Schiris sind schon gut in Form

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Beim Leistungstest der Referees für die Erzgebirgsliga im Fußball gab es am Ende nur glückliche Gesichter. Spieler müssen sich in der kommenden Saison auf eine Rolle rückwärts beim Thema Handspiel einstellen.

Stollberg.

Im Mittelpunkt stehen die Mitglieder der Zunft nicht so gern. Kein Wunder: Ist der Schiedsrichter so gut wie unsichtbar, dann hat er normalerweise anständig gepfiffen.

Immer auf Ballhöhe, kristallklar in den Entscheidungen und mit einer natürlichen Autorität ausgestattet - so stellen sich die Verbände ihre Referees vor. Die müssen dafür natürlich entsprechend geschult werden. Am Freitagabend war es mal wieder soweit. 21 Erzgebirgsliga-Schiedsrichter trafen sich zur "Leistungsüberprüfung" im Vereinsheim des FC Stollberg. Unter den Augen von Chef-Lehrwart Thomas Pöschmann sowie Thomas Renner, dem Leiter des Schiedsrichterausschusses, hatten sie einen aus 15 Fragen bestehenden Test zu absolvieren. Weil auch der regeltechnisch fitteste Schiedsrichter nichts nützt, wenn er nach 60 Minuten schlappmacht, ging es zudem auf die Laufbahn. Beim sogenannten Helsen-Test hieß es abwechselnd 150 Meter Sprinten und 50 Meter gehen - insgesamt zehn Stadionrunden lang, bei schwülwarmem Wetter. Schiris über 50 blieben zwei erspart.

Grämen musste sich hinterher niemand. Sowohl den Fitness- als auch den Theorietest schafften alle Teilnehmer - letzteren sogar glanzvoll. Kein einziger Schiri kam auf weniger als 90 Prozent der Punkte - 70 waren zum Bestehen nötig. Zwei erreichten sogar die volle Ausbeute. Fünf Kreisoberliga-Schiedsrichter waren allerdings verhindert, sie müssen demnächst nachsitzen. Auch für den Ältesten im Bunde waren die Prüfungen kein Problem. Uwe Schönherr von der ISG Satzung leitet seit 40 Jahren Fußballspiele, früher auf Bezirksebene, seit 2013 in der Erzgebirgsliga. Bis zu seinem 60. Lebensjahr will der 58-Jährige noch weitermachen, der sich im Laufe der Jahre ein dickes Fell zugelegt hat. "Was von außen, von den Zuschauern, kommt, das höre ich gar nicht mehr", betonte er. Die "Leistungsüberprüfungen" seien von enormer Bedeutung. "Ich habe mich auch früher immer dafür ausgesprochen, diese regelmäßig und verpflichtend für alle durchzuführen."

Im Gegensatz zu ihm steht Rick Meuschke noch am Anfang seiner Schri-Laufbahn. Mit seinen 20 Lenzen pfeift er seit 2020 in der Erzgebirgsliga und kam wegen des Coronavirus daher noch nicht oft zum Zuge. "In meinem Alter ist es umso wichtiger, sich vom Anpfiff an Respekt zu verschaffen. Manche Spieler könnten meine Väter sein", so das Vereinsmitglied des FC Concordia Schneeberg. Zur Pfeife kam der Polizist, weil er als Fußballer ein wenig die Motivation verloren hatte. Mittlerweile stehe er sogar im U-22-Förderkader des Landesverbandes. "Je höher die Liga, desto schneller die Spielweise, aber auch desto fairer. Das macht es uns mitunter sogar leichter", so Meuschke, der unter anderem Felix Brych als ein Vorbild bezeichnet. "Der hat eine klare Linie und ist kommunikativ, ohne zu sehr Kumpel zu sein."

Zum Abschluss gab es noch einen Crashkurs in Sachen Regelveränderungen. So muss beispielsweise beim Handspiel wieder eine deutliche Absicht erkennbar sein, damit es sanktioniert wird. Zudem sollen künftig keine Tore mehr abgepfiffen werden, wenn ein Mitspieler den Ball mal unabsichtlich an die Hand bekommt. Betrifft dies den Torschützen selbst, zählt ein Treffer dagegen weiterhin nicht.


Zahlen & Fakten zu den Fußball-Schiedsrichtern im Fußball-Kreisverband Erzgebirge

Weniger Schiedsrichter

Die Zahl der Referees unter dem Dach des Kreisverbandes Erzgebirge ist im vergangenen Jahr gesunken. Zum Stichtag 1. Juli sind im KVF 231 Unparteiische gemeldet - 16 weniger als vor Jahresfrist. Den Rückgang sieht Thomas Renner, der Vorsitzende des Schiedsrichter-Ausschusses, in der Corona-Krise begründet. Zuvor, also von 2019 zu 2020, sei die Zahl sogar um sieben Schiris gestiegen. Tatsächlich stehen dem Verband für die kommende Saison sogar nur 224 Personen an der Pfeife zur Verfügung, da 7 Referees eine freiwillige Pause einlegen. Für die Erzgebirgsliga als höchste Klasse des Kreisverbandes sind 26 Schiedsrichter qualifiziert.

Keine Auf- und Abstiege

Ähnlich den Vereinen bleiben auch sämtliche Schiedsrichter in der kommenden Saison ihrer bisherigen Klasse zugeordnet. "Weil nur bis Oktober Spiele ausgetragen werden konnten, gab es keine ausreichende Grundlage für Neubewertungen", so Renner. Da insbesondere in der 1. Kreisklasse massiv Schiedsrichter fehlen würden, müssen die Erzgebirgsliga-Referees künftig zudem verstärkt tieferklassig pfeifen. Das habe nichts mit einer Degradierung zu tun, sondern sei einzig der Situation geschuldet.

Frauenanteil weiter niedrig

Unter den 231 Unparteiischen befinden sich im Erzgebirge aktuell lediglich 11 Frauen. "Dabei handelt es sich leider um eine relativ konstante Zahl", so Renner. Auf Erzgebirgsliga-Niveau darf, wie schon in der vergangenen Spielzeit, überhaupt keine Frau Fußballspiele leiten. (jüw)

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