Experten schätzen vor Gericht Pferde aus dem Raum Reichenbach als ausgehungert ein

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Mit der Aussage von vier Zeugen wurde am Mittwoch vor dem Auerbacher Amtsgericht eine Verhandlung wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz fortgesetzt.

Auerbach/Reichenbach.

Der Prozess gegen eine Tierhalterin aus der Reichenbacher Region ist am Mittwoch am Amtsgericht Auerbach fortgesetzt worden. Ihr wurde der Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vorgeworfen. Gegenstand des Verfahrens sind drei verendete Pferde, die Anfang September 2021 auf dem Hof bei einer anlassbezogenen Kontrolle gefunden wurden.

Laut Anklageschrift litten diese Tiere an starker Unterernährung und unterlassener parasitärer Behandlung. Am Ende könnte es die doppelte Anzahl werden. Das regte Staatsanwalt Oliver Grubert an, da er bei drei später verendeten oder eingeschläferten Tieren einen Zusammenhang mit dem Tatvorwurf sah. Die Angeklagte wollte selbst nicht aussagen. Sie wies die Vorwürfe über ihren Verteidiger vollumfänglich zurück. Sie habe die Pferde weder ohne Futter noch ohne ausreichende Behandlung gelassen.

Von ursprünglich acht geladenen Zeugen wurden am Mittwoch aus Zeitgründen lediglich vier Tierärzte in amtlichen Funktionen gehört. Als erstes trat Anne Schilder, Amtstierärztin des Vogtlandkreises, in den Zeugenstand. Sie war nach einem Anruf der Polizei auf den Hof gefahren und hatte dort zusammen mit den Beamten drei tote Pferde vorgefunden. Die Eigentümerin selbst sei nicht auf dem Hof gewesen. Bei den weiteren Vorortterminen war die Amtstierärztin nicht zugegen, griff jedoch in ihrer Zeugenaussage auf die Akten aus dem Verwaltungsvorgang zurück. Demnach wurde bei zwei weiteren Terminen auf dem Hof die Obduktion der drei toten Pferde angeordnet, der Zustand der anderen 30 Pferde dokumentiert und ihr Transport in die Inobhutnahme verfügt.

In der Fortsetzungsverhandlung am Mittwoch musste Bettina Thoß vom Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt des Vogtlandkreises wie schon beim Prozessauftakt Anfang März aussagen. Sie erklärte, dass es bereits Mitte August des vergangenen Jahres eine Anzeige im Amt gegeben habe, sie die Tierhalterin damals aber nicht erreicht habe. Bei dem Vororttermin habe ihr die Halterin gesagt, dass ihr Mitarbeiter die Anordnungen nicht befolgt habe. Er sollte die Tiere auf eine andere Weide bringen. Allerdings schloss die Tierärztin aus, dass sich der Zustand der Pferde in den ein oder zwei Wochen bis zur Kontrollen Anfang September 2021 derart verschlechtert habe.

Dr. Uwe Hörügel von der Sächsische Tierseuchenkasse erläuterte, wie er die Pferde für die Bestandsaufnahme untersucht habe. Nicht alle konnten dafür auf der Koppel eingefangen werden. In einem umfassenden Frage-Antwort-Abschnitt zwischen Verteidiger und dem Pferdeexperten wurde der Zustand der Pferde anhand des sogenannten Body-Condition-Scoring (BCS) diskutiert. Der BCS ist in einer Scala von 1 bis 9 unterteilt. 4 bis 6 würde dabei für ein normal ernährtes Pferd stehen. Viele der Pferde auf dem betroffenen Hof hatten nach seiner Einschätzung die BCS-Bewertung zwischen 1 und 2 - was ausgehungert bis sehr dünn bedeutet. Einige wurden in die Kategorie 3 bis 4 eingeordnet. Bei den meisten sei die Unterernährung deutlich sichtbar gewesen. Auf die Frage des Anwaltes, ob schlanke Pferde züchterisch gewünscht werden, erklärte Hörügel: "Ja, das ist möglich, aber nicht in dieser Form." Er habe die Pferde seit der Inobhutnahme zweimal begutachtet und dabei positive Veränderungen an Gewicht und Allgemeinzustand wahrgenommen.

Holger Behn machte seine Zeugenaussage im Auftrag der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen Sachsen. Dort wurden die drei toten Pferde obduziert. Bei einem der Tiere war die Verwesung bereits fortgeschritten, sodass die Angaben sehr vage ausfielen. Bei den anderen beiden Pferden wurde ein hoher Parasitenbefall festgestellt, der zumindest zum Teil bereits vor dem Tod vorhanden war. Daraus folgten Entzündungen und andere Beeinträchtigungen.

Für den Fortsetzungstermin am 24. Oktober sind fünf Zeugen geladen. Dann kommen auch der Mitarbeiter des Hofes und der Futterlieferant zu Wort.

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