Wintersport
Nach Olympia-Frust: DEB-Auswahl mit vielen WM-Fragezeichen

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Kritik von Superstar Leon Draisaitl, Mut von Moritz Müller: Die DEB-Auswahl sucht nach Rückschlägen die neue, alte Stärke. Weniger Stars, aber mehr Zusammenhalt soll den Unterschied machen.

Zürich.

Olympia-Enttäuschung im Rücken, zahlreiche Absagen von NHL-Stars um Superstar Leon Draisaitl: Die Eishockey-WM startet für die deutsche Nationalmannschaft mit großen Fragezeichen. Ein Jahr vor der Heim-WM sucht das Team von Bundestrainer Harold Kreis nach einer neuen Identität. Endet auch das Turnier in der Schweiz ab Freitag (16.20 Uhr/ProSieben und MagentaSport) mit dem Auftaktspiel gegen Finnland mit einer Enttäuschung, wird auch die Kritik am Coach und Sportvorstand Christian Künast größer werden. "Ich verspüre nicht mehr Druck als sonst", entgegnete Kreis.

In Zürich steht von Beginn an der Team-Gedanke wieder im Mittelpunkt. Anders als bei der letzten WM in Dänemark, als nach der Vorrunde Schluss war, obwohl mit Moritz Seider oder Tim Stützle Top-Personal vorhanden war. Anders vor allem als bei Olympia in Mailand, als alle in Superlativen über die deutschen Superstars wie Draisaitl, Stützle und Co. geschwärmt hatten. Die vielleicht beste Auswahl des Deutschen Eishockey-Bunds (DEB) war in Italien keine funktionierende Mannschaft. Das 2:6-Debakel im Viertelfinale gegen die Slowakei sorgte für mächtig Ernüchterung und viel Frust. 

DEB-Sportvorstand Christian Künast sieht die DEB-Auswahl nach zwei Enttäuschungen gut gerüstet. (Archivbild)
DEB-Sportvorstand Christian Künast sieht die DEB-Auswahl nach zwei Enttäuschungen gut gerüstet. (Archivbild) Bild: Sebastian Kahnert/dpa

Die Kritik nach Olympia fiel daher von Draisaitl deutlich aus. "Auf dem Niveau ist das zu schwer, wenn nicht alle auf der gleichen Seite sind und alle wissen, wie wir spielen wollen", monierte der Superstar und meinte damit Spieler wie auch den Trainerstab. Draisaitls Worte waren auch an den DEB gerichtet, der selbstkritisch Fehler zugab. "Wir waren gut vorbereitet, aber wir waren nicht top vorbereitet. Das beginnt bei mir – weil ich der Vorstand Sport bin", bestätigte Künast bei MagentaSport.

Rückschläge vor Turnierstart

In Zürich soll alles besser werden, es muss vieles besser werden. Doch es gab Rückschläge: Draisaitl, Stützle und JJ Peterka sagten für die WM ab. Der langjährige Kapitän Moritz Müller entschied sich dafür, bei MagentaSport als Experte aufzutreten. Neben statt auf dem Eis. Müller war einer der Kritiker, der bei den Winterspielen das Auftreten und die Spielweise des deutschen Teams angemahnt hatte. 

Der 39-Jährige sieht den aktuellen Kader aber auf einem guten Weg. "Diese Mannschaft hat die Chance, als Mannschaft erfolgreich zu sein. Es schaut nicht ein Teil auf bestimmte Jungs, die dann das Gefühl haben, sie müssen es alleine richten – wie es vielleicht in der jüngeren Vergangenheit war", erklärte er.

Weniger High End, mehr Teamgeist

In der knapp vierwöchigen Vorbereitungsphase ist die Suche nach der verlorenen gegangenen Identität und die zuletzt fehlende Geschlossenheit allgegenwärtig. "Der Team-Gedanke war und ist der Schwerpunkt", sagte Marc Michaelis von den Adler Mannheim. Kai Wissmann von Meister Eisbären Berlin sagte: "Wir haben nicht so viel NHL-High-End-Qualität wie bei Olympia, aber verfügen über eine gute Defensive und Teamgeist." Immerhin sind in Weltklasse-Verteidiger Seider, Torhüter Philipp Grubauer, Joshua Samanski (Edmonton Oilers) sowie kurzfristig noch Lukas Reichel vier NHL-Verstärkungen dabei.

Bundestrainer Kreis lobte nach der vierwöchigen Vorbereitungsphase. "Es ist eine Mannschaft, die sehr gut beisammen ist", sagte der 67-Jährige. Auch die vielen Wechsel im Kader durch die späteren Einstiege haben das nicht verändert. "Die Neuen, die dazugekommen sind, sind in eine intakte Gruppe hinzugekommen", sagte der Coach.

Seider fordert wichtige Tugenden

Mit weniger NHL-Stars, dafür aber mit den lange bekannten Tugenden, soll die Runde der besten Acht erreicht werden. Ein Jahr vor der Heim-WM in Mannheim und Düsseldorf hofft der DEB so auf ein dringend benötigtes Erfolgserlebnis. Kapitän Seider erklärte: "Stolz, Wille und Leidenschaft - darauf kommt es dieses Jahr ein Stück mehr an."

Moritz Müller wird bei der Eishockey-WM neben statt auf dem Eis stehen. (Archivbild)
Moritz Müller wird bei der Eishockey-WM neben statt auf dem Eis stehen. (Archivbild) Bild: Carolyn Kaster/AP/dpa

Für Moritz Müller sind die Begriffe selbstverständlich. "Darüber darf man gar nicht mehr sprechen", sagte er. Er forderte, den in den vergangenen Jahren gewonnen Glauben und den Mut beizubehalten, mit dem Puck zu spielen, anstatt dem Gegner die Scheibe zu überlassen. "Die Deutschen sind besser als sie denken. Sie glauben nur selber nicht immer daran", sagte er bei MagentaSport. Dem Gegner die Scheibe ab sofort wieder zu überlassen, sei laut Müller der falsche Weg.

Start gegen Finnland

Mit dem Olympia-Dritten Finnland wartet am Freitag zum Start ein Mitfavorit auf den WM-Titel. Danach folgt mit Lettland womöglich der Hauptgegner um Platz vier, der zum Einzug ins Viertelfinale reicht. "Wir möchten uns schnell in einen Groove spielen und Selbstvertrauen aneignen", sagte Seider. "Dann sind wir für jeden Gegner eine eklige Mannschaft." (dpa)

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