "Wenn man sich zu einhundert Prozent und diszipliniert dafür einsetzt, dann kann man meiner Meinung nach alles erreichen, was man sich im Leben wünscht", sagt er.

"Ein Zeichen des Friedens"

Haiti ist erstmals wieder seit dem Turnier 1974 in Deutschland bei einer WM dabei – insgesamt ist es erst das zweite Mal, dass sich der Karibikstaat qualifiziert hat. Nicht nur Duverger bedeutet das viel. "Wir alle wissen, dass unser Land gerade viele Schwierigkeiten durchmacht", sagt er. Bandengewalt, Konflikte und Naturkatastrophen dominieren häufig die Schlagzeilen zu dem Karibik-Staat, in dem viele Verwandte und Freunde Duvergers leben.

Die Qualifikation für die Weltmeisterschaft bedeute dem Land viel. Sie sei "ein Zeichen des Friedens im Land", so Duverger. "Wir haben es auch für sie getan, für die Menschen zu Hause, die jeden Tag sehr leiden und darum kämpfen, etwas zu essen zu finden, Arbeit zu haben und einfach diese Situation durchstehen müssen."

Harte Herausforderung gegen "Superstars"

In der Vorrundengruppe trifft Haiti auf mehr als nur ein hartes Brett: Bei der am 11. Juni in den USA, Kanada und Mexiko beginnenden Endrunde ist Haiti in seiner Vorrundengruppe klarer Außenseiter. Gegner sind dann Rekordweltmeister Brasilien, WM-Halbfinalist Marokko und Schottland. Die Schotten sind am 14. Juni (3.00 Uhr/MESZ) in Boston erster Kontrahent der Auswahl des Karibikstaates. 

Die Chancen stehen unverkennbar schlecht: In der FIFA-Weltrangliste liegt Haiti auf Platz 83 - von den Turnierteilnehmern platziert sich lediglich Neuseeland als 85. noch dahinter. 

Für den FC Cosmos Koblenz spielt Josué Duverger normalerweise vor wenigen Zuschauern.
Für den FC Cosmos Koblenz spielt Josué Duverger normalerweise vor wenigen Zuschauern. Bild: Thomas Frey/dpa

Die Herausforderung kennt auch Duverger: "Brasilien ist eine fantastische Mannschaft, eine der besten der Welt", sagt er und betont trotzdem: "Es stehen elf gegen elf, auf dem Platz kann alles passieren." Gegen die "Superstars" aus Brasilien zu spielen, wäre eine großartige Erfahrung. Dazu dürften nicht zuletzt Brasiliens Offensivstars Vinícius Júnior (Real Madrid) und Raphinha (FC Barcelona) zählen. Bei einem Elfmeter gegen eine Fußballgröße im Tor zu stehen, wäre für ihn unbeschreiblich. Ebenso ein Trikottausch mit Brasiliens Keeper Ederson – er sei schließlich auch ein Linksfuß. 

Von Schmitzers Wiese auf die Weltbühne

Der 26-Jährige ist sich sehr bewusst, wem er diese Chance überhaupt verdankt. "Hier, genau hier, werde ich jeden Tag besser", sagt er am Rande des Teamtrainings auf der Bezirkssportanlage Schmitzers Wiese in Koblenz. Der FC Cosmos habe ihn zur Weltmeisterschaft gebracht. "Also bin ich diesem Verein natürlich für immer dankbar." 

Es wird die größte Bühne sein, auf die er je spielen kann. "Du spielst in einem Stadion mit 45.000, 50.000 Zuschauern, dann kommst du hierher und hast vielleicht 1.000 Fans", hebt Durverger den krassen Kontrast hervor. Kann man nach dem Mega-Turnier, dem Trubel und der Aufmerksamkeit überhaupt in die fünfte Liga zurückkehren? Der Torwart bleibt cool: "Letztendlich ist es Fußball." Dass die WM ein Sprungbrett für seine Karriere sein könnte, will er neben all der Loyalität nicht ausschließen. "Was auch immer passiert, wird passieren – es ist schließlich eine Weltmeisterschaft", sagt er. 

"Wir tragen die Flagge von Haiti"

Bei seiner bedeutsamen Reise steht nicht nur seine Frau und ihre gemeinsame ein Jahr alte Tochter hinter ihm, sondern auch die "Cosmos-Family". "Das ist natürlich für uns unfassbar", sagt Vereinsvorstand Remo Rashica – so etwas gebe es nicht zweimal auf der Welt. Vor zwei Jahren holten sie den "Elfmeter-Killer" ablösefrei aus Portugal nach Koblenz. In letzter Zeit habe es vermehrt Anfragen von anderen Vereinen gegeben. "Ich sehe ihn in der neuen Saison im Ausland", sagte Rashica. "Er ist kein Oberligakeeper, der kann überall spielen."

"Alle im Verein sind überglücklich für den Josué", sagt Cosmos-Cheftrainer Admir Softic. Mit Durverger hat die Mannschaft den Sprung in die Oberliga geschafft, in den vergangenen fünf Jahren ist die Mannschaft dreimal aufgestiegen. Auf der Vereinsseite heißt es, der Torwart sei "ein Vorbild an Haltung, Charakter und Bescheidenheit". Softic wünsche ihm an erster Stelle, dass er auf der großen Weltbühne auch Spielzeit bekomme. Duverger ist als einer von drei Torwarten nominiert. Der 26-Jährige selbst sagt, er mache sich körperlich und mental bereit. Ob er zum Einsatz komme, sei noch nicht absehbar. 

Die Rückkehr Haitis auf die WM-Bühne nach Jahrzehnten bedeutet dem 26-Jährigen auch wegen der Lage in der Heimat viel.
Die Rückkehr Haitis auf die WM-Bühne nach Jahrzehnten bedeutet dem 26-Jährigen auch wegen der Lage in der Heimat viel. Bild: Thomas Frey/dpa

Für seine Mitspieler in Koblenz ist die WM-Teilnahme ebenfalls etwas Besonderes. Leon Rashica kennt die Stärken seines Torwarts: "Der Mann ist groß, breit gebaut und der hat eine enorme Qualität." Das ganze Team werde ihn unterstützen, sagt der Spieler. "Wir tragen die Flagge von Haiti ganz, ganz breit." Oder wie der Vereinsvorstand es sagt: Sie "wünschen natürlich ihm und der ganzen Nationalmannschaft nur das Beste beim größtem Fußball-Event dieser Erde". (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
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