Rettungskräfte im Vogtland weiter im Dauereinsatz - Talsperre Pirk fast voll

Ein schweres Unwetter zog am Donnerstag über das Vogtland hinweg. Die Feuerwehr vermeldete 260 Einsätze zwischen Donnerstag und Freitagmorgen.

Plauen/Oelsnitz/Adorf. Einen Tag nach den schweren Unwettern im Vogtland sind die Rettungskräfte noch immer im Dauereinsatz. Besonders schwer betroffen ist das Elstertal zwischen Bad Elster und Plauen. Bis Freitag, 6 Uhr, hatte die Rettungsleitstelle wetterbedingte 260 Einsätze bearbeitet. Hinzu kommen noch eine größere Anzahl von Einsätzen, die die Feuerwehren selbst übernommen haben. "Die Leitstelle war personell hochgefahren und konnte alle Notrufe und Hilfeersuchen adäquat abarbeiten", sagte Jens Leistner, Geschäftsführer des Rettungszweckverbandes Südwestsachsen.

Schwerpunkte der Einsätze am Freitag liegen in Adorf, Markneukirchen, Oelsnitz, Weischlitz und Plauen. In Weischlitz ist der Bereich des historischen Guts stark betroffen - dort hatte bereits das Hochwasser im Jahr 2013 schwere Schäden angerichtet. Auch der Sportplatz ist erneut überflutet worden. 

Sascha Aurich

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Nach Polizeiangaben behinderten Schaulustige teilweise den Einsatz der Rettungskräfte, wie zum Beispiel in Adorf, wo einige Gebäude im Bereich der Weißen Elster durch Feuerwehr und THW evakuiert wurden. Zahlreiche Gaffer fanden sich auch in Pirk ein, weil die Talsperre wegen erhöhtem Wasserpegel kontrolliert abgelassen wird. Die Polizei sprach ihnen einen Platzverweis aus.

Bei dem Unwetter sind mehrere Menschen leicht verletzt worden. Ein Mann erlitt in Oberhermsgrün einen Stromschlag, als in seiner Nähe ein Blitz einschlug, wie die Polizei bereits in der Nacht mitteilte. Er wurde ins Krankenhaus gebracht, war aber nicht lebensgefährlich verletzt. Einige Hausbewohner sind zum Beispiel umgeknickt, als sie versuchten, Wasser aus den vollgelaufenen Kellern zu pumpen, wie die Feuerwehr mitteilte. In vielen Häusern waren die Keller vollgelaufen und die Menschen sind auf die Hilfe der Einsatzkräfte angewiesen.

 

Informationen zur aktuellen Lage

16.56 Uhr: Der Deutsche Wetterdienst gibt eine Unwetterwarnung für die oberen Lagen des Vogtlandes aus. Dort sei mit schweren Gewittern zu rechnen. Ausgerufen wird die Warnstufe 2 von 4. Sie gilt zunächst bis 17.30 Uhr.

 

 

15.10 Uhr: Die B 283 zwischen Adorf und Markneukirchen ist wieder befahrbar. Die Straße ist halbseitig gesperrt; der Verkehr wird über eine Ampel geregelt. Das teilte der Rettungszweckverband "Südwestsachsen" mit.

15.00 Uhr: Die Vogtlandbahn hat einen Teil ihrer Streckensperrungen wieder aufgehoben. Dem Unternehmen zufolge wurde der Zugverkehr der RB 4 zwischen Weischlitz und dem thüringischen Greiz am Mittag wieder aufgenommen. Die Sperrung der Strecke zwischen Weischlitz und Bad Brambach, auf der die RB 2 verkehrt, ist unverändert und soll noch bis zum Samstag anhalten. Zur Mitteilung der Vogtlandbahn

14.43 Uhr: Die Talsperre Pirk hat zum zweiten Mal die Grenze ihres Fassungsvermögens - rund 7,8 Millionen Kubikmeter - erreicht. Binnen Stunden war der Stauraum komplett gefüllt, so dass das Wasser über die Hochwasserentlastungsanlage abgegeben werden musste, wie die Landestalsperrenverwaltung mitteilte. Der Stauraum für Hochwasser stand zu Beginn der Starkniederschläge am Donnerstag vollständig zur Verfügung, hieß es weiter. Wegen der großen Wassermenge musste aus der Talsperre kontrolliert Wasser abgelassen werden. Noch am Freitagnachmittag befand sich die Talsperre im Überlauf. Zudem floss weiter Niederschlagswasser aus dem Einzugsgebiet der Talsperre nach. Der Überlauf aus der Talsperre wird so gesteuert, dass der Pegel Magwitz unterhalb des Staudamms unter dem Niveau der Alarmstufe 3 gehalten werden kann.

14.05 Uhr: Der Deutsche Wetterdienst hat nach dem Umwetter vom Donnerstag erste Messergebnisse zur Niederschlagsmenge in Sachsen veröffentlicht. Demnach wurden in Bad Elster über 24 Stunden hinweg 152 Liter pro Quadratmeter gemessen. Die Stadt ist damit Spitzenreiter, gefolgt von Plauen mit 92 Liter pro Quadratmeter und Klingenthal mit 43 Liter pro Quadratmeter. Zur Messwerttabelle des Deutschen Wetterdienstes

11.29 Uhr: Die Vogtlandbahn hat die Sperrung ihrer Strecken ausgeweitet. Wie das Unternehmen mitteilte, wurde der Zugverkehr der RB 4 zwischen dem sächsischen Weischlitz und Greiz in Thüringen komplett eingestellt. Grund dafür sind unwetterbedingte Gleisüberspülungen. Es gibt eingeschränkten Schienenersatzverkehr. Das Unternehmen stellte in Aussicht, dass ab dem Nachmittag der Zugverkehr wieder aufgenommen werden könnte. Man werde gemeinsam mit der DB Netz AG an der schnellen Behebung der Schäden arbeiten. Neben den unpassierbaren Strecken hatte die Vogtlandbahn auch mit technischen Störungen zu kämpfen. Nach eigenen Angaben arbeiten die Auskunftssysteme nicht korrekt. Reisende, die sich im Internet über Zugausfälle oder Ersatzverkehr informieren wollten, bekommen demnach fehlerhafte Auskünfte angezeigt. Zur Mitteilung der Vogtlandbahn

11.15 Uhr: Das Gesundheitsamt im Vogtlandkreis warnt in den betroffenen Überschwemmungsgebieten vor hygienischen Risiken und fäkal-oral übertragbaren Krankheiten. Die Behörde empfiehlt besondere Schutzmaßnahmen bei Aufräumarbeiten, Vorsicht beim Verzehr von Lebensmitteln und beim Genuss von Brunnenwasser. Zur Pressemitteilung

10.57 Uhr: Mittlerweile ist der Pegel an der Weißen Elster in Oelsnitz wieder deutlich gesunken. Er lag gegen 10 Uhr bei 1,46 Meter. Normal sind in diesem Bereich 35 Zentimeter. Am Donnerstag gegen 20 Uhr erreichte der Pegel sogar 2,14 Meter - der Pegelstand übertraf damit das Jahrhunderthochwasser von 2013 um 20 Zentimeter.

10.49 Uhr: Erste Bilanz zum Hochwasser in Oelsnitz: Feuerwehr rückte zu 75 Einsätzen aus. Der Dramatischste: In der Ortslage Oberhermsgrün mussten vier Kinder und drei Hunde vom Dach eines Hauses gerettet werden. Die Fluten hatten das Gebäude in der Tallage komplett eingeschlossen. Oberhermsgrün ist weiterhin am schlimmsten betroffen. Die Gemeinde ist aktuell von der Außenwelt abgeschnitten, weil die Ortsverbindungsstraße komplett zerstört ist. "Wir wollen dort jetzt schnell eine Baustraße bauen", informierte der Oelsnitzer Oberbürgermeister Mari Horn (CDU) am Vormittag. Parallel soll die Bevölkerung versorgt werden. In Oelsnitz waren rund 200 Einsatzkräfte bis nachts gegen vier Uhr im Einsatz.Das Oelsnitzer Freibad Elstergarten blieb von den ganz großen Schäden offenbar verschont. Die Technik überstand das Wasser, auch die Becken blieben von Schlamm verschont. Das Außengelände ist jedoch zerstört.

10.00 Uhr: Die Wasserpegel fallen langsam, teilte das Hochwasserzentrum mit. Örtlich sind noch Starkniederschläge zu erwarten.

9.48 Uhr: Um sich ein Bild von den Unwetterschäden zu machen, wird Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) am Freitagmittag im oberen Vogtland erwartet.

9.45 Uhr: In Plauen gab es bis zum frühen Freitagmorgen 43 Einsätze im Stadtgebiet, bei denen alle neun Ortsfeuerwehren sowie die Berufsfeuerwehr inklusive dienstfreiem Personal mit insgesamt 70 Einsatzkräften im Dauereinsatz waren. Weitere 10 Mitarbeiter vom Fachbereich Sicherheit und Ordnung waren zur Unterstützung im Einsatz. 30 freiwillige Helfer fanden sich in der Feuerwache ein und befüllten Sandsäcke, teilte die Stadtverwaltung Plauen mit.

9.42 Uhr: Der Pegel der Weißen Elster im Plauener Ortsteil Straßberg erreichte in der Nacht einen Höchststand von 3,95 Meter. Zum Vergleich: Beim schweren Hochwasser 2013 waren es laut Stadtverwaltung 4,31 Meter gewesen. Einen Einsatzschwerpunkt bildete die Mühle Straßberg, die durch den Einsatz von leistungsstarken Pumpen vor einem Wassereinbruch geschützt werden konnte. Des Weiteren wurden Schutzmaßnahmen am Plauener Stadtbad und der Sparkasse Komturhof veranlasst sowie im Gefahrenbereich befindliche Firmen informiert. Zum jetzigen Zeitpunkt sind noch zwei Feuerwehren an der Mühle Straßberg tätig, eine weitere Ortsfeuerwehr fährt Einsätze im Stadtgebiet.

9.20 Uhr: Flussabwärts in Weischlitz wurden in den frühen Morgenstunden die Sparkasse und das sanierte Alte Gut von den Fluten der Elster umspült. Dort hatte bereits das Hochwasser im Jahr 2013 schwere Schäden angerichtet.  Alle verfügbaren Freiwilligen Feuerwehren aus der Umgebung von Weischlitz waren bis in die Nacht im Einsatz, um entlang der Elster Gebäude mit Sandsäcken zu sichern. Den Mitarbeitern des örtlichen Autohauses Laube gelang es in einem Wettlauf mit der Zeit, alle Autos in Sicherheit zu bringen, noch bevor ihr großes Firmengelände überschwemmt wurde. Auch der Sportplatz ist erneut überflutet worden. 

9:08 Uhr: Laut Vogtlandbahn ist der Zugverkehr auf der Linie RB 2 derzeit zwischen Weischlitz und Bad Brambach und seit den frühen Morgenstunden zusätzlich auf der RB 4 zwischen Weischlitz und Greiz wegen unwetterbedingten Gleisüberspülungen vollständig eingestellt. "Teilweise konnte Busnotverkehr auf diesen Abschnitten eingerichtet werden. Durch die gleichzeitigen Sperrungen wegen Unpassierbarkeit auf den Straßen ist der Busnotverkehr jedoch nur sehr eingeschränkt möglich", teilte das Verkehrsunternehmen mit. Nach derzeitigen Erkenntnissen dauert die Sperrung mindestens bis voraussichtlich Freitagmittag an. "Wir arbeiten gemeinsam mit DB Netz an einer schnellen Behebung der Schäden. Reisende werden gebeten, auf andere Verkehrsmittel auszuweichen. Wir weisen unsere Reisenden darauf hin, dass derzeit die Auskunftssysteme aufgrund eines technischen Problems nicht korrekt arbeiten, und es dadurch zum Beispiel zu fehlerhaften Anzeigen im Internet zur Verfügbarkeit und Pünktlichkeit der Züge kommen kann", heißt es in der Pressemitteilung.

9.01 Uhr: Schwerpunkte der heutigen Einsätze liegen in Adorf, Markneukirchen, Oelsnitz, Weischlitz und Plauen.

8.55 Uhr: Aktuell sind noch die Bundesstraße 92 zwischen Oelsnitz und Adorf sowie die B 283 zwischen Adorf und Markneukirchen sowie weitere
Kreisstraßen voll gesperrt.

(manu/nd/lie/nij/tb/fst/dpa)

Alle Beiträge zum Unwetter im Vogtland in unserem Special

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