Archäologen stoßen bei Kanalbau in Plauen auf historische Wasserleitung

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Der Zwav baut in Plauen am Netz der Zukunft und stieß auf vermutlich mittelalterliche Funde. Eines ist noch ungewiss.

Plauen. Manchmal schließt sich ein Kreis ganz plötzlich und auf kaum erwartete Weise. So geschehen bei den jetzt zu Ende gehenden Kanalbauarbeiten im Bereich der Alten und Neuen Elsterbrücke in Plauen. Der Zweckverband Wasser und Abwasser Vogtland (Zwav) ließ dort einen bis zu sieben Meter in die Tiefe reichenden neuen Kanal bauen - und dabei stieß die Baufirma UTR Schönbrunn auf eine historische hölzerne Wasserleitung.

Welchen Wert dieser und andere Funde haben, ist noch nicht gewiss. Doch gewiss ist, dass vor Jahrhunderten Menschen genau dort an Plauens Wasserversorgung gearbeitet haben, wo heute gewissermaßen ihre "Kollegen" vom Zwav mit dem Wasser- und Abwassernetz der Zukunft beschäftigt sind. Zwav-Geschäftsführer Henning Scharch macht keinen Hehl daraus, dass für ihn der günstige Bauverlauf und die Fertigstellung des Kanals im Vordergrund standen. Im Gegensatz zu Nicole Eichhorn. Die Archäologin hat die Baumaßnahme begleitet, mehrere Funde dokumentiert und geborgen. Jetzt wird alles untersucht.

Jene hölzerne Wasserleitung mit 25 Zentimeter Durchmesser und eisernen Muffen als Verbindungsstücken legte der Bagger samt einem kleineren Ab- oder Zulauf zwischen Gerberstraße und Neustadtplatz frei, dicht an der Alten Elsterbrücke. Gut möglich, dass es sich um mittelalterliche Funde handelt. "Genaueres sollen dendrochronologische Untersuchungen zeigen", sagt Christoph Heiermann, Pressesprecher im Landesamt für Archäologie Sachsen. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, das die jährlichen Wachstumsraten im Holz anhand der Jahresringe vergleicht. Mit Proben der Wasserleitung und Vergleichsmaterial, dessen Alter bekannt ist, lässt sich die Zeit ermitteln, in der das Holz der verwendeten Bäume gewachsen ist.

Zu den weiteren Funden gehören drei Holzpfosten, die im Bereich des geplanten Caravan-Platzes entdeckt wurden. Dieses Holz weist zu wenig Jahresringe auf, um mittels Dendrochronologie das Alter zu bestimmen. Da dort jedoch auch Keramik gefunden wurde, hoffen die Archäologen dennoch auf eine zeitliche Einordnung. Die Keramik stamme vermutlich aus dem Hochmittelalter (12./13. Jahrhundert) oder Spätmittelalter (bis etwa 1500), wie Christoph Heiermann erklärt.

Auch am anderen Ende des 210 Meter langen erneuerten Kanals sind die Altertumsforscher fündig geworden. Tief unter dem Neustadtplatz haben sie Abdrücke von Holzpfosten freigelegt. Diese sind im gewachsenen Boden gut erkennbar, darüber liegt eine dicke Schuttschicht. Mittelalterliche Funde schlummern in Plauens Boden mitunter dicht neben Schrott aus dem Zweiten Weltkrieg.

Ebenfalls aktiv sind Fachleute des Landesamtes für Archäologie auf Baustellen am Industrie- und Gewerbestandort Oberlosa. Dort werden keltische Hinterlassenschaften vermutet, etwa aus der Römischen Kaiserzeit (27 vor bis 284 nach Christi Geburt). Bis auf spärliche Keramik-Funde habe man bislang nichts entdeckt, so Christoph Heiermann. Die Arbeit gehe dort weiter.

Hauptbetätigungsfeld der Archäologen ist aber der Bereich, in dem Plauens Wurzeln liegen: Allein seit 2016 stießen sie am Schlossberg auf Scherben, Münzen und Brandschichten, am Topfmarkt auf einen Friedhof und am Komturhof auf Funde aus slawischer Zeit aus dem 11. Jahrhundert. Öffnet sich ein Fenster in die Vergangenheit, stehen die Archäologen bereit.

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