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"Happy End": Zverev kürt sich zum Grand-Slam-Champion

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Alexander Zverev hält dem Titeldruck bei den French Open stand und legt sein Final-Trauma ab. Diesmal scheitert der Tennisprofi kurz vor dem Ziel nicht - sondern tritt in Boris Beckers Fußstapfen.

Paris.

Als Alexander Zverev das Objekt der Begierde endlich überreicht bekam, küsste er den Coupe des Mousquetaires, streichelte ihn zärtlich und hielt ihn wie ein Baby in seinen Armen. "Jetzt ist es endlich ein Happy End", sagte der deutsche Tennisstar bei der Siegerehrung der French Open auf dem Court Philippe Chatrier und ergänzte in Richtung seiner Box: "Wir waren eine Zeit lang auch Verlierer in den entscheidenden Momenten, aber am Ende des Tages sind wir jetzt Grand-Slam-Champions - und das ist das, was zählt."

Durch den historischen Finalsieg in Paris feierte der Tennisstar den sehnlichst erwarteten ersten Grand-Slam-Titel und legte seinen Makel als der "Unvollendete" ab. Mit einem Kraftakt gewann der körperlich angeschlagene 29-Jährige im Fünfsatzkrimi gegen den Italiener Flavio Cobolli (24) mit 6:1, 4:6, 6:4, 6:7 (5:7), 6:1 und kürte sich auf dramatische Weise zum verdienten Sieger des Sandplatz-Spektakels in Paris. 

Trost für den Gegner

Als Zverev nach 4:16 Stunden seinen zweiten Matchball verwandelte, ließ er sich völlig erschöpft rücklings auf den Sand fallen und schluchzte. Danach tröste er seinen Finalgegner. 

Der Moment des großen Triumphs von Alexander Zverev.
Der Moment des großen Triumphs von Alexander Zverev. Bild: Aurelien Morissard/AP/dpa

Vor ihm hatte hier seit Beginn der Profiära 1968 kein männlicher Tennisspieler aus Deutschland triumphiert. Zverev hielt auch im Final-Showdown dem großen Titel-Druck stand und gewann als erster deutscher Mann seit Boris Becker vor 30 Jahren bei den Australian Open einen Grand-Slam-Titel. "Er hat das mehr als verdient", sagte Becker bei Eurosport: "Das ist unglaublich, ich bin sehr stolz auf ihn."

Für den Sieg bei einem der vier wichtigsten Turniere benötigte Zverev 41 Anläufe, dreimal war er auf teils dramatische Weise erst im Finale gescheitert - doch diesmal nicht. Für die Siegerehrung zog er sich ein frisches Shirt an, denn das alte hatte einen großen Salzrand aufgrund des Schweißverlustes. 

Zverev profitierte auch von der Konkurrenz

Der Hamburger legte sein Final-Trauma ab und zeigte angesichts körperlicher Probleme ab dem vierten Satz Kämpferqualitäten. Er belohnte sich für seine Hartnäckigkeit, auch nach niederschmetternden Niederlagen, schweren Verletzungen und großen Zweifeln von außen immer an seine Chance geglaubt zu haben. Die war diesmal nach dem frühen Ausscheiden der Topstars Jannik Sinner und Novak Djokovic und dem Fehlen des verletzten Titelverteidigers Carlos Alcaraz so groß wie nie - und Zverev nutzte die Gunst der Stunde. 

Der Olympiasieger von 2021 wurde am Ende seiner Favoritenrolle gerecht. Der Titel seiner Doku "Der Unvollendete" war damit keine Prophezeiung. Stattdessen erfüllte sich für ihn der Spruch auf der Tribüne des Final-Stadions Philippe Chatrier: "victory belongs to the most tenacious" - der Sieg gehört dem Hartnäckigsten. 

Zverevs dominanter Start

Zverev war gegen Final-Debütant Cobolli zu Beginn der dominantere Spieler mit den präziseren Schlägen. Vor allem beim Aufschlag war ein Klassen-Unterschied deutlich, sodass Zverev dem Italiener im gewonnenen ersten Satz gleich dreimal breaken konnte.

Cobolli hatte im Halbfinale kampflos gewonnen, weil sein Gegner und Landsmann Matteo Arnaldi krankheitsbedingt nicht antreten konnte. Körperlich sicher ein Vorteil, doch der Weltranglisten-14. wirkte zunächst mental nicht auf der Höhe. Früh diskutierte er mit seiner Box und machte es Zverev mit vielen unerzwungenen Fehlern relativ leicht.

In Zverevs Box fieberte auch Oma Natalia (oben, weiße Kopfbedeckung) mit.
In Zverevs Box fieberte auch Oma Natalia (oben, weiße Kopfbedeckung) mit. Bild: Aurelien Morissard/AP/dpa

Das Publikum versuchte, Cobolli mit Applaus und Rufen aufzubauen. Daraus zog der Außenseiter im zweiten Satz neue Energie - und plötzlich wackelte auch Zverev. Das verlorene Aufschlagspiel zum 3:4 machte seinen Gegner noch mutiger, er nutzte fast jede Chance für einen Gewinnerschlag und holte Satz Nummer zwei. "Nicht zu glauben, wie Cobolli jetzt aufdreht", sagte der dreimalige Wimbledon-Gewinner Becker bei Eurosport.

Körperliche Probleme bei Zverev

Auf das riskante Spiel seines Gegners stellte sich Zverev dann etwas besser ein. Durch ein Break im letzten Spiel gewann er den dritten Satz, doch im vierten Durchgang schwächelte Zverev. Er bewegte sich nicht mehr so gut und auch sein erster Aufschlag fand nicht mehr wie gewohnt sein Ziel. Als Cobolli zum Satzgewinn aufschlug, mobilisierte Zverev alle Kraftreserven - doch im Tiebreak musste er den Durchgang dann doch abgeben. Bei einer Pause war er zuvor auf der Bank an den Oberschenkeln massiert. 

Auch fünften Durchgang war Zverev angeschlagen - doch die größeren Fehler machte Cobolli. Zverev reagierte selbst bei den Breakgewinnen kaum emotional - wohl auch, um Energie zu sparen. 

Dass Zverev seinen Sehnsucht-Titel auf seinem Lieblingsbelag Sand in Paris holte, macht die Erfolgsgeschichte noch runder. Hier hatte er sich in Topform im Halbfinale 2022 gegen den Spanier Rafael Nadal schwer am Fuß verletzt und war als tragischer Verlierer mit einem Rollstuhl vom Platz gefahren worden. Vier Jahre später konnte sich Alexander Zverev auf dem Court Philippe Chatrier als strahlender Sieger feiern lassen. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
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