Mehr als 1000 Vogtländer machen bei Typisierungsaktion für krebskranke Anna mit

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

Das Schicksal einer jungen Frau bewegt die Gemüter: Die kranke Plauenerin braucht eine Stammzellenspende. Ihre Mitschüler organisierten am Mittwoch eine Aktion.

Plauen. .

Lang warten und sich in einer Schlange anstellen, um einen Test machen zu lassen? Das musste am gestrigen Mittwochnachmittag im Diesterweg-Gymnasium niemand. Vielmehr lief bei der öffentlichen Stammzellentypisierung, mit deren Hilfe die 16-jährige Anna einen Lebensretter finden könnte, alles am Schnürchen: Mund auf, Stäbchen rein und ab mit der DNA-Probe in den kleinen Papierumschlag! Das dauerte gerade mal fünf Minuten.

Dass alles so gut klappte und zudem ratzfatz ging, sei vor allem der aktiven Schülerschaft zu verdanken, lobte Direktorin Petra Engelhardt. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Stammzellenspenderdatei (DSD) organisierten sie die Testung der zahlreichen Plauener. Eine oder einer von ihnen könnte im Idealfall der genetische Zwilling von Anna sein. Die Schülerin der elften Klasse ist an einer Vorstufe von Leukämie (Blutkrebs) erkrankt. Sie muss nun schnellstmöglich einen gesunden Menschen finden, dessen Blutstammzellen ähnlich der ihren sind. Denn es geht für die junge Frau um Leben oder Tod. Nur einen Tag vor Heiligabend erhielt sie die Diagnose. Mitschüler und Lehrer waren geschockt, als sie es erfuhren.

"Wir sind überwältigt davon, wie viele jetzt helfen wollen", so Hauptinitiatorin Antonia Lotze. Sie ist eine Freundin von Anna, besucht mit ihr mehrere Grund- und Leistungskurse. Innerhalb von acht Tagen haben Antonia und ihre Mitstreiter die Aktion aus dem Boden gestampft: Für Anna, welche momentan in der Uniklinik in Jena stationär behandelt wird. Sie sei sehr froh und dankbar für all das Engagement, schildert Antonia die Reaktion von Anna. Doch zuviel Hoffnung, um dann vielleicht enttäuscht zu werden, mache sie sich nicht.

Auch wenn sich unter den vielen Frauen und Männern im Alter von 17 bis 55 kein potenzieller Spender befinden sollte, vergebens war der vergleichbar kleine Aufwand keineswegs. Denn: "Falls Anna nicht geholfen werden kann, kommt man möglicherweise für eine andere Person infrage", erklärt die gerade 17 Jahre gewordene Antonia. Die deutsche Spenderdatenbank könne nämlich international eingesehen werden - und umgekehrt. Auch Thomas Bischoff, Referent der DSD mit Sitz in Dessau-Roßlau, sieht diesen Fakt als großes Plus. "Wer einmal bei uns registriert ist, auf dessen Stammzellen kann zugegriffen werden." Von der Welle der Hilfsbereitschaft in Plauen war Bischoff begeistert. Sein Kommentar: "Wahnsinn!" Ebenso freute er sich über den Einsatz der Lehrer und der zehn Schüler, die bei der Aktion vor Ort waren.

Der Hilfegedanke, er stand freilich auch bei den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Neundorf im Mittelpunkt. Ein Großteil von ihnen war gemeinsam in voller Feuerwehr-Montur angerückt, um sich testen zu lassen. "Wir saßen am Samstag nach einem Einsatz zur Besprechung zusammen", berichtet Philipp Adler. Die Retter seien dabei recht schnell auf das Thema Typisierung gekommen. "Wir haben den Aufruf dazu in der 'Freien Presse' gelesen, und auch in den sozialen Netzwerken wurde er überall geteilt", so Adler. Dass ein so junger Mensch nicht leben soll, das sei allen ans Herz gegangen. Einige hätten auch Kinder in dem Alter, sagt der 36-Jährige. Persönlich bekannt sei Anna aber keinem der Kameraden. Leider hätten nicht alle Feuerwehrleute teilnehmen können. Manche seien laut der DSD-Bestimmungen einfach schon zu alt. Dass die Kameraden eben nicht jünger werden und es auch kaum Nachwuchs gibt, sei aber eine andere Sache, sagt Adler.

Bis zum Ende der vierstündigen Aktion zählten die Veranstalter weit über 1000 Freiwillige, die für Anna gern ihre Stammzellen spenden würden. Es dauere nun ein paar Tage, bis alle Daten ausgewertet sind, so DSD-Sprecher Bischoff. Wenn der Glücksfall für Anna eintritt, wird ihr möglicher Retter sofort informiert.

Das könnte Sie auch interessieren