Ein "kleiner Schnitt" für große Ziele

Fußball-Drittligist Zwickau hat seinen Fans den neuen Kader für die kommende Saison präsentiert. Auch fernab des grünen Rasens soll sich für den FSV einiges verbessern.

Zwickau.

13 Abgänge, zehn neue Gesichter. Über mangelnde Arbeit brauchte sich Toni Wachsmuth in seiner neuen Funktion als Sportdirektor während der Sommerpause nicht zu beschweren. Der ehemalige Kapitän des FSV Zwickau gab beim großen Hallo mit den Fans zur Saisoneröffnung ein zufriedenes Fazit über den neuen Kader ab. "Die neuen Jungs passen alle menschlich zu uns. Und sie wissen, was es heißt, in Zwickau zu spielen", erklärte Wachsmuth vor rund 1000 Anhängern, die bei Sonne, Bier, Limo und Bratwurst die neuen Spieler um Stürmer Elias Huth oder Christopher Handke in Augenschein nahmen. Im Trubel der Begrüßung verpasste Handke gleich mal den ersten Termin und fehlte auf dem obligatorischen Foto der Neuzugänge.

Nach lockeren Übungen mit und ohne Ball ließen sich die Profis Zeit für Selfies und Autogramme. Währenddessen bezeichnete Wachsmuth die Zusammenstellung des neuen Kaders als "kleinen Schnitt, der auch so beabsichtigt war". Das scheint bei 13 Abgängen inklusive seiner selbst und der zehn Neuen fast schon untertrieben, zumal noch ein Defensivspieler verpflichtet werden soll. Aus der Stammelf der Rückrunde schnüren allerdings noch sieben Profis - darunter die Achse Brinkies (Tor), Reinhardt (Mittelfeld) und König (Sturm) - für Zwickau die Töppen. Schwerpunkt der Vorbereitung wird sein, dass sich die Mannschaft findet, die neue Abwehr formiert. Mit Gaul, Antonitsch und Wachsmuth stehen drei Hauptakteure in der von Enochs favorisierten Dreierkette der Vorsaison nicht mehr zur Verfügung. In der Viererkette hat René Lange auf der linken Seite mit Sascha Härtel ernsthafte Konkurrenz erhalten. Letzterer schaute gestern wegen einer verletzten Zehe nur zu: "Ich brauche Spielpraxis, möchte mich weiterentwickeln, alles andere ist egal", sagte Härtel, der vom Rivalen Erzgebirge Aue ausgeliehen wird und diese Konstellation sogar reizvoll findet. Aus der Zwickauer Aufstiegself von 2016 sind nach drei Spielzeiten Dritte Liga noch drei Profis (Schröter, Frick, Lange) im Kader vertreten.

Das Motto der kommenden Monate (sportlich) und Jahre (wirtschaftlich) heißt: zusammenwachsen und wachsen. Die Vereinsspitze um Vorstandssprecher Tobias Leege kündigte diese Woche einen Kooperationspartner sowie im Zuge der Ausgliederung der Profimannschaft Investoren an. So sollen "Einnahmen im zweistelligen Millionenbereich" generiert werden. Das Geld allerdings wird nicht nur in den Kader der ersten Mannschaft - der Etat liegt ähnlich wie in der Vorsaison bei rund 2,5 Millionen Euro -, sondern auch in die Infrastruktur investiert werden. Bereits zum Saisonstart wird es in der GGZ-Arena auf der Tribüne C eine zusätzliche "Player-Lounge" (u. a. für Spielerfrauen, Spielerberater) geben, um den Wohlfühlcharakter im ausgebuchten VIP-Bereich zu erhöhen. Auch der bereits avisierte zusätzliche Trainingsplatz steht noch auf dem Investitionsplan. Leege betonte, dass die künftigen Investoren nicht in die Maßnahmen der Nachlizenzierung eingebunden waren. "Wir konnten da völlig unvoreingenommen in die Gespräche gehen." Mit den Investments will der Verein insbesondere auch die Marke "FSV Zwickau" stärken.

Das Aushängeschild für dieses Vorhaben bleibt das Auftreten der Drittligamannschaft. Das neue Team verbrachte bis Mittwoch drei Tage gemeinsam im Sportpark Rabenberg, nutzte die Zeit für Gespräche sowie Herausforderungen im Squash, Badminton und Beachvolleyball. Auch ein Psychologe wurde einen Tag hinzugezogen. "Wir wollten mal was Neues machen. Es ging auch um Ziele. Ein Psychologe kann jedem persönlich helfen, einen Leitfaden für sich zu finden", so Wachsmuth. Im Camp ab Montag wird bei prognostiziertem Sahara-Wetter sicher der Schweiß fließen. Die Ziele haben sich nicht geändert. "Wir wollen immer über dem Strich stehen", sagte Trainer Joe Enochs. Und die Niederlage im Finale des Sachsenpokals gegen den CFC würde die Mannschaft auch gern korrigieren.

Ali Odabas: Hochzeit statt Auftakt vor den Fans

Die genauen Ansetzungen der ersten Punktspiele will der Deutsche Fußball-Bund (DFB) Anfang Juli bekanntgeben. Am Wochenende 19. bis 20. Juli startet die Drittligasaison mit den Aufsteigern Bayern München II, Waldhof Mannheim und Chemnitzer FC. Mit dem CFC und Absteiger 1. FC Magdeburg stehen zwei Derbys mehr an als in der Vorsaison, die Partie gegen Cottbus allerdings fällt weg.

Aus einem schönen Grund fehlte ein Neuzugang zur Saisoneröffnung. Verteidiger Ali Odabas heiratete am Freitag. "Da hätten wir, glaube ich, ein Problem bekommen, wenn wir darauf bestanden hätten, dass er zum Auftakt da ist", erklärte Sportdirektor Toni Wachsmuth und lächelte.
Am Wochenende stehen die ersten zwei Testspiele an. Zusätzlich in den Terminplan wurde das Freundschaftsspiel in Thurm gegen Viktoria Zizkov aufgenommen. Am Montag reist die Mannschaft ins Trainingslager nach Bad Blankenburg.

Testspiele des FSV: 22. Juni, 15 Uhr: FC Thüringen Weida (A), 23. Juni, 15 Uhr: 1. FC Rodewisch (A); 24. - 28. Juni: Trainingslager in Bad Blankenburg, 27. Juni, 18.30 Uhr: SpVgg Bayern Hof (in Bad Blankenburg); 29. Juni, 15 Uhr: FV BW Röhrsdorf (A); 4. Juli, 17 Uhr: FK Viktoria Zizkov (in Thurm), 10. Juli, 16 Uhr: Rot-Weiß Erfurt (in Weißensee); 13. Juli, 14 Uhr: Lok Leipzig (A); 19. - 22. Juli: Punktspielstart

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...