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Viele Entwässerungskanäle kommen in die Jahre. Hier ist die Firma Rohrrenovation Förster gefragt. Die Nachfrage wächst, sodass das vogtländische Unternehmen expandiert - mit einigen Hürden.
Was ist eigentlich eine Rohrrenovation? Der Betrieb von Dirk Förster in Pausa nennt sich so. Gearbeitet wird da, wo normalerweise keiner hinkommt und wo wohl auch keiner unbedingt hinmöchte. Für gewöhnlich sieht man nur die Schachtdeckel auf dem Asphalt, die verdecken, wo es hinab in die Tiefe zu den Entwässerungskanälen geht. Regelmäßig müssen diese überprüft und bei Bedarf erneuert werden - man kann auch renovieren sagen.
Auftraggeber sind Abwasserzweckverbände
Hier kommt die Rohrrenovation Förster GmbH in Pausa mit ihren 15 Mitarbeitern zum Zuge. Auftraggeber sind die Abwasserzweckverbände. „Viele Schächte sind an die 100 Jahre alt“, sagt Jürgen Birkholz, der technische Leiter des Unternehmens. Da stehe eine Sanierung an.
Dirk Förster, der aus Leipzig stammt, suchte in Pausa eine geeignete Halle für sein Unternehmen. Das war vor mehr als zehn Jahren. 2012 kaufte er das Fabrikgelände der früheren Pametall, auf welchem zuletzt Sattelitenschüsseln produziert wurden, bevor es jahrelang leer stand. Der volkseigene Betrieb (VEB) stellte dort vor der Wende Campinggeschirr, Grills und anderes mehr aus Weißblech her. Mit der Gründung der Rohrrenovation Förster zog nun wieder Leben in der Gartenstraße 19 ein. Neu ist das Bürogebäude. Dafür musste der frühere Speisesaal des Betriebes weichen, so Dirk Förster. „Eigentlich hatten wir schon im Jahr 2019 entschieden, an unserem Betriebssitz einen Büroneubau umzusetzen.“ Bisher war das Büro im Wohnhaus der Familie.
Bürobau zog sich hin
„Durch die Coronapandemie mussten wir den Beginn 2022 verschieben. In der zweiten Jahreshälfte 2024 haben wir nun von den neuen Räumlichkeiten Besitz ergriffen und so nach und nach funktioniert alles. Auch benötigtes Mobiliar ist endlich geliefert und installiert.“ Es gibt verschiedene Büros, eine offene Küche. Das ehemalige Zimmer des Betriebsdirektors mit den originalen weißen Fliesen ist heute das Archiv.
Auffällig im Haus sind die vielen Bilder an den Wänden. „Ich sammle historische Entwässerungspläne“, so Förster, der stets eine markante Brille und eine Schiebermütze trägt. So zeigt er etwa den Entwässerungsplan von Berlin 1925 oder den von Leipzig 1948. Und: „Wir denken, dass wir mit dem Büroneubau auch einen Grundstein für die Weiterentwicklung und das Bestehen des Unternehmens realisiert haben.
Wie nun die Sanierung eines alten Schachtes erfolgt? Gearbeitet wird mittels des innovativen Schachtsanierungssystems „Schachtliner“ mit dem Produkt „Vertiliner“. Per Scanner, der tief in den Schacht gelassen wird, können die Gegebenheiten erkundet werden. Peter Eschenbrenner aus Niederbayern, der das Verfahren erfunden hatte, führte dieses am Tag der Büroeinweihung in Pausa vor. Geöffnet wird dabei nur der Kanaldeckel. Es geht um die Form, die Beschaffenheit und die Tiefe, die Maße sind dann wichtig für die Produktion. Diese wird einige Wochen später vollzogen. Die Rohrrenovation Förster GmbH hat hierfür einen Lkw umgebaut. Ein Kran fährt eine etwa einen Zentimeter dicke Rollbahn aus. Diese besteht aus Glasfaser, mit Harz getränkt und wird in den Schacht eingeführt. Das Aluminium der Rollbahn liegt dann an der Schachtwand an, durch Luftdruck wird sie an die Wand gepresst, damit Dichtigkeit erreicht wird. Durch UV-Licht wird die Rollbahn ausgehärtet. „Das hält dann ewig“, sagt Jürgen Birkholz. Zwei bis drei Stunden dauert der gesamte Vorgang.
Nur wenige Firmen bieten das spezielle Sanierungsverfahren an
Das Verfahren gibt es nach Firmenangaben bislang in ganz Ostdeutschland nur einmal - in Pausa. In den alten Bundesländern wenden es sechs Firmen an. Kein Wunder also, dass die Pauser mit dem extra ausgestatteten Lkw bis nach Rostock oder ins Münchener Umland fahren, um tätig zu werden. „Wir hatten schon im Januar einen Auftragsbestand für die Anlage bis August“, informierte Förster. „Wir haben einen Umsatzzuwachs bis zu 200 Prozent.“ Freilich hat das moderne Verfahren auch seinen Preis. „400.000 Euro kostet die Anlage“, sagt der Geschäftsführer. Er sucht derzeit Mitarbeiter für sein Unternehmen. Das Problem: „Das Berufsbild gibt es gar nicht“, so Dirk Förster. (sim)





