Alexander Zverev beim Aufschlag.
Alexander Zverev beim Aufschlag. Bild: Christophe Ena/AP/dpa
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Zverev bereit für finalen Schritt zur Karriere-Krönung

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Pleiten, Zweifel, Verletzungen: Alexander Zverev blieb ein Grand-Slam-Titel bislang verwehrt. Das soll sich am Sonntag bei den French Open ändern - doch dafür muss ein Sieg gegen Kumpel Cobolli her.

Paris.

Beim finalen Schritt zu seiner Karriere-Krönung will sich Alexander Zverev auch nicht von seinem liebenswerten Kumpel Flavio Cobolli aufhalten lassen. "Für mich ist er einfach ein netter Mensch. Er hat ein gutes Herz", sagte der deutsche Tennisstar - doch die Freundschaft mit dem Italiener wird während des Final-Showdowns bei den French Open am Sonntag (15.00 Uhr/Eurosport/Nitro) ruhen. "Natürlich versucht man immer noch, den Gegner zu schlagen und zu gewinnen, aber das ist in Ordnung."

Für ihn und auch Cobolli sei ein Grand-Slam-Finale "die höchste Stufe im Tennis", und es sei "schön, das zu teilen". Den Titel will er aber ganz für sich alleine. Im 41. Anlauf kann es tatsächlich endlich mit dem von ihm so ersehnten Grand-Slam-Triumph klappen.

Zverev (29) wäre der erste männliche Tennisprofi aus Deutschland, der seit Beginn der Profiära 1968 beim Sandplatz-Klassiker in Paris gewinnt. Der bislang letzte Grand-Slam-Erfolg eines deutschen Mannes liegt bereits 30 Jahre zurück, damals holte Boris Becker bei den Australian Open seinen sechsten und letzten Sieg bei einem der weltweit vier wichtigsten Turniere.

Becker: Zverev geht mit Druck "hervorragend" um

Becker ist angetan von den Leistungen des Hamburgers - und fast noch mehr von dessen mentaler Stärke. "Seit der Niederlage von Jannik Sinner redet jeder davon, dass Alexander Zverev nun der Favorit ist", sagte der Eurosport-Experte: "Er geht damit hervorragend um, denn der Druck liegt bei ihm, egal, was er sagt."

Den großen Titeldruck durch Sinners frühes Aus und das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Carlos Alcaraz meistert Zverev in der Tat bislang tadellos. Auch der 7:5, 6:2, 3:6, 6:3-Halbfinalsieg gegen den Tschechen Jakub Mensik geriet deshalb nie wirklich in Gefahr.

Cobolli dürfte ihn etwas mehr fordern. "Er ist super talentiert, super jung, er verbessert sich immer wieder", sagte Zverev über den Finalisten des Sandplatz-Turniers in München, den er bei bislang vier Duellen dreimal besiegen konnte.

Dass der 24-jährige Cobolli im Halbfinale gar nicht spielen musste, weil sein Gegner und Landsmann Matteo Arnaldi krankheitsbedingt kurzfristig absagen musste, mache für ihn "keinen Unterschied", meinte Zverev: "Ich fühle mich gut, ich habe auch keine brutal langen Matches gehabt."

"Alles andere ist mir egal"

Und auch der Kopf spielt bislang mit. Damit das so bleibt, wird der Olympiasieger von 2021 seine "Von-Match-zu-Match"-Mentalität auch vor dem Finale nicht ablegen. "Ich habe mich auf meine Sachen konzentriert, und das werde ich weiterhin tun. Das Einzige, worauf ich Einfluss habe, ist mein nächstes Match", sagte er. Seine einzige Aufgabe sei "der Gegner, der vor mir steht", betonte Zverev, "und alles andere ist mir egal".

Für Becker ist das die genau richtige Strategie: "Er schottet sich ab, er hat seine Familie um sich und spielt vor allem hervorragendes Tennis - und zwar genau dann, wenn er es muss."

Happy End nach zahlreichen Rückschlägen?

Das war in der Vergangenheit oft nicht so. Seine drei bisherigen Grand-Slam-Finals hat Zverev alle verloren: 2020 bei den US Open fehlten ihm im Match gegen seinen österreichischen Kumpel Dominic Thiem zwei Punkte zum Sieg. 2024 in Paris musste er sich im Fünfsatz-Krimi Alcaraz geschlagen geben. Und im Vorjahr war er bei den Australian Open gegen Sinner chancenlos.

Ein wohl noch größerer Rückschlag war das Halbfinale in Roland Garros vor vier Jahren, als sich Zverev auf Augenhöhe mit dem spanischen Sandplatz-König Rafael Nadal präsentierte, dann aber umknickte und sich schwer am Fuß verletzte. Die Bilder, wie der Deutsche im Rollstuhl vom Platz gefahren wurde, bleiben in Erinnerung.

Jetzt aber kann sich Zverev für das Aushalten all des Schmerzes, der Rückschläge und auch Zweifel belohnen. Wenn er am Sonntag auf der Bank des Final-Stadions Philippe Chatrier sitzt, kann er auf der gegenüberliegenden Tribünenseite problemlos den Schriftzug "victory belongs to the most tenacious" lesen. "Der Sieg gehört dem Hartnäckigsten" - das könnte auch Zverevs Final-Motto sein. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
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