Eispiraten basteln an zwei Top-Reihen für die neue Saison

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Eispiraten-Geschäftsführer Jörg Buschmann spricht über Finanzlage, Torhütersuche und seine Zurückhaltung in brenzligen Momenten

Crimmitschau.

Beim Eishockey-Zweitligisten Eispiraten Crimmitschau werden die Personalplanungen vorangetrieben. Zehn Positionen im Kader für die Saison 2021/22 sind besetzt. Holger Frenzel sprach mit Geschäftsführer Jörg Buschmann (38).

Freie Presse: Mit Platz neun in der Hauptrunden-Tabelle ist das sportliche Ergebnis der Saison 2020/21 bekannt. Wie fällt die finanzielle Bilanz der abgelaufenen Spielzeit aus?

Jörg Buschmann: Trotz aller Schwierigkeiten schließen wir finanziell mit einer schwarzen Null ab. Durch die Einsparungen, die wir im Umfeld vornehmen konnten, und die Corona-Fördergelder sind wir ohne größere Probleme durch die Saison 2020/21 gekommen. Genaue Zahlen liegen Anfang Juni, wenn unser Abschluss fertig ist, vor.

Wie viel Geld haben die Eispiraten aus dem Bundes-Programm "Coronahilfen Profisport" erhalten?

Bisher wurden 670.000 Euro ausgezahlt. Ein weiterer Antrag zu einem Zuschuss im sechsstelligen EuroBereich ist eingereicht und befindet sich in der Prüfung. Mit dem Geld aus dem Bundes-Programm kompensieren wir die Ausfälle, die auf fehlende Einnahmen aus dem Ticketverkauf zurückzuführen sind.

Können die Zahlen aus der Saison 2020/21 als Grundlage einer Finanzplanung für die Saison 2021/22 verwendet werden?

Kaum. Wir klammern die Saison 2020/21 aus, greifen als Vergleich auf die Saison 2019/20 - also die Zeit vor der Corona-Pandemie - zurück. Mit Blick auf Impffortschritte und mittlerweile vorhandene Testmöglichkeiten gehen wir fest davon aus, dass in der neuen Saison wieder vor Zuschauern gespielt werden kann. Ansonsten besteht - nicht nur beim Eishockey - die Gefahr, dass sich Fans und Sponsoren emotional vom Sport distanzieren. Wir planen für die Saison 2021/22 aktuell mit einem Budget von rund 2,5 Millionen Euro.

Ist ein (kleiner) Teil des Geldes für den Topscorer Mathieu Lemay, der sich mit 31 Toren und 37 Vorlagen auch für höhere Aufgaben empfohlen haben dürfte, reserviert?

Wir versuchen alles, um Mathieu Lemay in Crimmitschau zu halten. Er war in der Saison 2020/21 ein wichtiger Baustein des Teams. Wir haben gesehen, wie wichtig es ist, zwei gefährliche Top-Reihen auf das Eis schicken zu können. Daran arbeiten wir auch für die Saison 2021/22.

Trainer Mario Richer und Gesellschafter Ronny Bauer kümmern sich um die Kaderplanung. Welche Rolle nehmen Sie dabei überhaupt ein?

Mario Richer hat Listen mit Spielern, die in sein Konzept passen, vorbereitet. Ronny Bauer nimmt den Kontakt auf, spricht mit Spielern und Agenten. Für jede Position gibt es ein festes Budget. Das muss ich überwachen und - wenn wir uns einigen konnten - die Verträge unterschreiben.

Nach dem Autounfall von Ilya Andryukhov und dem Karriereende von Michael Bitzer werden zwei neue Torhüter benötigt. Schauen Sie sich auf dem deutschen oder auf dem internationalen Markt um?

Wir befinden uns in Verhandlungen mit deutschen Torhütern, die zuletzt im Kader von DEL-Teams standen. Für den Fall, dass die Verpflichtungen nicht klappen, werden wir erst einmal eine Ausländerstelle unbesetzt lassen, um flexibel zu bleiben. Es ist kein Geheimnis: Torhüter nehmen im Eishockey eine Schlüsselrolle ein, entscheiden über Erfolg und Misserfolg.

Gehört Thomas Pöpperle, der beim DEL-Kooperationspartner in Bremerhaven keinen Vertrag mehr bekommt, zu den Torhüter-Kandidaten?

Zu möglichen Verhandlungspartnern geben wir generell keine Auskunft.


Mit Dominic Walsh und André Schietzold haben zwei Profis, die zum Eispiraten-Inventar gehören, verlängert. Ist das ein Fingerzeig, dass es mit dem Stamm an deutschen Spielern weitergeht?

An unserer Philosophie hat sich nichts geändert. Wir wollen gern mit den Leuten, die uns über einen längeren Zeitraum überzeugen konnten, weitermachen. Man kennt einfach die Charaktere, schafft eine gewisse Bindung zwischen Fans und Spielern. Mit Mario Scalzo und Felix Thomas haben zwei weitere Verteidiger ihre Verträge verlängert.

In schwierigen Phasen wartet man in Crimmitschau oft vergeblich auf ein Signal des Geschäftsführers. Warum haben Sie sich in der Saison 2020/21 nicht zu Wort gemeldet, als die Hoffnung auf einen deutschen Pass für Stürmer Lukas Vantuch zerplatzt war oder sich Trainer Mario Richer eine Corona-Pause gewünscht hat?

Weil wir Unruhe und Störfeuer in der Öffentlichkeit vermeiden wollen. Intern haben wir die Punkte, die auch aufgrund der Aussagen von Mario Richer zu klären waren, ausgewertet. Was bringt es mir, hier öffentlich auf den Tisch zu hauen?

Sie wählen also eine andere Strategie als Helge Leonhardt, der als Präsident des Fußball-Zweitligisten FC Erzgebirge Aue erst kürzlich in einem Interview mitgeteilt hat, dass er "kein Frühstücksdirektor ist".

Ja. Ich bin kein Typ, der in der Öffentlichkeit stehen muss. Das dürfen in Crimmitschau gern der Trainer und die Profis übernehmen.

Die Fußballer des FSV Zwickau haben den Klassenerhalt in der 3. Liga geschafft. Die Handballerinnen vom BSV Sachsen Zwickau spielen künftig in der 1. Bundesliga. Stehen die Eispiraten sportlich nur noch an dritter Stelle im Landkreis Zwickau?

Nein. Der ETC beziehungsweise die Eispiraten spielen seit der Saison 2006/07 ununterbrochen in der 2. Bundesliga beziehungsweise DEL 2, verfügen über eine breite Fanbasis und eine große Medienpräsenz. Wir bleiben ein sportlicher Leuchtturm im Landkreis Zwickau.

Lassen die Corona-Pandemie und der damit in Zusammenhang stehende Rückgang der Steuereinnahmen die Träume vom Bau einer neuen Eishalle in Crimmitschau platzen?

Um weiter sportlich wettbewerbsfähig zu sein, muss das Thema spätestens im Herbst wieder angegangen werden. Wir hoffen, dass sich unsere "Stadtväter" dieser Verantwortung bewusst sind. Wir müssen konkurrenzfähig bleiben und brauchen Visionen. Dazu gehört der Bau einer neuen Eishalle. Die Anforderungen an die Standorte in der DEL 2 wachsen durch die Wiedereinführung des Auf- und Abstiegs.

Wo stehen die Eispiraten in fünf Jahren?

Sie sind weiter ein fester Bestandteil der DEL 2 und haben bereits die ersten Spiele in einer neuen Eishalle absolviert.

Noch einmal zurück in die Gegenwart: Was macht die deutsche Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft so stark?

Die Handschrift von Trainer Toni Söderholm, der in der Saison 2017/18 noch in der DEL 2 beim SC Riessersee tätig war, ist deutlich zu sehen. Die Mannschaft zeigt ein schnelles Umkehrspiel. Das ist eine tolle Werbung fürs Eishockey. (hof)


Eispiraten-Duo verlängert Verträge

Zwei routinierte Verteidiger bleiben beim Eishockey-Zweitligisten Eispiraten Crimmitschau: Die Verteidiger Felix Thomas (33) und Mario Scalzo (36) haben ihre Verträge verlängert. "Damit bleiben zwei weitere wichtige Bausteine des letztjährigen Kaders an Bord und wollen das Team in Richtung der Play-offs führen", sagt Gesellschafter Ronny Bauer. Damit haben die Westsachsen nun zehn Plätze im Kader besetzt. (hof)

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