Formel 1
Kehrtwende mit Gänsehaut: Kehren die V8-Motoren zurück?

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Gerade erst hat die Formel 1 die ersten Rennen mit den neuen Antrieben hinter sich gebracht. Mit viel Frust und reichlich Diskussionen. Doch damit nicht genug. Eine weitere Debatte ist entbrannt.

Montréal.

In der aufgeladenen Motoren-Diskussion der Formel 1 soll nun eine adhoc-Aufrüstungshilfe mit der kryptischen Abkürzung ADUO für weitere Linderung sorgen. Längst aber tobt schon die Diskussion über das Ende der gerade erst eingeführten neuen Antriebsgeneration. Befeuert vom Präsidenten des Automobil-Weltverbandes höchstpersönlich. 

Was sich der Fia-Boss wünscht

Für Mohammed Ben Sulayem ist nicht mehr die Frage, ob, sondern nur noch wann. "Es wird passieren", betonte der Fia-Boss und meinte nichts weniger als das Comeback der V8-Motoren. Mit einem Vorstoß für die Rückkehr der dröhnenden V10-Aggregate vor gut einem Jahr war er gescheitert, zu sehr lockte die aktuelle und nachhaltigere Generation mit großem Batterieanteil an der Gesamtleistung von rund 1000 PS auch neue Hersteller wie Audi.

Doch Jojo-Überholmanöver, Beinahe-Crashs und viel Frust bei den Fahrern haben nicht nur Zweifel an den aktuellen Antriebsmodellen aufkommen lassen. Der Fia-Boss sieht Handlungsbedarf. "Der populärste und am einfachsten umzusetzende Weg ist der V8", sagte er dem Portal Racing365. 

Die Vorteile: Der Sound, weniger Komplexität, geringeres Gewicht. Mehr Power vom Verbrenner, deutlich weniger elektrische Leistung. Gefahren werden soll dann aber freilich weiter mit voll synthetischem und nachhaltigem Sprit, wie schon in dieser Saison.

In welchem Dilemma die Formel 1 steckt 

"Die Formel 1 steckt mitten in zwei parallelen Motorendiskussionen", schrieb die britische BBC: "Beide sind wichtig für die Zukunft des Sports." Das eine ist eine mögliche Neuausrichtung - wenn es nach Ben Sulayem geht - ab 2030. Während auf der Straße der Weg zu den E-Autos führt, könnte die Formel 1, die sich oft als Vorreiter für den Straßenverkehr sieht, die Kehrtwende machen. 

"Innovation ist alles gut, solange man es kontrollieren kann - und vor allem, solange es sinnvoll ist", sagt Ex-Pilot Ralf Schumacher im Podcast "Backstage Boxengasse": "Finanziell, aber auch wirklich dann für die Automobilindustrie." Für die Hybridtechnik sei die Formel 1 jetzt nicht mehr unbedingt der Treiber, befand Ralf Schumacher. Sein Sky-Expertenkollege Timo Glock brachte auch noch den Emotions-Faktor ins Spiel. 

Timo Glock fuhr selbst auch in der V8-Ära. (Archivbild)
Timo Glock fuhr selbst auch in der V8-Ära. (Archivbild) Bild: picture alliance / dpa

"Sound, Sound, und noch mal Sound", sagte er. Wenn der V8 ein Jahr früher zurückkomme, sei das umso schöner. "Das ist das, woran ich mich erinnere: Als ich damals in die Formel 1 gekommen und in die Box reingelaufen, wenn der Motor warmgelaufen ist, habe ich Gänsehaut bekommen und bin rückwärts wieder rausgegangen vor Ehrfurcht", betonte Glock - von 2006 bis 2013 wurden die Autos von V8-Aggregaten angetrieben. 

Die andere Diskussion geht um die Sofortmaßnahmen in dieser Saison. Die jüngste nennt sich ADUO. Die Abkürzung steht für "Additional Development and Upgrade Opportunities" - zu deutsch: zusätzliche Entwicklungs- und Upgrade-Möglichkeiten. Bedeutet, dass Hersteller am eigentlich homologierten Motor Verbesserungen vornehmen können. Voraussetzung: Er liegt mit deinem Verbrenner mindestens zwei Prozent hinter dem besten im Feld. 

Seriensieger-Team Mercedes mit Ansage

Fia-Technikchef Nikolas Tombazis stellte klar, dass die Regel in den Statuten ab dieser Saison "keine Wunderwaffe" sei. Skepsis aber bleibt. "Das Prinzip von ADUO war, Teams zu helfen, die beim Antrieb im Hintertreffen sind, damit sie aufholen können - aber nicht, um andere zu überholen", betonte bereits Mercedes-Motorsportchef und Teamchef Toto Wolff. Die Silberpfeile sind die Abräumer der bisherigen Saison, die bereits am 8. März startete, aber nach den Absagen von Bahrain und Saudi-Arabien wegen des Iran-Kriegs erst auf vier Grand Prix kommt. 

Toto Wolff steht einer V8-Rückkehr offen gegenüber. (Archivbild)
Toto Wolff steht einer V8-Rückkehr offen gegenüber. (Archivbild) Bild: Philipp von Ditfurth/dpa

Alle vier gewann ein Mercedes-Pilot, zum Auftakt George Russell, dann Kimi Antonelli. Der Italiener führt im Klassement vor dem Großen Preis von Kanada an diesem Wochenende vor dem Briten. 

Im Teamklassement liegt Mercedes auch auf Platz eins. Verfolger Ferrari könnte nun vom ADUO-Passus profitieren. Wolff betonte daher bereits: "Es muss absolut klar sein, dass jede Entscheidung darüber, welches Team ADUO erhält, große Auswirkungen auf das Leistungsgefüge und die Meisterschaft haben kann, wenn sie nicht mit absoluter Präzision, Klarheit und Transparenz getroffen wird." Klar ist wohl vor allem, dass Motoren-Diskussionen so schnell nicht aufhören. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
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